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Geheimes Waffenlager Deutsche Eliteeinheit wird durchleuchtet

Bei dem Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr häufen sich rechtsextremistische Vorfälle. Nun soll die Truppe überprüft werden.

Sie jagen Terroristen und Kriegsverbrecher: KSK-Soldaten während einer Übung  im württembergischen Calw.
Sie jagen Terroristen und Kriegsverbrecher: KSK-Soldaten während einer Übung im württembergischen Calw.
Foto: Michaela Rehle (Reuters)

Einen solchen Brief aus der Truppe bekommen die deutschen Verteidigungspolitiker selten auf den Tisch. Dieser stammt von einem Kommandanten, von Brigadegeneral Markus Kreitmayr. Kreitmayr, 52, befehligt den Eliteverband KSK, das Kommando Spezialkräfte. Seine Leute gehören zu den am besten ausgebildeten Kämpfern der Bundeswehr, sie jagen Terroristen und Kriegsverbrecher. Aber als Mitte des Monats bekannt wurde, dass einer aus ihren Reihen bei sich daheim Waffen gehortet hatte und überdies wegen seiner rechten Gesinnung ins Visier der Ermittler geraten war, verfasste Kreitmayr einen dreiseitigen Brief an seine Leute, von dem noch nicht ganz klar ist, was er damit alles ins Rollen bringt.

Rechte hätten in seinem Verband nichts zu suchen, schrieb er und spricht diese direkt an: «Sie verdienen unsere Kameradschaft nicht!» Sie sollten aus «eigenem Antrieb» das KSK verlassen. «Tun Sie es nicht, werden Sie feststellen, dass wir Sie finden und entfernen werden!»

Hitlergruss gezeigt

Das Kommando Spezialkräfte und seine etwa 1000 Männer und Frauen stecken nach Auffassung Kreitmayrs in der grössten Krise seit Gründung. Seit geraumer Zeit ist bekannt, dass sich dort rechtsextremistische Verdachtsfälle häufen. Aber nun spricht Kreitmayr von einer neuen, «alarmierenden Qualität». Bei der Durchsuchung des Grundstücks des Soldaten fanden die Ermittler unter anderem zwei Kilo Sprengstoff und Zünder, ein Maschinengewehr und diverse andere Waffen sowie mehrere Tausend Stück Munition. Ein Teil stammt aus Bundeswehrbeständen. Das wirft zugleich die Frage auf, ob der Soldat Komplizen hatte. Denn eigentlich soll ein Mehraugen-Prinzip sicherstellen, dass Soldaten nichts mitgehen lassen, schon gar nicht Waffen. Der Soldat war aber ausgestattet wie für einen Krieg.

Bereits 2017 war er wegen seiner rechten Gesinnung auffällig geworden, damals hatte er an einer Abschiedsfeier eines KSK-Kompaniechefs teilgenommen und soll den Hitlergruss gezeigt haben. Der Elitesoldat gehört zu 20 rechtsextremen Verdachtsfällen allein im KSK – eine auffallend hohe Zahl. Kreitmayr schreibt, diese hätten dem Ansehen seines Verbandes und der gesamten Bundeswehr «massiven Schaden» zugefügt.

Arbeitsgruppe eingesetzt

Die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat jedenfalls genug davon, nur «besonderes Augenmerk» auf das KSK zu legen. Sie hat jetzt eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die der Frage nachgehen soll, ob es strukturelle Gründe gibt, die Extremismus beim KSK begünstigen.

Es gibt Besonderheiten beim KSK – vor allem jene, dass die Soldatinnen und Soldaten länger als in anderen Verbänden üblich wegen ihrer Spezialausbildung zusammenbleiben. Manche verbringen nahezu ein Soldatenleben bei den Spezialkräften. Das schafft Nähe, Enge, aber auch eine gewisse Abgeschlossenheit.

Die neue Wehrbeauftragte Eva Högl, die durch ihre frühere Arbeit im NSU-Untersuchungsausschuss Erfahrungen mit rechtsterroristischen Netzwerken mitbringt, sagte: «Der Brief des KSK-Kommandanten ist an Deutlichkeit nicht zu überbieten und kommt genau zur richtigen Zeit.» Rechtsextremismus habe in der Bundeswehr keinen Platz. Es sei «wichtig und notwendig», die einzelnen Fälle konsequent zu ermitteln, zu bestrafen und die Personen aus der Truppe zu entfernen. «Darüber hinaus müssen Netzwerke identifiziert werden und die Strukturen so verändert werden, dass sie rechtsextreme und antidemokratische Einstellungen nicht begünstigen, sondern verhindern.» Das betreffe Ausbildung, Verwendung und Präventionsarbeit.

9 Kommentare
    Niklaus Huber

    Der Kommandant schreibt, "Rechte" hätten in seinem Verband nichts verloren. Meint er nun Rechte oder Rechtsextreme? Nicht das Gleiche. Bei der Regierung Merkel und dem Linksdrall in Germanien kommt der Verdacht auf, dass er tatsächlich Rechte meinte und nicht Rechtsextreme. In Europa haben indessen alle Extremen nichts verloren, also Linksextreme nicht, Rechtsextreme nicht und auch Religions-Neandertaler nicht, weder ansässige noch eingewanderte. Linksextremismus ist genau so gefährlich wie Rechtsextremismus. Er kommt genau so oft vor und ist genau so gewalttätig. Indessen vermisse ich die gleichen harten Reaktionen, wenn es um Extremismus von Linken und religiösen Fanatikern geht. Wohl, Deutschland hat mit Militarismus Europa zweimal in den Abgrund gestürzt. Das darf nicht noch einmal passieren. Aber das undifferenzierte (!) "Willkommen" von Merkel war für Europa genauso fatal, nur einfach kein Strohfeuer, sondern ein Untergrundflächenbrand, der noch lange schwelen und belasten wird. Und das war linksgefedert. Rechts darf man sein, das gehört zu einer Demokratie, genau so, wie man links sein darf. Nur extrem eben nicht. Und da ist sprachlich schon etwas differenzierter zu formulieren durch einen Kommandanten, es sei denn, auch das ist ein politisches oder ein Karrieremanöver (oder einfach die Abdeckung der eigenen Hinterseite):