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Abstimmung zur FusionDer Traum von Grossbern ist geplatzt

Auch Frauenkappelen sagt Nein zu Fusionsverhandlungen mit der Stadt Bern. Nur Ostermundigen ist immer noch auf Fusionskurs.

Noch steht die Kirche im Dorf und die Ämter der Gemeindeverwaltung von Frauenkappelen können noch besetzt werden.
Noch steht die Kirche im Dorf und die Ämter der Gemeindeverwaltung von Frauenkappelen können noch besetzt werden.
Foto: Susanne Keller

Nun ist klar: Der Traum von Grossbern ist für die nächsten Jahre geplatzt. Von der möglichen Fusion der Stadt mit fünf umliegenden Gemeinden bleibt die Fusion mit Ostermundigen übrig. Nach Bolligen, Bremgarten und Kehrsatz hat sich nun auch Frauenkappelen zurückgezogen. Die Stimmbürger und Stimmbürgerinnen haben es am Sonntag mit 568 zu 98 Stimmen abgelehnt, Fusionsverhandlungen aufzunehmen. Die Stimmbeteiligung war mit 69 Prozent hoch. Das Dorf zählt 1331 Einwohner und Einwohnerinnen, davon sind 965 stimmberechtigt.

Zu wenig für eine Grossstadtregion

Der Gemeinderat hatte der Bevölkerung ein Nein empfohlen. Noch könne die Gemeinde die öffentlichen Ämter besetzen und die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden funktioniere. Deshalb seien die Dienstleistungen der Gemeinde sichergestellt. Eine Umfrage bei der Bevölkerung habe zudem gezeigt, dass Frauenkappelen «nicht reif» sei für eine Fusion. Das habe den Gemeinderat dazu bewogen, ein Nein zu empfehlen, sagt der Gemeindepräsident Marc Wyttenbach (Freie Wähler). Er habe das Nein erwartet, aber nicht so klar.

Die Argumente für eine Fusion zur Grossstadtregion hätten gefehlt, nachdem sich nur wenige Gemeinden überhaupt an der Machbarkeitsstudie beteiligt hätten und diese schliesslich aus dem Projekt ausgestiegen seien. Damit die Idee der Grossstadtregion hätte realisiert werden können, hätten mindestens zehn Gemeinden mitmachen müssen, sagt Wyttenbach. «Und wir wollten nicht einfach ein Zusatz zur Stadt Bern sein.»

Zweierfusion «ein grosses Tütschi»

Das Frauenkappeler Nein war auch für Aussenstehende absehbar. Nur eine Woche zuvor hatte die Bevölkerung von Kehrsatz eine mögliche Fusion abgelehnt. Die vergleichsweise kleine Gemeinde fürchtete, mit der Stadt nicht auf Augenhöhe verhandeln zu können.

«Wir konzentrieren uns nun auf die Fusion Ostermundigen-Bern»

Alec von Graffenried (GFL), Berner Stadtpräsident

Obwohl er die Frauenkappeler versteht, ist der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) enttäuscht. Bis zuletzt warb er dafür, dass sich der Fusion von Bern und Ostermundigen weitere Gemeinden anschliessen würden. Jetzt sei das Fenster, «the window of opportunity», aber zu. «Wir konzentrieren uns nun auf die Fusion Ostermundigen-Bern», sagt er. Diese sei immer noch «ein grosses Tütschi». Immerhin sei eine Zweierfusion etwas einfacher zu bewältigen als eine Mehrfachfusion.

Sechs beteiligten sich an der Machbarkeisstudie

Vor zwei Jahren gaben die Behörden von Bern, Bolligen, Bremgarten, Frauenkappelen, Kehrsatz und Ostermundigen den Startschuss zum Projekt «Kooperation Bern». Sie beschlossen, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben.

Diese sollte die Vor- und Nachteile einer allfälligen Fusion rund um Bern sowie deren Auswirkungen auf öffentliche Dienstleistungen, die politische Struktur oder den Steuersatz aufzeigen. Zudem sollte die Fusion mit anderen Formen einer vertieften Zusammenarbeit verglichen werden.

Die Machbarkeitsstudie ergab, dass eine Fusion für keine der beteiligten Gemeinden zwingend ist, aber langfristig voraussichtlich vorteilhaft wäre. Ausgelöst wurden die Fusionsüberlegungen im August 2018 vom Ostermundiger Lokalparlament. Es gab dem dortigen Gemeinderat den Auftrag, Vorbereitungen für Fusionsverhandlungen einzuleiten – «insbesondere mit der Stadt Bern».

Abstimmung im Juni 2023

In Bern und Ostermundigen haben die Parlamente schon Ende letzten Jahres entschieden, dass sie die Fusionsverhandlung aufnehmen wollen. In den nächsten beiden Jahren handeln sie nun einen Vertrag aus, der detailliert regeln wird, wie das Zusammenleben nach der Heirat funktionieren soll. Darüber wird die Stimmbevölkerung von Bern und Ostermundigen im Juni 2023 befinden. Ab dem 1. Januar 2025 wären die beiden Gemeinden dann eine.

SDA/jo

15 Kommentare
    Martin Oberli

    Fakt ist: Funktional ist die Stadt Bern viel Grösser als die Stadtgemeinde. Viele Aufgaben liessen sich besser lösen und viele Infrastrukturen sinnvoller planen, wenn der politische Raum dem funktionellen Raum entsprechen würde. Viel Leerlauf und Koordinationsaufwand würde vermieden und viele Dinge würden nicht doppelt gemacht.