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Architekturkolumne «Baustelle»Der Traum von einem anderen Bärenplatz

Plötzlich waren die sonst so belebten Berner Plätze leer. Übrig blieb nackte Architektur und freigelegte Baustubstanz. Der Spaziergang zwischen Bundeshaus und Meret-Oppenheim-Brunnen ist ein Augenöffner.

Die verwaisten Stadträume verwandeln sich in leere Kulissen ohne Akteure – was irgendwie irritierend ist, aber auch neue, unbekannte Ansichten ermöglicht: Der Bärenplatz Ende April 2020.
Die verwaisten Stadträume verwandeln sich in leere Kulissen ohne Akteure – was irgendwie irritierend ist, aber auch neue, unbekannte Ansichten ermöglicht: Der Bärenplatz Ende April 2020.
Foto: zvg

Plötzlich waren die sonst so belebten Strassen, Plätze und Parkanlagen leer. Und was blieb übrig? Die nackte Architektur. Die landesweiten Massnahmen rund um das Coronavirus haben unser aller Leben verändert. Für das Wohl der Gemeinschaft sind wir gezwungen, auf Distanz zu gehen, den öffentlichen Raum und Menschenansammlungen zu meiden. Die verwaisten Stadträume verwandeln sich in leere Kulissen ohne Akteure – was irgendwie irritierend ist, aber auch neue, unbekannte Ansichten ermöglicht. Plötzlich sehen wir Bilder vom Eiffelturm in Paris, der einsam dasteht ohne die umlaufende Masse an Touristen. Bilder von der menschenleeren Piazza San Pietro in Rom, die dadurch in ihrer Dimension noch eindrücklicher wird. Bilder von New Yorks leeren Strassen, die bis zum Horizont hin das schachbrettartige Muster Manhattans lesbar machen. In dieser Leere wird der Städtebau auf einmal ganz scharf gezeichnet. Seine Bausubstanz wird freigelegt, und wir sehen Orte, Bauten und Stadträume in einer reinen Form, in der wir sie bisher noch nicht wahrnehmen konnten.

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