Zum Hauptinhalt springen

Der Poller ängstigt HündelerDer Teufel vom Aareufer

Poller-Kolumnist Martin Erdmann wurde beim Spazieren mit dem Fürsten der Finsternis verwechselt.

Bissige Hunde und höllische Anschuldigungen: An der Aare ist immer etwas los.
Bissige Hunde und höllische Anschuldigungen: An der Aare ist immer etwas los.
Foto: Keystone

Ich will Sie nicht mit unnötigen Details aus meinem Privatleben langweilen. Jedoch ist es für den Einstieg in diesen Text ungemein wichtig, Sie darüber zu informieren, dass ich manchmal spazieren gehe. Denn während eines solchen Spaziergangs an der Aare ist mir neulich Absonderliches passiert. Ich, ein unbescholtener Bürger mit reinem Herzen und nichts als den besten Absichten für diese Welt, schlenderte also das Ufer entlang, als mir ein Hund entgegenkam. Dieser schien plötzlich vom sehnlichen Verlangen befallen worden zu sein, mir in die Waden zu beissen. Nur durch bemerkenswerte Geistesgegenwart konnte ich meine Beine dem Hundegebiss entziehen.

Meine Beine sind Gegenstand meines täglichen Gebrauchs. Deshalb reagiere ich stets etwas sensibel, wenn jemand versucht, deren Funktionstüchtigkeit zu beeinträchtigen. Also legte ich der Besitzerin des Hundes nachdrücklich nahe, ihr Tier an die Leine zu nehmen, wenn sich dieses nicht vom Wunsch lösen könne, seine Zähne in die Waden unbescholtener Bürger zu graben. Die Hundefrau nahm meine Empfehlung nicht gut auf. Sie starrte mich mit entgeistertem Blick an und hauchte mir mit zittriger Stimme entgegen, dass ich der Teufel sei.

Bisher ging ich nicht davon aus, der Teufel zu sein. Doch weil Selbstreflexion wichtig ist, begann ich darüber nachzudenken, ob ich vielleicht nicht doch der Antichrist bin. Also ging ich auf satanische Spurensuche an meiner selbst. Es ist tatsächlich so, dass meine Mimik naturgemäss düster ist. Das widerspiegelt aber nicht permanent meine Gefühlslage. Ich kann die beste Zeit meines Lebens haben, während mein Gesichtsausdruck der Mine einer steinernen Figur an der Aussenfassade einer gotischen Kathedrale gleicht. Mein Gebärdenspiel wird sogar noch etwas dunkler, wenn meine Beine dem Blutdurst animalischer Kreaturen zum Opfer fallen drohen. Doch ist das Beweis genug, um die Theorie der Hundefrau, dass ich der Höllenfürst sei, als valide zu betrachten?

Ich forschte weiter. Bei meinen Füssen stiess ich auf wichtige Indizien. Ich werde wohl nie Anfragen erhalten, um Werbung für Pediküreprodukte zu machen. Aber meine Füsse als Hufe zu bezeichnen, ginge dann doch zu weit. Zudem wurde mir auch nie übermässiger Schwefelgeruch nachgesagt. Diese Abweichungen von den körperlichen Merkmalen Satans liessen in mir ernsthafte Zweifel aufkommen, wonach ich der Fürst der Finsternis sein soll. Vor allem auch deshalb, weil das während meiner Aufzucht bestimmt einmal zur Sprache gekommen wäre. Ich glaube nicht, dass meine Eltern es mir verschwiegen hätten, falls ich Satan wäre. Schon nur aus beruflichen Gründen. Schliesslich wär mir dann das Direktorat der Hölle sicher ein florierendes Unternehmen von internationaler Bekanntheit.

Ich stiess auf weitere Anhaltspunkte, dass ich kaum der Teufel sein kann, und begann am Urteilsvermögen der Hundefrau zu zweifeln. Oder glaubt sie tatsächlich, dass Satan eine 80-Prozent-Stelle bei einer Berner Tageszeitung bekleidet? Wirft die Hölle derart wenig Geld ab, dass sich der arme Teufel einen Zweitjob zulegen musste, um es sich leisten zu können, den Ort der ewigen Pein weiterzubetreiben? Also wenn ich tatsächlich der Teufel wäre, dann stünde es um das Böse dieser Welt nicht besonders gut.

Der «Bund»-Redaktor ist dennoch daran interessiert, Ihre Seele zu kaufen. Vertragsentwürfe per Anfrage.

1 Kommentar
    Freeride Christine

    Eine verteufelt gute Kurzgeschichte zum Schmunzeln (einmal ohne Virus). Danke!