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Black Lives Matter in IndienDer Rassismus, der aus der Tube kommt

Die Rassismusdebatte in den USA hat Auswirkungen bis nach Indien: Dort sind aufhellende Hautcremes zum Streitobjekt geworden.

Soll einen neuen Namen bekommen: Die umstrittene, aber höchst populäre Creme «Fair & Lovely» – hell und wunderbar.
Soll einen neuen Namen bekommen: Die umstrittene, aber höchst populäre Creme «Fair & Lovely» – hell und wunderbar.
Foto: Amit Dave/Reuters

Seit Jahrzehnten steht die Creme in vielen Drogerien des indischen Subkontinents. Auf der Packung prangt: «Fair & Lovely» – hell und wunderbar. Das Produkt des Herstellers Hindustan Unilever verspricht Schönheit durch ein helleres Antlitz. Und es findet reissenden Absatz. Der Inhalt der Tuben steht für die Sehnsucht, seine Haut aufzuhellen, oder auch den gefühlten Zwang.

Nun wird der bekannte Markenname geändert. Künftig steht auf der Packung: «Glow & Lovely» – strahlend und wunderbar. Ob diese kleine Korrektur die wachsende Kritik an den Cremes eindämmen wird, ist fraglich. Die Kosmetika sind zum Streitobjekt geworden, angefacht durch die Rassismusdebatte in den USA und die Bewegung Black Lives Matter.

Hindustan Unilever verspricht Besserung

Aktivisten wollen das Stigma dunkler Haut beseitigen, das sie als asiatische Variante des westlichen Rassismus betrachten. Vorurteile, die Menschen mit dunkler Haut treffen, spalten viele Gesellschaften Asiens, sie demütigen Menschen und grenzen sie aus. Hindustan Unilever geriet vor allem in den sozialen Medien unter Druck. Das Unternehmen profitiere von einem «internalisierten Rassismus», klagen Kritiker, die Creme vermittle die Botschaft, dass etwas falsch sei mit der Hautfarbe vieler Menschen.

Der Konzern gab sich nun reuig und versicherte, er wolle kein falsches «singuläres Schönheitsbild» stützen, sondern künftig «eine grössere Vielfalt zelebrieren». Aktivisten sprechen von Etikettenschwindel, solange das Produkt im Handel bleibe. Auch die Kosmetikunternehmen L’Oréal und Johnson & Johnson wollen Begriffe wie «hell» oder «weiss» aus ihren Produktnamen streichen oder deren Verkauf sogar einstellen.

«Viele von uns glauben nicht, dass Menschen mit dunkler Haut etwas zählen.»

Anuradha SenGupta, Journalistin

In Indien gilt helle Haut oft als Ausweis eines höheren Status, während dunklere Töne bei vielen negative Assoziationen hervorrufen: Rückständigkeit, Armut, mangelnde Bildung. Das Stigma, bei dem in Indien auch die Sortierung von Menschen nach Kasten eine Rolle spielt, trifft viele Millionen Menschen, denen Würde und Anerkennung versagt werden.

Die Kosmetikindustrie kämpft mit Vorwürfen, dass sie sich Minderwertigkeitsgefühle zunutze mache. Ausserdem gab es wiederholt Warnungen vor möglichen Gesundheitsschäden. Kürzlich berichtete die Agentur Reuters, dass zahlreiche Cremes von kleineren Herstellern mit potenziell gefährlichen Quecksilberwerten immer noch online verfügbar seien.

Hellhäutige Menschen als ehrlicher eingestuft

Aktivisten in Asien wollen die globale Dynamik gegen Rassismus nutzen, um einen Wandel anzustossen. Ob dies auch in Indien zu einer grösseren Bewegung wird, ist ungewiss. «Die offene Diskriminierung dunkelhäutiger Menschen hat bei uns eine lange Geschichte», schreibt die indische Journalistin Anuradha SenGupta. Sie berichtete darüber, wie unterschiedliche Hautfärbung Vorurteile über vermeintliche Charakterzüge geprägt haben soll.

Dabei beruft sie sich auf indische Marktforscher. Die haben offenbar herausgefunden, dass hellhäutige Menschen als ehrlicher eingestuft werden als solche mit dunkler Haut. «Die meisten von uns glauben nicht wirklich daran, dass Menschen mit dunkler Haut etwas zählen», sagt SenGupta.