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Elizabeth II. und FranziskusDer Papst und die Queen gehen nackt baden

Oscargewinner Paolo Sorrentino hat einen Netflix-Kurzfilm über die Würdenträger in Quarantäne gedreht – mit winkenden Puppen.

Regisseur Paolo Sorrentino bei Dreharbeiten vor dem Petersdom – seinen Kurzfilm aber hat er zu Hause realisiert.
Regisseur Paolo Sorrentino bei Dreharbeiten vor dem Petersdom – seinen Kurzfilm aber hat er zu Hause realisiert.
Foto: Gianni Fiorito (Netflix)

Was haben Queen Elizabeth II und Papst Franziskus im Lockdown gemacht? Filme und Serien geschaut, wie wir alle. Die beiden hatten allerdings ein spezielles Programm. Er wollte immer wieder den Spielfilm «The Two Popes» sehen. Sie dagegen die Serie «The Crown» «bitte, bitte, noch einmal die erste Staffel, da war ich so jung».

So stellt sich das auf jeden Fall Paolo Sorrentino vor. Der Regisseur aus Neapel, der mit «La Grande Bellezza» im Jahr 2014 den Fremdsprachen-Oscar gewonnen hatte, inszeniert in einem Kurzfilm den Besuch der britischen Königin beim Papst. Und zwar genau in dem Moment, in dem die italienische Regierung den Lockdown verkündet. Elizabeth II ist gezwungen, im Vatikan zu bleiben. «Macht nichts», sagt sie, «ich lebe seit 94 Jahren in Isolation.»

Sorrentinos Beitrag ist Teil der «Homemade»-Sammlung, die Beiträge von renommierten Filmschaffenden aus der ganzen Welt vereint. Gedreht wurden sie in den vergangenen Wochen mit einfachsten Mitteln, es gibt viel Introspektives. Die Schauspielerin und Regisseurin Kristen Stewart zum Beispiel zeigt praktisch nur ihr ermüdetes Gesicht und kommt dann zum Schluss, dass sie eine Pause brauche. Der Deutsche Sebastian Schipper zeigt eine beschleunigte Variante dieses Themas.

Am originellsten in dieser Kollektion aber ist Sorrentinos Papstbesuch. Der oberste Kirchenhirte und die Queen werden dabei durch Puppen verkörpert, die ständig winken. Als Vatikan dient die – zugegeben grosszügige – Römer Wohnung des Regisseurs, die Protagonisten treffen sich vor dem Büchergestell oder in der Blumenschale. Und der Lockdown wird von einer ganz speziellen dritten Figur verkörpert: dem Dude aus «The Big Lebowski», der selbstverständlich vor der Hausbar des Regisseurs steht.

Obama liebte die Rosen des Papstes

Sorrentino hat ja Erfahrung mit kirchlichen Würdenträgern, er hat mit «The New Pope» selber eine Papst-Serie gedreht. Und auch das Thema Alter zieht sich durch sein Werk, zum Beispiel im Kinofilm «Youth», den er teilweise in Graubünden realisierte. Jetzt verdichtet er das alles zu entzückenden sieben Minuten, gefilmt mit seiner Handykamera.

Die beiden Würdenträger diskutieren, lachen zusammen, streiten ein wenig. Man erfährt so nebenbei, dass die Queen nicht Tee kochen kann («er wird mir immer serviert») und dass der Papst stolz ist, weil Barak Obama seine Rosen liebte. Mit der Zeit wird es besinnlicher, es kommt aber auch zu ein paar sanften Frivolitäten. Diese gipfeln in einem gemeinsamen Nacktbad – in einem Teich der Vatikangärten?

«Eingesperrt sein ist ein Geisteszustand.»

Queen Elizabeth II und Papst Franziskus

Aber auch der Lockdown selber wird besprochen. «Die Menschheit lernt jetzt, wie es ist, eingesperrt zu sein. Etwas, was wir jeden Tag erleben», sagt die von der britischen Schauspielerin Olivia Williams gesprochene Königin. Der Papst (Javier Cámara) erwidert, es sei vielleicht doch ein Unterschied, ob man in einer 50 Quadratmeter kleinen Wohnung ausharren müsse oder in einem Palast von 50 Hektaren.

Die beiden einigen sich schliesslich auf den Satz «Eingesperrt sein ist ein Geisteszustand». Dann schauen sie von ihrem Ausguck aus noch kurz auf das wunderschöne, verlassene Rom hinab. Und es sieht so aus, als könnte nichts und niemand sie dazu bewegen, die Quarantäne wieder zu verlassen.

Die ganze «Homemade»-Serie mit 17 Beiträgen gibt es jetzt auf Netflix.