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Sieben Thesen vom «Stadtwanderer»«Der Naturgenuss ist eine Volksseuche»

Er bezeichnet Touristen als «Freizeitsklaven» und spottet über die «Benzinschweizer»: Der Berner Architekturkritiker Benedikt Loderer ist bekannt für seine pointierte Ausdrucksweise. Sieben Thesen aus seinem neuen Buch.

Und wieder kommt das «Heer von Freizeitsklaven»: Wintertourismus in den Alpen.
Und wieder kommt das «Heer von Freizeitsklaven»: Wintertourismus in den Alpen.
Foto: Archiv

Die Zersiedelung heisst bei ihm «Hüslipest»; Bergtourismus wird zum «Alpenwahn»: Der Berner Architekturkritiker Benedikt Loderer wählt für seine Anliegen mitunter drastische Bilder. Nun hat er 77 seiner Kolumnen, die zwischen 2010 und 2018 im «Bieler Tagblatt» erschienen sind, als Buch herausgegeben – überarbeitet, aktualisiert und ergänzt von Bildern des Fotografen Hans Jörg Bachmann. Was gibt es aus seinen Texten zu lernen? Welches sind seine Langzeitthesen? Wir haben sieben davon herausdestilliert.

Die Altstadt ist eine Neuerfindung

Früher gab es hier wohl Staub, Schlamm und Gestank: Die Berner Kramgasse.
Früher gab es hier wohl Staub, Schlamm und Gestank: Die Berner Kramgasse.
Foto: Valérie Chételat

Was macht eine Altstadt aus? Natürlich die sorgfältige Pflästerung, würden wir heute sagen. Für Benedikt Loderer sind die alten Strassen mit ihren hübschen Pflastersteinen allerdings die «Schmucktruckliversion» des einstigen Stadtbildes. Die Altstadt, die wir schafften, orientiere sich an Postkartenbildern und nicht daran, wie sie früher tatsächlich ausgesehen habe. Denn vor dem 17. Jahrhundert bestand der dortige Boden lange aus Staub und Schlamm. Ausserdem hat es früher in der Altstadt ziemlich gestunken: Wo heute der Detailhandel floriert, gab es damals viele Werkstätten und Ställe.

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