Der Kampf gegen das Littering kann gewonnen werden

Die öffentlichen Seeanlagen sind häufig mit Abfall übersät. Meilen scheint jetzt aber ein Rezept gegen das Littering gefunden zu haben.

Von Patrick Gut Seit einem Jahr gilt im Bezirk Meilen die neue Polizeiverordnung. Sie würde es der Polizei erlauben, Littering-Sünder zu büssen. Bisher ist allerdings keine einzige solche Busse ausgesprochen worden. Das hat eine Umfrage in den Gemeinden Küsnacht, Herrliberg, Meilen, Männedorf und Stäfa ergeben. Bussen für Littering seien kaum umzusetzen, heisst es. Schliesslich müsste man die Sünder in flagranti erwischen. «Bussen würden bei den Betreffenden zudem kaum zu besserem Verhalten führen», sagt Daniel Scheidegger, der Stäfner Gemeindeschreiber, «Bussen würden sie eher frustrieren.» Kritisch äussern sich die Behörden auch zur Videoüberwachung. «So würden wir die Jugendlichen bloss vertreiben», sagt etwa der Herrliberger Sicherheitsvorstand Ernst Frei (SVP). Eine gewisse Entspannung scheint der Einsatz von Protectas-Mitarbeitern zu bringen, die nachts patrouillieren. Der Küsnachter Gemeindeschreiber Peter Wettstein sagt: «So haben wir die Sache so gut als möglich im Griff.» Grössere Abfallbehälter Eine weitere Massnahme ist das Aufstellen von mehr und grösseren Abfallbehältern. Das entschärft die Situation geringfügig. «Littering ist ein Problem, mit dem wir leben müssen», sagt Peter Wettstein. Man müsse sich leider von der Wunschvorstellung lösen, dass die Parkanlagen jeden Tag sauber aussehen. Der Stäfner Gemeindeschreiber Daniel Scheidegger meint: «Es gibt gewisse gesellschaftliche Entwicklungen, die man akzeptieren muss. Wir müssen versuchen, das Beste daraus zu machen.» Einig sind sich die Angefragten, dass der Abfall rasch entsorgt werden muss. Die Verantwortlichen in den Gemeinden wissen: Abfall zieht Abfall an. Einen anderen Ansatz hat man sich in Stäfa nur einmal kurz überlegt: den Abfall liegen zu lassen. «Wir haben auf einen Versuch verzichtet, weil es die falschen Nutzer getroffen hätte», sagt Daniel Scheidegger. Der Männedörfler Gemeindeschreiber Hannes Friess will einen neuen Ansatz in die Diskussion einbringen. Ihm schweben Patenschaften vor. Dabei würde eine Person ehrenamtlich eine Anlage betreuen. Sie würde mit den Nutzern einen Kodex erarbeiten. «Wenn ein Pate auf andere Nutzer zugeht, sie begrüsst und höflich dazu anhält, ihre Abfälle sauber zu entsorgen, könnte das wirken», sagt Friess.Littering verursacht in den Gemeinden zusätzliche Kosten. In Küsnacht sind das grob geschätzt 20 000 bis 30 000 Franken im Jahr. In Männedorf rechnet man mit 5000 bis 7000 Franken. In Herrliberg geht der Sicherheitsvorstand von «ein paar Tausend Franken» aus. Zehn Unterflursammelstellen Eine Erfolgsmeldung im Kampf gegen das Littering kommt jetzt aus Meilen. Die Gemeinde hat an vier neuralgischen Stellen zehn Unterflursammelstellen eingerichtet. Diese fassen rund 600 Liter und bieten so eine viel grössere Kapazität als die herkömmlichen Abfallbehälter. «Und sie werden rege genutzt», sagt der Meilemer Gemeindeschreiber Didier Mayenzet. Der Aufwand der Gemeinde für den Unterhalt der zehn Unterflursammelstellen hält sich in Grenzen: Mit einem Kommunalfahrzeug lassen sich allesamt in bloss 90 Minuten leeren. So siehts am Küsnachter Horn nach einem warmen Wochenende aus. Foto: Reto Schneider

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