Der Hafenkran kommt mit dem Böögg

Das Künstlerteam hinter dem Hafenkran am Limmatquai macht vorwärts. Es will das Kunstwerk bis zum Sechseläuten aufstellen. Das Objekt wirft bereits seinen Schatten voraus.

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«Spektakuläre Schlagzeilen» versprach Jan Morgenthaler von Zürich Transit Maritim am Montagmorgen. Vor dem Lokal des Limmatclubs an der Schipfe sorgte ein Akkordeonspieler für Hamburger Hafenromantik. Drinnen gabs dann Gipfeli, Mineral und, nach ein paar Hornstössen ab Konserve, Neuigkeiten zum umstrittenen Projekt.

Wie der Kran genau aussehen wird, bleibt weiter ein Geheimnis. Die Künstler zeigten lediglich ein Bild vom Schatten des Stahlkolosses, der schon bald am Limmatquai aufgestellt werden soll. Im März beginnen die Arbeiten, pünktlich zum Sechseläuten am 28. April soll der Kran stehen. «Bei einem Krimi verraten Sie auch nicht schon im ersten Kapitel den Schluss», begründete Morgenthaler die andauernde Verschwiegenheit. Es handle sich beim Hafenkran um ein archäologisches Projekt der Zukunft: «Wir müssen das Objekt freilegen!»

Stadtrat schwitzte

Neben Künstlern und anderen Freunden des Hafenkrans war im Bootshaus auch die Stadtzürcher Regierung vertreten: Stadtrat Martin Waser (SP) sagte, er sei ein «romantischer Mensch» – und erklärte so seine Liebe zum Hafenkran. Er habe Herzrasen und Schweissausbrüche gehabt, als im letzten September bei einer Sitzung klar wurde, dass das Projekt rund 120'000 Franken teurer würde als geplant. Er habe seiner Frau eine SMS geschickt: «Wie viel ist dir der Hafenkran wert?» Zur Antwort bekam der Sozialvorsteher folgende Nachricht: «Was heisst das? Dass wir persönlich das bezahlen? Eigentlich haben wir ja genügend Geld, und wir können es ja nicht in den Himmel nehmen. Von mir aus ist das okay.» Schliesslich haben sich die Wasers entschlossen, den Betrag zu sponsern. Nicht allein, aber mit Unterstützung anderer Leute, die sich in die Idee eines maritimen Zürichs verliebt hätten, sagte Waser. Ab einer Spende von 100 Franken gibts ein Buch zum Hafenkran, ab 10'000 Franken eine Ehrenmitgliedschaft im neu gegründeten Verein Zürich Maritim und, falls gewünscht, eine Gravur auf dem Kranfuss.

Fischsuppe und Seebären

Schliesslich gab die Musikerin Ines Florin ein paar Details zum Hafenfest im Sommer bekannt. Dieses startet am Freitag, 4. Juli, und dauert bis Sonntag, 6. Juli. Gefeiert wird beidseits der Limmat. «Beim Central ist bereits die salzige Luft zu riechen. Es gibt Fischsuppe und ein Boule-Turnier auf dem Lindenhof.» Des Weiteren geplant sind: Tanz und Theater auf und am Wasser, Gaukler, Marktfahrer und Seebären. «Zürich soll für einmal Genua, Hongkong und New York sein», sagte Florin.

Seit 2009 stehen am Quai entlang der Limmat fünf gusseiserne Hafenpoller, Vorboten des Projekts Zürich Transit Maritim. Und mindestens so lange schon streiten Fans und Gegner leidenschaftlich über die nun rund 700'000 Franken teure Kunstaktion. Gegen den Hafenkran wurden 6000 Unterschriften gesammelt, und bei jeder Gelegenheit wurde im Rathaus gewettert. Der Stadtrat «verschandle» den öffentlichen Raum, verschwende Steuergeld und brüskiere die Bevölkerung, sagte etwa SVP-Stadtratskandidat Roland Scheck. Es half alles nichts. Über die Volksinitiative «Hafenkräne – Nein», welche das Aufstellen nicht effektiv von der Zürichsee- und Limmatschifffahrt benötigter Hafeninfrastruktur verbieten will, wird frühestens dann abgestimmt, wenn der Hafenkran schon steht.

Gut möglich aber, dass es jetzt gar nie zum Urnengang kommt. «Wir überlegen uns, die Initiative zu stoppen», sagt FDP-Gemeinderätin Tamara Lauber vom Gegnerkomitee. «Wenn der Hafenkran steht, macht der Kampf dagegen keinen Sinn mehr.» Es sei klar, dass der Stadtrat mit seinem angekündigten Gegenvorschlag auf Zeit spiele, sagt die Freisinnige. Auf die 6000 Unterschriften gegen die Kunstaktion ist sie dennoch stolz: «Die Bevölkerung hat damit zum Ausdruck gebracht, dass sie diesen Hafenkran nicht will.» Es sei bedauerlich, dass der Stadtrat dem nicht Rechnung trage und die Abstimmung unnötig verzögere.

DerBund.ch/Newsnet

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