Zum Hauptinhalt springen

Kommentar zur AbtreibungsrateDer Entscheid der Frauen

Seit zwei Jahren steigt die Abtreibungsrate in der Schweiz. Den Frauen fällt dieser Schritt aber nicht leichter als früher.

Insgesamt brachen 9447 Frauen ihre Schwangerschaft ab. International hat die Schweiz eine der tiefsten Schwangerschaftsabbruchraten.
Insgesamt brachen 9447 Frauen ihre Schwangerschaft ab. International hat die Schweiz eine der tiefsten Schwangerschaftsabbruchraten.
Foto: TDG

Die Schweiz hat im internationalen Vergleich eine der tiefsten Schwangerschaftsabbruchraten. Jahrelang sank diese kontinuierlich. 2018 kam es allerdings zur Wende. Das Bundesamt für Statistik verzeichnete vier Prozent mehr Abtreibungen gegenüber dem Vorjahr. Die Fachwelt rätselte. Jetzt zeigt sich: 2019 ist die Zahl erneut gestiegen, um ein Prozent.

Insgesamt brachen 9447 Frauen ihre Schwangerschaft ab, wobei die Daten für die Kantone Bern und Glarus noch fehlen. Auf 1000 Frauen im Alter von 15 bis 44 Jahren kamen vergangenes Jahr 6,5 Abtreibungen.

Der Trend zu natürlichen Verhütungsmitteln könnte ein Grund für den Anstieg sein. Viele Frauen sind es leid, Hormone zu schlucken, und greifen stattdessen auf Zyklus-Computer oder Zyklus-Apps zurück. Vor allem Frauen im mittleren Alter scheinen pillenmüde zu sein. So ist denn auch der Anstieg der Abtreibungen in dieser Altersgruppe am grössten.

Bis zur zwölften Woche straffrei

Solche Zyklus-Tracker basieren auf einer alten Methode: dem Messen der Basaltemperatur. Um den Eisprung steigt die Körpertemperatur an. Die Sicherheit liegt allerdings nur bei 70 Prozent.

Laufend kommen neue Tracker auf den Markt. Neuerdings ist jedoch die Hürde für Anbieter höher, seit Mai gilt die neue ­Europäische Medizinprodukteverordnung. Unter anderem sind die Anforderungen an die klinische Bewertung der Produkte stark gestiegen. Das ist gut so.

Doch der weibliche Zyklus unterliegt starken Schwankungen. Und diese kann wohl manchmal selbst der beste Algorithmus nicht prognostizieren. In Artikel 119, Absatz 2 des Strafgesetzbuchs steht: Der Schwangerschaftsabbruch ist in der Schweiz bis zur zwölften Woche straffrei, und massgebend ist allein die Entscheidung der Frau. Das soll so bleiben, auch wenn die Frauen ihre Verhütungsmethoden ändern.

Klar ist, und da sind sich auch die Mediziner einig: Frauen treiben nicht leichtfertiger ab als früher. Ein Schwangerschaftsabbruch ist und bleibt ein belastender Eingriff. Kaum eine Frau nimmt das auf die leichte Schulter.