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Mercedes-AMGDer elektrifizierte Tuner

Auch die Hochleistungsschmiede von Mercedes-Benz steht unter Strom: Zwei unterschiedliche Standbeine sind bei AMG geplant.

Sport mit Stecker: Bald stehen bei Mercedes auch die AMG-Modelle unter Strom – zumindest ein bisschen.
Sport mit Stecker: Bald stehen bei Mercedes auch die AMG-Modelle unter Strom – zumindest ein bisschen.
Foto: Daimler

Die Mercedes-AMG GmbH, auch einfach nur AMG genannt, ist eine Tochtergesellschaft der Daimler AG und zuständig für die High-Performance-Fahrzeuge des Konzerns. Der Firmensitz von Mercedes-AMG in Affalterbach liegt rund 20 Kilometer vom Daimler-Hauptsitz in Stuttgart-Untertürkheim entfernt. Bisher zählten vor allem bollernde V8-Benziner zum Markenkern von AMG. Doch der Wind dreht auch bei den «Tunern». Künftig will sich die Performance-Abteilung der Marke «auch und vor allem» elektrisch betätigen. Neben Plug-in-Hybriden unter dem Label E-Performance sind rein elektrische Modelle auf Basis der Mercedes-EQ-Modelle geplant.

Die Plug-in-Hybride von AMG wollen technisch eigenständig auftreten. Anders als bei den normalen Mercedes-Modellen sitzt der E-Motor nicht in der Getriebeglocke, sondern direkt an der Hinterachse. Das soll unter anderem einen günstigen Einfluss auf Gewichtsverteilung und die Spontaneität der Leistungsabgabe haben. Zudem sind deutlich höhere Leistungen des Elektro-Parts möglichbis zu 150 kW/204 PS sind angekündigt. Hinzu kommt eine eigene, aus der Formel 1 abgeleitete AMG-Performance-Batterie mit einzeln gekühlten Zellen, deren Leistungsdichte doppelt so hoch liegen soll wie bei den Standardfahrzeugen. Das würde für kurze Ladezeiten und eine schnelle Energieabgabe sowie -aufnahme während der Fahrt sprechen, dürfte aber die Kapazität und somit die elektrische Reichweite einschränken.

Die Rolle des Verbrenners werden Vier- und Achtzylindermotoren übernehmen. Je nach Baureihe und Variante sind unterschiedliche Kombinationen von Akku, E-Motor und Verbrenner möglich. Mercedes spricht von bis zu 600 kW/816 PS Systemleistung und Spurtzeiten von unter 3 Sekunden auf Tempo 100. «Mit der neuen Antriebsstrategie transportieren wir unsere typische DNA in eine elektrifizierte Zukunft», bestätigt Philipp Schiemer, Vorsitzender der Geschäftsführung bei AMG. «Unsere komplett in Affalterbach entwickelten Performance-Hybriden werden die Fahrdynamik unserer aktuellen Modelle sogar noch übertreffen. Auch mit den rein elektrischen Derivaten auf Basis der Mercedes-EQ-Modelle starten wir als Mercedes-AMG mit der Elektrifizierung des Portfolios weiter durch. Wir öffnen uns damit neuen Zielgruppen, die Mercedes-AMG als Performance-Luxury-Marke des 21. Jahrhunderts erleben können.»

EQ-Modelle werden «getunt»

Bei den reinen E-Autos setzt AMG auf eigene Varianten der Mercedes-EQ-Modelle. Die Stromsportler werden in Affalterbach an Antrieb, Fahrwerk, Bremsen, Sound modifiziert. Auch Exterieur- und Interieurgestaltung sowie Serienausstattung und Optionen sollen umfangreich neu entwickelt werden. Das erste Modell wird noch in diesem Jahr starten, wahrscheinlich auf Basis der E-Limousine EQS, die in Kürze Premiere feiert. Für den Antrieb des AMG-Modells sorgen dann zwei E-Motoren, die Fahrleistungen auf dem Niveau von Autos mit V8-Motoren erreichen sollen. Tempo 100 soll nach weniger als 4 Sekunden erreicht sein, die Beschleunigung wird bei 250 km/h abgeregelt.

Mit der Elektrifizierung von AMG reagiert Mercedes auf den steigenden Druck zur CO2-Reduzierung. Auch die BMW M GmbH hat bereits entsprechende Modelle angekündigt, ein erstes soll noch dieses Jahr Premiere feiern. Ob als Plug-in-Hybrid oder als Variante der E-Limousine i4 ist noch unklar. Wettbewerber Audi hat mit dem RS E-Tron GT kürzlich bereits ein vollelektrisches Performance-Modell vorgestellt.

3 Kommentare
    Jürgen Baumann

    Die gute Nachricht: Teilweise haben sie erkannt, dass es Technologieklarheit braucht.

    Die schlechte Nachricht: Da schwingt immer noch ein gutes Stück der sogenannten „Technologieoffenheit“ mit.