Zum Hauptinhalt springen

Demos am 1. AugustDemonstranten künden unbewilligte Proteste an

Trotz abgesagter Bundesfeier und Zurückhaltung bei der möglichen YB-Meisterfeier wollen diverse Gruppen in Bern demonstrieren. Die Polizei und die Stadt Bern fordern Solidarität.

Tausende Töfffahrer protestierten 2003 auf dem Bundesplatz gegen ein Tempolimit. Können sie am Samstag wieder mobilisieren?
Tausende Töfffahrer protestierten 2003 auf dem Bundesplatz gegen ein Tempolimit. Können sie am Samstag wieder mobilisieren?
Foto: Tomas Wüthrich

Grössere Veranstaltungen sind eigentlich abgesagt, aber nur fast. Nachdem die Stadt Bern im Falle eines Sieges der Berner Young Boys keine generelle Freinacht bewilligen wollte und auch die 1.-August-Feier begraben hat, rufen nun diverse Organisationen zu Demonstrationen am Samstag auf.

«Gegen die Diskriminierung der Motorradfahrer» lautet der Slogan einer der Gruppen, die am Samstag ursprünglich die Töffszene auf dem Bundesplatz mobilisieren wollten. Damit protestieren sie gegen ein generelles Fahrverbot für laute Motorräder, das Nationalrätin Gabriela Suter (SP, Aargau) in einem Vorstoss forderte. Für die Organisatoren der Aktion gebe es «grossen Handlungsbedarf», so ihr Präsident Bernd Hanisch. Ihren Aufruf vom Samstag haben sie allerdings zurückgezogen.

Bereits 2003 kam es unter den Töfffahrerinnen und -fahrern zu einer grossen Mobilmachung in Bern. Rund 30’000 Menschen protestierten damals gegen ein mögliches Tempolimit von 80 Kilometern pro Stunde. In diesem Jahr sprechen sich die Schweizer Motorradverbände in einer gemeinsamen Stellungnahme aber gegen eine Demonstration aus und halten ihre Mitglieder dazu an, «unnötig lautes Fahren» zu vermeiden.

«Am 1. August hat die Stadt keine Bewilligungen für Versammlungen erteilt.»

Reto Nause, Sicherheitsdirektor (CVP)

Aufrufe zur Demonstration in Bern gibt es auch aus linksautonomen Kreisen. Diese rufen für den 1. August zum Protest gegen den «Mythos Schweiz» auf. Zuletzt kündigten auch Lockdown-Gegner und Gruppen mit skurrilen Bezeichnungen Demonstrationen an.

«Am 1. August hat die Stadt keine Bewilligungen für Versammlungen erteilt», sagt Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) auf Anfrage. Es seien aber auch keine Gesuche eingegangen. Die Aufrufe stammten lediglich von «kleinen Splittergruppen», so Nause weiter. Bei den Töfffahrern gehe er davon aus, dass diese stattdessen nächste Woche am Protest auf dem Gotthard teilnehmen werden. Auch bei den Corona-Gegnern erwartet Nause keinen grossen Andrang, denn mit den Lockerungsmassnahmen in den letzten Monaten sei der Druck «deutlich kleiner» geworden. Weil die Bundesfeier in diesem Jahr ausfällt, könnten die linksautonomen Gruppen auch keine offizielle Feier stören und Konflikte hervorrufen, wie man in den letzten Jahren befürchtet habe.

«Punktuell verstärkt»

Der Polizei seien die Aufrufe zu Kundgebungen bekannt, sagt Dominik Jäggi, Mediensprecher der Kantonspolizei Bern. Aufgrund des schönen Wetters, der Ferienzeit und weil sich an Feiertagen und Wochenenden erfahrungsgemäss mehr Leute draussen aufhielten, sei die Polizei im ganzen Kanton unterwegs und «punktuell verstärkt präsent».

Zu den möglichen Feiern im Falle eines YB-Meistertitels äusserte sich die Stadt Bern am Donnerstag erneut in einer Medienmitteilung. Darin appellierte sie an die «Solidarität und Verantwortung aller». Die Fans sollten den Match dezentral verfolgen und in kleinen Gruppen feiern.