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Wegen der Corona-KriseWEF speckt ab – das beunruhigt die Hoteliers

Weil das nächste Treffen in Davos bescheidener ausfällt, rechnet das lokale Gewerbe mit einem «enormen Wertschöpfungsverlust».

Das Nächste WEF wird kleiner: Laut Gründer Klaus Schwab hat die Corona-Krise einige gesellschaftliche Probleme offengelegt.
Das Nächste WEF wird kleiner: Laut Gründer Klaus Schwab hat die Corona-Krise einige gesellschaftliche Probleme offengelegt.
Foto: Christian Beutler/Keystone

Was den Dauerkritikern bislang nicht gelang, bewirkt das Coronavirus: Das World Economic Forum (WEF) muss seine bevorstehenden Treffen in Davos im Januar 2021 redimensionieren. Statt der gewohnten 2500 bis 3000 Teilnehmern – dieser «Versammlung von Milliardären, Millionären, Führern der Welt, Weltverbesserern, Wichtigtuern und Journalisten», wie der britische Historiker Niall Ferguson am letzten WEF spottete – werden es möglicherweise nur 1500 bis 2000 Personen sein, wie WEF-intern zu vernehmen ist.

WEF-Gründer Klaus Schwab preist die Redimensionierung des Treffens als «einzigartigen Zwillingsgipfel» an. Das Thema soll «Der grosse Neustart» sein. «Die globale Gesundheitskrise hat die fehlende Nachhaltigkeit unseres alten Systems in Bezug auf den sozialen Zusammenhalt, den Mangel an Chancengleichheit und Inklusivität offengelegt», erklärte Schwab.

Teilnehmer werden aufgeteilt

Beim geforderten Neustart fängt Schwab mit dem WEF in Davos an: Die als «wichtig» bezeichneten globalen Regierungs- und Wirtschaftsführer sollen sich weiterhin in Davos treffen dürfen. Alle anderen, sozusagen die B-Liga, werden sich in 420 Städten weltweit in Hubs organisieren und dort online Davos zugeschaltet werden. Das WEF spricht von Tausenden junger Menschen. Im Forums-Englisch heissen sie «global shapers», und zu ihnen gehören junge, aufstrebende Wirtschaftsführer ab Jahrgang 1980.

Das WEF will noch mehr, wie es am Mittwoch bekannt gab: In den Hubs sollen alle interessierten Bürger am Dialog teilnehmen können. Darüber hinaus «werden globale Medien und soziale Mediennetzwerke Millionen von Menschen mobilisieren». Sie würden so Zugang zu den Diskussionen in Davos erhalten.

Die euphorische Umschreibung des «einzigartigen Zwillingsgipfels» löst in Davos naturgemäss weniger Enthusiasmus aus. Den Hotels, Restaurants, Bars, Nachtclubs, Läden und privaten Vermietern beschert das weltweit beachtete Stelldichein der Mächtigen Jahr für Jahr enorme Verdienstmöglichkeiten.

Ernst «Aschi» Wyrsch, langjähriger Direktor des Grandhotel Belvédère in Davos befürchtet einen «enormen Wertschöpfungsverlust». Wohnungsmieten könnten sinken und Ladenmieten ausfallen. Er stellt denn auch Nervosität unter den Einwohnern fest. Davos lebe hauptsächlich von den Ausländern, das sei ein Klumpenrisiko. Falls diese Gäste wegen der Pandemie im Sommer fehlten, könne ein verkleinertes WEF die Einbussen erst recht nicht auffangen.

«Es hätte dann bestimmt vermehrt Betten frei für Berater, Begleitpersonen, Verwaltungsmitarbeiter, Journalisten, Sicherheitsleute und Polizei, die ansonsten weiter entfernt logieren müssten.»

Michael Straub, Landschreiber der Gemeinde Davos

Michael Straub, Landschreiber der Gemeinde Davos, ist zuversichtlicher. Eine reduzierte Teilnehmerzahl bedeute nicht, dass es leere Betten in Davos geben werde. «Es hätte dann bestimmt vermehrt Betten frei für Berater, Begleitpersonen, Verwaltungsmitarbeiter, Journalisten, Sicherheitsleute und Polizei, die ansonsten weiter entfernt logieren müssten.» Das sieht auch Pius App so, Eigentümer des Davoser Hotels Schatzalp: «Die Hotels werden während des WEF voll sein, wir hatten bisher immer doppelt so viele Anfragen wie verfügbare Zimmerkapazitäten.»

Wegen der epidemiologischen Situation seien die Szenarien des kommenden WEF-Treffens derzeit aber ohnehin unscharf, meint Straub. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) teilt mit, dass «die dannzumal geltenden Schutzkonzepte einzuhalten sind – je nachdem, wie die Lage dann aussieht und welche Regeln (Obergrenze für Veranstaltungen u.a.) gelten». Das BAG werde aber – «Stand heute» – keine Kontrollen vor Ort machen. Allenfalls tue dies der Kanton.

Unternehmen sorgen sich um Teilnahme

Unklar ist, ob wegen der geplanten Redimensionierung die Unternehmen weniger Vertreter nach Davos schicken dürfen. «Dazu haben wir vom Forum bisher keine Informationen», sagen die Vertreter einiger Grosskonzerne.

Neben den Diskussionen um die Verbesserung der Welt ist das Forum immer auch ein Businesstreffen, wo Topmanager wichtige Kunden oder Zulieferer treffen.

Das Forum hat die Rechtsform einer Stiftung, die rund 1000 Mitglieder zählt. Die Jahresbeiträge für die Firmen sind je nach Mitgliedsstatus gestaffelt und beginnen bei 60’000 Franken im Jahr. Je nach Mitgliedsstatus darf ein Unternehmen einen oder mehrere Vertreter schicken – was neben der Jahresgebühr noch einmal rund 25’000 Franken plus Mehrwertsteuer pro Ticket kostet.

«Das Einzige, was uns interessiert, ist, weiterhin unsere Leute nach Davos schicken zu können», sagt ein Topmanager. Denn neben den Diskussionen um die Verbesserung der Welt ist das Forum immer auch ein Businesstreffen, wo Topmanager wichtige Kunden oder Zulieferer treffen.

Auch Ex-Hotelier Wyrsch und langjähriger Kenner des Spirit of Davos ist überzeugt, dass die physische Präsenz in Davos weiterhin enorm wichtig sei für das Networking. Deshalb glaubt er fest daran, dass das WEF im übernächsten Jahr wieder in Vollbesetzung stattfinden wird. Dann werde Davos den befürchteten Wertschöpfungsverlust überleben.