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Rätsel um untergetauchte BritenDas Wallis wehrt sich und greift den Bund an

Kritik sei nach der Abreise von hunderten Briten aus Verbier fehl am Platz, findet Christoph Darbellay. Der Präsident der Walliser Regierung bemängelt das Vorgehen des BAG.

Christoph Darbellay: «Die Grenze ist ein Sieb.»
Christoph Darbellay: «Die Grenze ist ein Sieb.»
Keystone

Von den 420 Gästen, die in den Orten Verbier und Bagnes in Quarantäne gehen sollten, sind weniger als ein Dutzend noch im Wallis (Lesen Sie hier mehr zur Flucht). Wie der Sprecher der Gemeinde Bagnes am Sonntag zur Nachrichtenagentur DPA sagt, haben sich inzwischen einige aus Frankreich gemeldet.

Der Walliser Regierungspräsident Christophe Darbellay wehrt sich gegen den Vorwurf, zu wenig unternommen zu haben, um die Quarantäne der Briten durchzusetzen. «Ein Teil der Gäste ist mit dem Auto direkt abgereist. Sie sind jetzt wohl in London in Quarantäne.» Über deren Verhalten regt er sich nicht auf. «Es gibt auch eine Eigenverantwortung», sagt Darbellay gegenüber «20 minuten».

Kritik übt der CVP-Politiker dafür am Bundesamt für Gesundheit (BAG): «Die Liste mit den Passagierdaten hat gefehlt. Das hat unsere Arbeit unnötig erschwert.» Er wisse nicht, wieso Bern die Daten nicht schneller geliefert habe. Dennoch habe der Kanton alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Quarantäne-Vorschriften durchzusetzen: «Hoteliers, Verkehrsbüros, Wohnungsvermieter – sie alle wurden angeschrieben.» Dass nicht jeder in einem Chalet oder einer Zweitwohnung reagiert habe, sei klar. Und man dürfe nicht vergessen, dass man durch ganz Europa reisen könne, ohne sich ausweisen zu müssen. «Die Grenze ist ein Sieb.» Eine lückenlose Kontrolle sei schlicht nicht möglich, obwohl es im Wallis überall von Polizisten wimmle.

Das BAG hatte nach eigenen Angaben am Mittwoch die Passagierdaten an die Kantone geliefert. Angefordert hat der Bund bei den Airlines die Daten von 92 Flügen aus Grossbritannien. Zu prüfen wären demnach gegen 10’000 Namen.

Rückwirkende Quarantäne-Pflicht

Der Bundesrat hatte am vergangenen Montag auf Ausbreitung von neuen, möglicherweise deutlich ansteckenderen Corona-Varianten in Grossbritannien und Südafrika reagiert. Alle Personen, die seit dem 14. Dezember 2020 aus den beiden Ländern eingereist sind, müssten sich gemäss Gesetz für zehn Tage in Quarantäne begeben. Zudem hat die Regierung ein Einreiseverbot verhängt. Keiner der drei bislang in der Schweiz nachgewiesenen Covid-Fälle mit dem mutierten Virus betrifft das Wallis.

red

217 Kommentare
    Hans Schneckn

    Liebe Walliser, ihr habt die Pisten ja offen gelassen und ihr habt ganz einfach ein Signal gesendet: eben das falsche. Tja.