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Firma investiert PK-MilliardenDas sind die Pläne der heimlichen Strombarone der Schweiz

Seit kurzem kontrolliert eine bisher unbekannte Investment-Firma einen bedeutenden Teil der Schweizer Energiewirtschaft. Wer steckt hinter Energy Infrastructure Partners, die unter anderem bei Alpiq grossen Einfluss haben?

Wichtige Anlagen im Portfolio der Energy Infrastructure Partners sind Speicherkraftwerke wie hier das Grand Dixence im Wallis.
Wichtige Anlagen im Portfolio der Energy Infrastructure Partners sind Speicherkraftwerke wie hier das Grand Dixence im Wallis.
Foto: Alpiq/zVg

Sie kontrollieren den Stromriesen Alpiq, sind am nationalen Netzbetreiber Swissgrid beteiligt, investieren in Gasinfrastruktur. Die Rede ist von Roland Dörig und Dominik Bollier. Die beiden führten die Credit Suisse Energy Infrastructure Partners. Nun übernehmen sie die Mehrheit an der Firma, die in Energy Infrastructure Partners (EIP) umbenannt wird. Ein wichtiges Anlagevehikel dieser sogenannten Investmentboutique heisst CSA Energie-Infrastruktur Schweiz: Über dieses stecken Dörig und Bollier Geld in die Schweizer Energiewirtschaft. Und das nicht zu knapp.

Dörig war lange Zeit als Berater in der Energiebranche tätig, Bollier ist von Haus aus Banker, etwa im Asset Management der Credit Suisse. Ihre Firma verwaltet insgesamt 1,7 Milliarden Franken von über 170 Schweizer Pensionskassen über die CSA Energie-Infrastruktur Schweiz. Das Geld der Versicherten fliesst von da in diverse Firmen der Energiewirtschaft. So beteiligte sich EIP etwa an Alpiq. Trotz Widerstand von Kleinaktionären wurde das Unternehmen in der Folge von der Börse genommen. In Zukunft wird CSA ein Drittel der Aktien von Alpiq halten, hat eigene Verwaltungsräte im Konzern platziert. Etwa Hans Ulrich Meister, seines Zeichens Verwaltungsratspräsident beim kriselnden Baukonzern Implenia und Ex-Credit Suisse-Manager.

Für die Versorgung mit Strom ist Alpiq ein wichtiger Player: Im Portfolio der Firma befinden sich Beteiligungen an 13 Speicherkraftwerken wie etwa demjenigen mit der wohl bekanntesten Staumauer der Schweiz: Grande Dixence. Daneben gehören Beteiligungen an Kernkraftwerken in Gösgen und Leibstadt zum Konzern.

Der 47-jährige Roland Dörig ist zu einem entscheidenden Player im Schweizer Energiemarkt geworden. Künftig wird sein Investmentvehikel wohl noch wichtiger werden.
Der 47-jährige Roland Dörig ist zu einem entscheidenden Player im Schweizer Energiemarkt geworden. Künftig wird sein Investmentvehikel wohl noch wichtiger werden.
Foto: PD

Ebenfalls verbandelt sind Dörig und Bollier mit der BKW, einem weiteren Riesen in der Schweizer Energiewirtschaft. Dies über die BKW Netzbeteiligungs AG, wo 49 Prozent von CSA gehalten werden. Dieses Konstrukt ist grösster Aktionär von Swissgrid. Die Swissgrid ist für den Betrieb und die Überwachung des Schweizer Übertragungsnetzes verantwortlich und entsprechend eminent wichtig für die Versorgungssicherheit in der Schweiz.

Die Rolle von EIP im Schweizer, aber auch im globalen Energiemarkt dürfte mit dem Schritt in die Unabhängigkeit noch grösser werden. Oder wie es Dörig sagt: «Mit der Unabhängigkeit können wir unser Potenzial besser realisieren.» Es sei das Ziel, mit EIP verstärkt im globalen Energiemarkt aufzutreten. Bisher war EIP neben dem Engagement in der Schweiz auch in Europa an Projekten beteiligt; in Norwegen etwa am grössten Windkraftpark Europas. Nun soll auch der amerikanische und asiatische Markt verstärkt bearbeitet werden. Immer im Hinterkopf: die Energiewende. Darum sei der asiatische Markt, und dort etwa Indien, wichtig, so Dörig.

«Wir wollen in den nächsten 12 bis 18 Monaten signifikante Investitionen tätigen in der Schweiz.»

Roland Dörig, Chef von Energy Infrastructure Partners

Doch nicht nur weltweit will EIP wachsen. «Wir wollen in den nächsten 12 bis 18 Monaten signifikante Investitionen tätigen in der Schweiz», so Dörig. Dabei liege der Fokus einerseits auf dem Stromnetz. Andererseits auch in der Produktion, etwa in Wasserkraft, aber auch Fotovoltaik. «Wir schauen uns grosse Flächen auf Gebäude als mögliche Investitionsobjekte an», so Dörig. Anders die Windkraft: «Windkraft ist in der Schweiz, anders als im Ausland, leider keine Option für uns: wegen zu wenig Windressourcen und der Topologie der Schweiz», sagt Dörig. Auch schliesst er weitere Beteiligungen an Unternehmen in der Energiewirtschaft nicht aus. «Wir verwalten Gelder von Schweizer Pensionskassen. Die wollen sichere Investments.» Dörig bezeichnet Investitionen in Energieinfrastruktur denn auch als «langweiliges» Investment, welche sich auch in dieser schwierigen Zeit als finanziell robust erwiesen hätten.

Gas-Kraftwerk für die Schweiz

Als wichtiger Akteur der Schweizer Energieinfrastruktur muss sich Dörig explizit mit der Stromzukunft der Schweiz befassen. Dort sind die Herausforderungen klar: Wie können die Winterstromlücken in der Schweiz gefüllt werden, wenn die grossen Exporteure Deutschland und Frankreich selbst zu Stromimporteuren werden? Für Dörig ist klar: Ohne Gas-Reservekraftwerke geht es nicht. Eine Aussage, die politisch einiges Konfliktpotenzial birgt.

Spekulationen darüber, dass die Credit Suisse das Loslösen von EIP mit einem Kredit unterstützte, stellt Dörig in Abrede. «Wir haben eine Finma-Lizenz als unabhängiger Investmentmanager beantragt. Das würde mit einem solchen Kredit gar nicht gehen», so Dörig. Die CS bleibt jedoch mit einem Minderheitsanteil an EIP beteiligt.

135 Kommentare
    Martin Cesna

    In wichtigen Dingen, wo es insbesondere um Gewinn geht, scheint in dem demokratischen Ländchen halt doch ein massives Demokratiedefizit zu bestehen.

    Wir reden hier ja nicht von der Lokalbäckerei, sondern von landesweiten "Spielern", womit die Frage nach dem Willen der Bevölkerung zu stellen ist.

    ... oder ist die Schweiz eigentlich nur eine Filiale der grossen Finanzwirtschaft? Dort wird dann am Zentralsitz entschieden, was in den Filialen läuft.