Zum Hauptinhalt springen

Interview über Sexarbeit«Das Problem sind nicht die Freier»

Das Buch «Ich bin Sexarbeiterin» porträtiert Menschen, die einen stigmatisierten Beruf ausüben. Christa Ammann von der Berner Fachstelle Xenia erklärt, was dieses gesellschaftliche Unbehagen bei den Sexarbeiterinnen auslöst.

Stilles Gewerbe: Die Berner Fotografin Yoshiko Kusano hat für das Buch Bordelle und Strichplätze fotografiert.
Stilles Gewerbe: Die Berner Fotografin Yoshiko Kusano hat für das Buch Bordelle und Strichplätze fotografiert.
Foto: Yoshiko Kusano

Das Buch «Ich bin Sexarbeiterin» beleuchtet die Hintergründe eines Gewerbes, das kaum jemand wirklich kennt. Warum braucht es dieses Buch?

Über Sexarbeiterinnen wird viel gesprochen und geschrieben, sie selber kommen aber kaum je zu Wort. Das wollten wir ändern. Ich freue mich sehr, dass ein paar von ihnen es gewagt haben, sich so offen zu zeigen. Trotz der Diskriminierung, trotz dem Stigma, das der Sexarbeit anhaftet.

Das Buch zeigt: Es gibt ganz individuelle Gründe, warum jemand Sexarbeit macht, und längst nicht jede Sexarbeiterin ist ein Opfer von Not oder Gewalt. Sind dies die häufigsten Missverständnisse über Sexarbeit?

Es geht weniger um Missverständnisse als vielmehr um Projektionen. Eine davon ist, dass alle, die in diesem Beruf tätig sind, Opfer seien. Dass man sie retten müsse, weil sie selber das nicht tun können. Und dass es an uns, der Gesellschaft sei, sie zu schützen. Das ist eine bevormundende, sehr mittelständische Aussenperspektive, die weniger mit der Sexarbeit an sich, sondern viel mit dem eigenen, ganz persönlichen Verhältnis zu Sexualität und Geschlechterfragen zu tun hat.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.