«Das kann mir keiner nehmen»

Obwohl er bei seinem Klub Everton monatelang nicht gespielt hat, gehört Philippe Senderos nach wie vor zu den Fixstartern im Team von Ottmar Hitzfeld. Heute hat der 25-jährige Genfer gegen Italien ein Heimspiel.

Jubel nach der Qualifikation: Philippe Senderos ist mit 25 schon zum zweiten mal an einer WM dabei.

Jubel nach der Qualifikation: Philippe Senderos ist mit 25 schon zum zweiten mal an einer WM dabei.

Marcel Rohr

39 Länderspiele hat Philippe Senderos schon gemacht. Sein Stern ging an der WM 2006 in Deutschland auf, als er zusammen mit Patrick Müller ein zuverlässiges Abwehrbollwerk bildete. Doch seit Monaten steht er nun wie andere Schweizer Nationalspieler – Barnetta, Inler, Nkufo – arg in der Kritik. Gegen Costa Rica patzte Senderos beim Gegentor. Trotzdem versprüht der Kahlkopf viel Optimismus.

Philippe Senderos, auch Sie sind nach dem 0:1 gegen Costa Rica viel kritisiert worden. Wie haben Sie das aufgenommen, wie denken Sie darüber? Ich war zufrieden, denn ich habe gut gespielt. Wir wollten diesen Match nicht verlieren, alle forderten den Ball, keiner hatte Angst; das interpretiere ich als gute Mentalität für unsere gesamte Mannschaft. Deshalb war ich auch nicht mit den Pfiffen des Publikums einverstanden. Wir hatten unsere Torchancen.

Nun gehts gegen Weltmeister Italien. Was erwarten Sie? In Sachen Leistungsvermögen sind wir noch nicht bei hundert Prozent angekommen. Das gilt für andere Nationen wie Italien aber auch. Das 1:2 gegen Mexiko vom Donnerstag zeigte, dass auch der Titelverteidiger noch am Suchen ist. Die WM am Ende einer langen Saison zu spielen, ist nie einfach.

Wie stark stufen Sie die italienischen Mittelfeldstars Gattuso und Pirlo ein? Pirlo ist im weitesten Sinn ein Künstler, Gattuso ein Zerstörer. (Anm. der Redaktion: Pirlo fällt neu verletzt aus). Es ist noch nicht oft vorgekommen, dass ein Land innert 48 Stunden gleich zwei Länderspiele bestreitet. Wir werden sehen, wie sich dieser Umstand auf dem Platz auswirkt.

Zurück zu Ihnen. Die Erwartungen sind hoch, Sie gelten als Leistungsträger. Wie gehen Sie damit um? Ich habe viel Einzeltraining gemacht, um in Form zu kommen. Nun fühle ich mich gut. Ich habe keine Zweifel, was die WM betrifft, ich bin frei im Kopf. Aber ich brauche dieses zweite Testspiel am Samstag gegen Italien schon, um noch besser in Form zu kommen.

Stimmt der Eindruck, dass Sie Körpergewicht verloren haben? Sie wirken schlanker. Nein, ich bin immer noch gleich schwer. So viel zu dieser persönlichen Frage (schmunzelt).

Ihr Vertrag bei Arsenal läuft Ende Juni aus. Sie reisen also ohne Klub an die WM. Stimmt, das ist ein Risiko. Aber ich nehme das in Kauf, denn ich sehe es auch als Chance, mich in Südafrika neuen Arbeitgebern zu empfehlen. Ich hoffe, es kommt alles gut.

2006 standen Sie vor der WM noch mit Arsenal im Champions-League-Final gegen Barcelona. Dieses Jahr sind die Voraussetzungen anders: Bei Everton haben Sie kaum gespielt. Wie werten Sie das? Solche Geschichten schreibt der Fussball. Es gibt nicht viele Spieler, die mit 25 Jahren bereits ihre zweite WM-Endrunde spielen können. Darauf bin ich sehr stolz, das kann mir keiner nehmen. Ich gebe auf dem Platz immer das Beste, bedingungslos.

2006 in Deutschland glänzte die Schweiz mit der statistisch besten Abwehr, die ohne Gegentreffer blieb. Wenn Sie die damalige Reihe mit Philipp Degen, Müller, Senderos und Magnin mit der Kette von heute vergleichen: Was ist anders? Nicht viel. Wir stellen auch in diesem Jahr eine gute Abwehr. Alle vier spielen bei Topklubs in Frankreich, Italien oder England, ich auch in Everton (lacht). Wir haben genug Erfahrung, aber wir brauchen die Zeit bis zum ersten WM-Spiel gegen Spanien, um uns noch besser in Form zu bringen.

Das WM-Startspiel gegen Spanien dürfte für Sie speziell werden, weil Ihre Mutter Spanierin ist, oder? Ja, diese Konstellation ist einmalig. Aber meine Familie steht geschlossen hinter mir. Ich wünsche den Spaniern im weiteren Verlauf des Turniers nur das Beste, wenn sie gegen uns spielen, jedoch natürlich nicht.

Gegen Costa Rica kamen Sie zweimal vor das gegnerische Tor, beinahe gelang Ihnen dabei ein Treffer. War dies Zufall oder taktische Order von Trainer Ottmar Hitzfeld? Zufall? Ich weiss nicht, was Sie mit Zufall meinen. Es kann immer Zufall sein, wo der Ball hinspringt. Tatsache ist, dass wir aus ruhenden Bällen schon einige Tore erzielt haben, auch ich, und diese vor allem per Kopf. Die ruhenden Bälle sind ein Argument für uns, eine Stärke; wir arbeiten daran, diese noch zu verbessern.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt