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Informatik-Debakel «Das IT-Projekt der Berner Schulen war illusorisch»

In der Schule wird heute mit iPads gearbeitet.

Erst ein Jahr nach der Einführung von Base4kids2 realisiert man, dass die Schulinformatikplattform die Bedürfnisse der Schule nicht erfüllt. Was sagen Sie dazu, Herr Wampfler?

Das ist ein sehr komplexes Projekt, und es gibt dementsprechend auch ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Deswegen ist es nicht erstaunlich, dass die Evaluation eines solch grossen Projekts eine gewisse Zeit dauert. Vor einem Jahr war ja aber bereits klar, dass ganz elementare Dinge nicht funktionieren.

Base4kids hat funktioniert – warum wurde das Nachfolgeprojekt zum Flop?

Das hat verschiedene Gründe. Beim ersten Projekt Base4Kids setzte man nicht nur auf Eigenentwicklungen, sondern bezog stabile, kommerzielle Softwares, wie beispielsweise Microsoft Office, mit ein. Beim zweiten Projekt Base4kids2 verwendete man iPads mit einer eigenen Software. Es ist aber schwierig, ein Apple-Gerät ohne eine Apple-Software zu nutzen. Zudem ist es sicher schwieriger, mit einem externen Auftragnehmer als mit den Schulen direkt ein solches Projekt zu realisieren.

War es also ein Fehler, auf Open Source zu setzen?

Es war illusorisch, zu meinen, man könne eine Software entwickeln, die an eine kommerzielle herankommt besonders in dieser kurzen Zeit. Grosse Firmen wie Apple oder Microsoft investieren Hunderte von Millionen in Usability, also in das Design von Bedienungsoberflächen und das Nachvollziehen, wie die Leute die Software nutzen. Ideologisch kann ich den Entscheid, auf Open Source zu setzen, aber absolut nachvollziehen. Für ein staatliches Projekt ist das sicher die richtige Wahl.

Nun soll ein Externer das Projekt führen und ein Plattformverantwortlicher innerhalb der Verwaltung die Schulinformatik betreuen. Ist das der richtige Weg?

Es braucht sicher jemanden, der ganz klar für das Projekt verantwortlich ist, und es braucht eine Bestandesaufnahme. Es müsste geprüft werden, was man noch retten kann oder wo man auf Alternativen zurückgreifen müsste. Eine Möglichkeit wäre sicher, kurzfristig eine kommerzielle Software zu verwenden und sich genügend Zeit zu nehmen, das Projekt nochmals zu überarbeiten.

10 Kommentare
    K_S

    Ich verstehe die scharfe Kritik an Franziska Teuscher nicht. Was wirft man ihr denn vor? Dass sie nicht höchstpersönlich die Projektleitung im IT-Projekt übernommen hat? Das ist doch nicht die Aufgabe der Gemeinderätin. Ich finde, Frau Teuscher hat richtig gehandelt. Sie hat Verantwortung delegiert und den Projektverantwortlichen Zeit gegeben, ihre Versäumnisse in Ordnung zu bringen. Als sie gesehen hat, dass dies nicht zum Ziel führt, hat sie gehandelt und das Projekt von unabhängiger Seite untersuchen lassen.