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Dieter Vranckx sticht den Favoriten ausDas ist der neue Überraschungsmann im Swiss-Cockpit

Ein Schweiz-Belgier übernimmt von Thomas Klühr als Swiss-CEO. Dieter Vranckx hatte kaum einer auf dem Zettel – obwohl er schon seit über 20 Jahren in der Schweizer Luftfahrt dabei ist.

Der Neue ist ein alter Bekannter: Dieter Vranckx.
Der Neue ist ein alter Bekannter: Dieter Vranckx.
Foto: Imago Images/Belga

Grosse Überraschung bei der Fluggesellschaft Swiss: Die Führung des Mutterkonzerns Lufthansa hat an einer Sitzung in Frankfurt am Mittwoch nicht den Schweizer Swiss-Finanzchef Markus Binkert als Nachfolger des scheidenden Thomas Klühr ernannt. Sondern Dieter Vranckx, einen Schweiz-Belgier, der seit Anfang dieses Jahres Chef der belgischen Swiss-Schwester Brussels Airlines ist. Er war nicht als einer der Kandidaten für die Stelle gehandelt worden. Vranckx übernimmt den Topjob bei der Swiss ab 1. Januar 2021.

Er ist damit erst der zweite Manager mit Schweizer Pass an der Spitze des Unternehmens, seit es 2002 aus den Trümmern der Swissair hervorging. Damals hiess der Chef André Dosé. Der Berner Crossair-Mann war, nachdem das Grounding so viele Topmanager weggespült hatte, zum Posten gekommen wie die Jungfrau zum Kind und musste ihn nach zwei mässig erfolgreichen Jahren wieder räumen.

Der einzige Schweizer auf dem Chefsessel – bis jetzt: André Dosé.
Der einzige Schweizer auf dem Chefsessel – bis jetzt: André Dosé.
Foto: Georgios Kefalas (Reuters)

Ganz anders Vranckx: Er ist seit Jahrzehnten beim Lufthansa-Konzern und der Swiss. Aufgewachsen ist er in Belgien, wo er nach dem Studium bei der dortigen Swissair-Tochter Sabena zu arbeiten begann. Mit Mitte zwanzig zog er in die Schweiz, Ende der 1990er-Jahre arbeitete er im Rahmen eines Trainee-Programms der Swissair in der Netzwerkplanung. Nach dem Grounding wechselte er zur Swiss, wo er die Karriereleiter hochkletterte. Dabei arbeitete er unter anderem für die Cargo-Abteilung und von Hongkong aus für die Verkaufsabteilung. Nachdem er zwischen 2010 und 2013 in Chicago für die Cargo-Abteilung der Lufthansa gearbeitet hatte, kehrte er zur Swiss zurück, wo er als Nummer zwei von Verkauf und Marketing für die Märkte Schweiz, Deutschland und Österreich arbeitete.

Interessant ist letztere Station deswegen, weil er dabei unter dem damaligen Swiss-Kommerzchef Binkert arbeitete, den er nun im Rennen um den CEO-Posten bei der Swiss ausgestochen hat. Vranckx, 47 und damit ein Jahr jünger als Binkert, hat diesen also karrieretechnisch überholt. Von der Swiss ging Vranckx 2016 für die Lufthansa nach Singapur. 2018 heuerte er bei Brussels Airlines als Finanzchef an, bevor er Anfang 2020 zum Chef ernannt wurde.

Klühr (links) geht, Binkert bleibt. Bilanzmedienkonferenz im Frühjahr 2018.
Klühr (links) geht, Binkert bleibt. Bilanzmedienkonferenz im Frühjahr 2018.
Foto: Keystone/Walter Bieri

Der Urzürcher Binkert ist wie Vranckx seit Ewigkeiten im Lufthansa-Konzern. Und beide wohnen mit der Familie an der Zürcher Goldküste: Binkert in Erlenbach, Vranckx im benachbarten Herrliberg. Die beiden sollen freundschaftlich verbunden sein. Der grosse Unterschied zwischen ihnen ist, dass Vranckx auf der ganzen Welt gearbeitet und sich seine Sporen in den verschiedensten Bereichen der Lufthansa-Gruppe abverdient hat. Zudem hat er als Chef der Brussels Airlines schon Erfahrung als Chef in Krisenzeiten – so hat er zum Beispiel das Rettungspaket mit der belgischen Regierung ausgehandelt. Seine Erfolge durfte er regelmässig direkt der Lufthansa-Chefetage präsentieren. All dies dürfte in der Kombination für die Frankfurter Zentrale den Ausschlag zu Vranckx’ Gunsten gegeben haben. Jetzt ist er der Vorgesetzte von Binkert. Dieser bleibt Finanzchef.

Vranckx folgt auf Thomas Klühr, der fünf Jahre lang CEO der Swiss war. 2018 flog die Swiss unter Klührs Leitung das beste Ergebnis ihrer Geschichte ein. Nun steckt sie wegen der Corona-Pandemie in der schwersten Krise seit den Zeiten von André Dosé. In den ersten neun Monaten 2020 brach die Passagierzahl um 70 Prozent ein, die Swiss schloss mit 415 Millionen Franken Verlust ab. Klühr hatte eigentlich schon Anfang dieses Jahres zurücktreten wollen, um wieder näher bei seiner Familie in der Nähe von Frankfurt zu sein. Als ihm jedoch das Ausmass der Corona-Krise klar wurde und die Swiss für diese Phase eine starke Führung brauchen würde, verschob er den Rücktritt um ein paar Monate nach hinten.

13 Kommentare
    Rolf D

    Zeugt von Grösse des CFO Binkert, dass er bleibt! Immerhin wurde er offensichtlich überholt. - So oder so: Good luck, Swiss!