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Handball-WM mit Publikum«Das ist absolut peinlich»

Bei der Handball-WM in Ägypten sollen 20 Prozent der Zuschauer in die Hallen gelassen werden – trotz massiv steigender Corona-Zahlen. Das führt zu heftiger Kritik.

Nicht zum Hinsehen: Sander Sagosen hat kein Verständnis für den Entscheid des internationalen Handballverbandes, bei der WM Zuschauer zuzulassen.
Nicht zum Hinsehen: Sander Sagosen hat kein Verständnis für den Entscheid des internationalen Handballverbandes, bei der WM Zuschauer zuzulassen.
Foto: Jonathan Nackstrand (Getty Images)

Der Norweger Sander Sagosen nimmt im Welthandball eine Rolle von gehobener Wichtigkeit ein. Er hat mit dem THW Kiel gerade die Champions League gewonnen, gilt als bester Mittelmann der Welt, und deshalb, klar, als kommender Welthandballer. Wenn sich einer wie der 25-jährige Norweger also hinstellt und die Pläne des Handball-Weltverbands (IHF) als «peinlich» bezeichnet, ist dies ein Vorgang, der kaum ignoriert werden kann.

Sagosen bezog sich auf die Ankündigung der IHF, bei der WM in Ägypten (13. bis 31. Januar) Zuschauer in die Hallen zu lassen. Nicht alle, aber immerhin 20 Prozent, wie der Verband kürzlich bekräftigte. In eine Arena mit normalerweise 5200 Zuschauern dürfen während der Corona-Pandemie also immerhin 1040 Fans hinein.

«Ich finde, das ist absolut peinlich. So wie die Welt gerade aussieht, und da wollen sie Zuschauer dabeihaben», erklärte Sagosen gegenüber der Nachrichtenagentur NTB in seinem Heimatland.

Topspieler sagen ab

Diese Pandemie-WM, für die sich das Schweizer Nationalteam nicht qualifizieren konnte, hatten schon Spitzenspieler wie der Kroate Domagoj Duvnjak («zu gefährlich») oder der Isländer Aron Pálmarsson («man sollte das absagen») kritisiert: Sie alle verstehen nicht, weshalb die IHF trotz nach wie vor hoher Infektionszahlen am Turnier mit erstmals 32 Mannschaften aus aller Welt festhält.

Einige der besten deutschen Spieler, darunter Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek, haben gleich ganz abgesagt. Und der dänische Topmann Mikkel Hansen gestand, er würde «lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht eine Absage erwogen hätte». Da wird eine WM angesetzt, und die besten Spieler wollen eigentlich gar nicht hin.

Aus der Bundesliga, einer der stärksten Handball-Ligen der Welt, hörte man viel Kritik an der WM. Die Bosse des THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt hatten sich für eine Verlegung des Turniers ausgesprochen. Die WM sei «nicht tragbar», hat Erlangens Geschäftsführer Carsten Bissel gesagt, das Hygienekonzept und die geplante Blase in Kairo für alle Mannschaften, Spieler, Betreuer und Journalisten seien «ein Witz».

Der deutsche Goalie war infiziert

Angesichts dessen ist die WM nun sogar ein Fall für die Spielergewerkschaft E.H.P.U., in der die europäischen Handballer organisiert sind. Im «Hamburger Abendblatt» sagte der deutsche Nationalgoalie Johannes Bitter: «Die E.H.P.U. hat im Namen der Kapitäne und aller Spieler der europäischen Nationalmannschaften ein Schreiben an den ägyptischen Weltverbandspräsidenten Hassan Moustafa verfasst, mit der dringenden Bitte, während der WM auf Zuschauer zu verzichten.»

Unverantwortlich: Der deutsche Nationalgoalie Johannes Bitter hatte selbst Corona. Nun ist die WM eine Sache für die Gewerkschaft.
Unverantwortlich: Der deutsche Nationalgoalie Johannes Bitter hatte selbst Corona. Nun ist die WM eine Sache für die Gewerkschaft.
Foto: Martin Rose (Bongarts/Getty Images)

Weiter führte Bitter aus: «Vor Zuschauern zu spielen, ist nicht nur wegen der zusätzlichen Gesundheitsrisiken absurd, auch angesichts der Lage in unseren Heimatländern, in denen die Menschen ihre Wohnungen möglichst nicht verlassen sollen und unsere Spiele nur Familienkreise im Fernsehen verfolgen können.»

Der 38-Jährige selber war nach einer Infektion mit dem Coronavirus krank. «Beim Sport spüre ich keine Leistungseinschränkungen», berichtete Bitter. «Organisch ist alles in bester Ordnung, alle Blutwerte waren gut. Das hat mich beruhigt. Ich schmecke und rieche zwar noch nicht alles, habe aber nicht mehr die anfänglichen Kopf- und Gliederschmerzen.»

(Mit Material von dpa)

5 Kommentare
    Benno Bube

    Das wäre jetzt der passende Anlass und auch Zeitpunkt, dass die führenden Nationen im Handball diesen Anlass geschlossen und damit auch solidarisch boykottieren, und der amtierende IHF-Präsident gehört definitiv abgesetzt, denn dieser Entscheid ist in der jetzigen Situation fern von jeglichem gesunden Menschenverstand!