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Contact TracingSo könnten wir das Coronavirus besiegen

Singapur hat bereits eine App, mit der man Infektionen nachverfolgen kann – ohne einen Überwachungsstaat zu errichten.

Das Virus bekämpfen und gleichzeitig die Wirtschaft schützen: Eine Corona-Tracing-App auf dem Smartphone könnte die Lösung sein.
Das Virus bekämpfen und gleichzeitig die Wirtschaft schützen: Eine Corona-Tracing-App auf dem Smartphone könnte die Lösung sein.
Foto: Doris Fanconi

Es gibt eine Lösung. Wir wissen endlich, wie wir das Virus besiegen können.

Die Lösung ist digital. Weder Impfung noch Medikamente kommen rechtzeitig. Digitales Contact Tracing – also das computerisierte Rückverfolgen aller Ansteckungen ist der Trick, mit dem wir ein Virus überholen können, das wir schneller weitergeben, als wir es stoppen können. Einfach, weil wir bei Corona tagelang ansteckend sind, auch wenn wir nicht einmal spüren, dass wir die Krankheit haben.

Bisher hatten wir nur eine Möglichkeit, das Virus zu stoppen: Lockdown, je drastischer, desto besser. Für bis zu achtzehn Monate, prognostizierte das Imperial College in London, weil es mehrere Wellen geben wird. Gefängnis für alle die Lösung ist so schädlich wie das Virus selber.

Klar ist: Wir können das nicht durchhalten. Die Weltwirtschaft kollabiert, Wahlen, Abstimmungen und Parlamentssitzungen sind abgesagt – zu Hause schlagen wir uns die Köpfe ein, vereinsamen oder rennen erschöpft unseren Kindern nach, während unsere Arbeit im Homeoffice liegen bleibt.

Ein Zusammenbruch der Wirtschaft droht

Die Effekte kumulieren sich. Es ist ein perverser Trickle-Down-Effekt. Es geht los in den reichen Ländern: Studien für Deutschland warnen vor einem Wirtschaftseinbruch zwischen 10 und 20 Prozent – für einen dreimonatigen Shutdown. Die Grenzen sind dicht. Der Handel bricht ein. Dann beginnt der Kollaps in den Entwicklungsländern, die von unseren Geldern abhängen wie Kinder von ihren Eltern. Afrikas prominentester Virologe steht vor einem Desaster. Jordanien hat kapituliert und soeben seine Ausgangssperre aufgehoben, weil sich Aufstände entwickelten.

Die Massnahme gegen das Virus könnte mittelfristig noch mehr Leben fordern als die Krankheit kurzfristig. Daher fordern viele das sofortige Ende des Lockdowns. Doch Trumps Idee, Corona einfach zu ignorieren, ist noch dümmer als das Virus. Die Krankenhauskatastrophe würde sich in die Gesellschaft hinein erstrecken, die unter den Leichenbergen in familiären Tragödien erstickt, eine massive Grippewelle würde Betriebe flachlegen, Arbeitnehmer würden ihre verkeimten Arbeitsplätze fürchten, Konsumenten die Produkte, alles würde einbrechen. Ein furchtbarer Streit würde einsetzen.

Das Virus ist nur mit Intelligenz zu besiegen

Der Ausweg aus dem Lockdown ist das Contact Tracing: Ausgehend von den Leuten, die auf Corona positiv getestet sind, identifiziert man deren Kontakte, vor allem jene, die von ihnen am wahrscheinlichsten angesteckt wurden. Wegen der grossen Zahl Infizierter helfen dabei Computer, Smartphonedaten. Dann zieht man die Infizierten aus dem Verkehr, schickt sie nach Hause, auch wenn sie noch keine Symptome spüren.

Das ermöglicht die fortschreitende Trennung von Infizierten und Gesunden. Und dadurch ein Management der Pandemie. Das Ziel: nur die wirklich Erkrankten oder Ansteckenden zu isolieren. Alle Gesunden und Geheilten werden draussen die Welt aufrechterhalten – sogar der grösste Teil der Isolierten wäre nur im Homeoffice. 90 Prozent der Gesellschaft wären wieder arbeitsfähig. So können wir innert Wochen erstens den Lockdown schrittweise herunterfahren und dann zweitens die nächsten Viruswellen massiv verringern. So überholt man Corona, senkt die Ansteckungen pro Infiziertem unter den Wert R=1, den es braucht, um das Virus zu besiegen.

Die App ermöglicht die fortschreitende Trennung von Infizierten und Gesunden.

Für das massenorientierte Contact Tracing nutzen Länder von Israel bis China die Standortdaten unserer Smartphones, Autos und Uhren. Aber das ist falsch. Standortdaten sind die gefährlichsten Daten überhaupt. Niemals sollten Regierungen sie bekommen. Iran verteilte beispielsweise eine Corona-Tracking-App, die den Machthabern verriet, wo genau welche Bürger sind.

Regierungen haben die Tendenz, Waffen zu behalten, die sie im Kampf entwickelten. Vom Ersten Weltkrieg blieben Stacheldraht und Kampfflugzeuge, vom Zweiten Weltkrieg die Atombombe. Von Corona darf nicht die absolute Bewegungskontrolle bleiben.

Die App steht kurz vor der Fertigstellung

Glücklicherweise haben Programmierer und Epidemiologen jetzt eine sichere Lösung gefunden. Es reicht aus, Kontakte zu registrieren. Wem war man lange genug nah genug für eine Ansteckung? Egal wo, egal wann, und egal wie er heisst. Es reicht eine Codenummer für jedes in einer Umgebungs-App gespeicherte Telefon. Falls man positiv getestet wird, genügt es in dieser App, einen Knopf zu drücken. Dann leitet diese eine standardisierte Benachrichtigung an alle Gefährdeten weiter, mal den Arzt anzurufen für einen Test und besser heimzugehen, bis die Resultate da sind.

Singapur hat angekündigt, den Programmcode für seine bereits nach diesem Prinzip funktionierende App Trace Together zu veröffentlichen. Deutschlands führende Gesundheitsforscher am Robert-Koch-Institut bereiten grade unter Hochdruck den Launch einer solchen App vor. Technisch sind wir bereit.

Jetzt müssen wir durchhalten und unsere Regierungen zwingen, diese sicheren Apps einzuführen, statt auf Standortdaten zuzugreifen. Dann kann uns nichts mehr aufhalten.