Das Blut wird knapp an Zürcher Spitälern

Die Blutreserven im Kanton Zürich sind auf ein Drittel der nötigen Menge zusammengeschrumpft. Der Blutspendedienst greift deshalb zu ungewöhnlichen Mitteln.

Regelmässige Spender ruft der Blutspendedienst derzeit sogar persönlich an, um sie zum Blutspenden zu bewegen. Foto: Andreas Faessler

Regelmässige Spender ruft der Blutspendedienst derzeit sogar persönlich an, um sie zum Blutspenden zu bewegen. Foto: Andreas Faessler

David Sarasin@David_Sarasin

In den Zürcher Spitälern wird derzeit Blut gespart. Denn dem Blutspendedienst, der für die Verteilung von Blut zuständig ist, fehlt es an Spendern. «Wir haben im Moment nur etwa ein Drittel des Blutes, das wir benötigen», sagt Beat M. Frey, der Direktor des Zürcher Spendendienstes. Er fügt an: «Geht es so weiter, bewegen wir uns auf einen Notstand zu.»

Diese laut Frey «aussergewöhnliche Knappheit» kam aufgrund mehrer Faktoren zustande. Die stationären Entnahmestellen, etwa an Schulen, fallen in den Sommerferien während mehrerer Wochen weg. Ebenso verweilen viele Spender im Urlaub. Ebenso ist die Bevölkerung in Hitzeperioden weniger spendefreudig. Dazu kommt in diesem Jahr laut Frey vor allem noch der Ausfall einer Militäreinheit aufgrund eines schwerwiegenden Unfalls. Sie hätte eine grosse Blutspendeaktion durchführen sollen.

«Noch ist die Patientenversorgung gewährleistet»

In den Zürcher Spitälern ist die Knappheit spürbar: «Die Lager sind im Moment kleiner als üblich », sagt der Sprecher des Unispitals Zürich. Er spricht von 30-50 Prozent unter dem normalen Bestand in der Blutgruppe 0+. Die Patientenversorgung sei aber im Moment noch gewährleistet. Operationen mussten bisher noch keine verschoben werden. Dasselbe gilt für die Privatklinik Hirslanden.

Für das Unispital bedeutet die Blutreservenknappheit laut dem Sprecher vor allem einen adminstrativen Mehraufwand. Der Lagerbestand muss öfter kontrolliert werden. Ebenso sind aufgrund der knappen Bestände nur geringere Mengen Blut lieferbar als gewöhnlich.

Frey vom Spendendienst sagt: «Wir besprechen jede Lieferung an Spitäler sorgfältig.» Gefragt sind insbesondere die eher seltenen Bluttypen 0 Rhesus negativ oder A. Der Zürcher Spendendienst behilft sich derzeit auch mit Zukäufen von Blutreserven aus anderen Kantonen. «Das soll aber nicht zum Normalzustand werden», sagt Frey.

Telefonaufrufe an mögliche Spender

Lange soll die Blutknappheit an Zürcher Spitälern laut Frey nicht mehr anhalten. Um der Knappheit zu begegnen, hat der Blutspendedienst Telefonaufrufe gestartet und Extra-Stationen eingerichtet. «Wenn die Leute unserem Aufruf folgen, sind wir in etwa einer Woche aus der Knappheit raus», sagt er. Das habe die Erfahrung der letzten Jahre gezeigt.

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