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Schwimmen in BernDas Bad ist voll

In Berns Freibädern wird es eng. Ampeln zwingen zum Warten, und wer schon länger im Bad ist, kann zum Gehen aufgefordert werden.

Die idealen Wetterbedingungen und die Corona-Schutzmassnahmen bringen Bäder an ihre Kapazitätsgrenzen.
Die idealen Wetterbedingungen und die Corona-Schutzmassnahmen bringen Bäder an ihre Kapazitätsgrenzen.
Foto: Raphael Moser

Aaretemperatur über 20 Grad, Lufttemperatur rund 10 Grad höher, ein Feiertag vor der Tür: Die Badebedingungen könnten besser nicht sein. Doch da ist diese ungewohnte Durchsage am Donnerstagabend im Berner Marzilibad. Das Bad sei voll, erfahren die Badegäste. Es dürften keine zusätzlichen Personen mehr eingelassen werden. Und: Wer schon länger da sei, solle bitte den wartenden Gästen Platz machen.

Markus Gasser, stellvertretender Leiter des Berner Sportamts, bestätigt die Begrenzung vom Donnerstag. Erstmals sei im Marzilibad in diesem Jahr und unter den besonderen Umständen der Corona-Pandemie die Kapazitätsgrenze erreicht worden. Mit dem Ampelsystem beim Haupteingang konnte der Einlass in der Folge gesteuert werden. Das System funktioniert ähnlich wie bei den Detailhändlern: Wenn eine Person die Anlage verlässt, kann jemand eintreten.

Die Limitierung ist laut Gasser nicht zu vergleichen mit einem Tor, das geschlossen wird. Deshalb gebe es auch Leute, die sich trotz roter Ampel Zutritt in die Anlage verschafften. Die grosse Mehrheit halte sich aber an die Regelung.

Der Eindruck zählt

Entscheidend für die Limitierung seien nicht absolute Zahlen, sagt Gasser. Die Verantwortlichen würden dann reagieren, wenn sie den Eindruck gewännen, die Abstandsregeln könnten nicht mehr eingehalten werden. In Betracht falle auch die Situation bei den sanitären Anlagen.

Es sei damit zu rechnen, dass es am (heutigen) Freitag und am Samstag vor allem im Marzilibad nochmals eng werden könnte. Die Spitzenzeiten sind jeweils am Mittag und gegen Abend. Am Sonntag dürfte dann ein Wetterwechsel das Problem entschärfen.

Besonders wichtig für das Sportamt ist das Ampelsystem, das übers Internet funktioniert. Wer sichergehen will, ob es noch Platz in den Bädern hat, kann sich auf der Website des Sportamtes kundig machen, bevor er den Weg zum Bad auf sich nimmt. Am Freitag kurz vor elf Uhr war die Ampel im Berner Lorrainebad bereits auf Orange. In den anderen Bädern – Marzili, KaWeDe, Wyler und Weyermannshaus – war zu diesem Zeitpunkt noch alles im grünen Bereich.

Weniger Gäste im Restaurant

Klar weniger Badegäste registriert bisher Heinz Rub, Wirt im Restaurant im Marzilibad. Er könne das aufgrund der Umsatzzahlen beurteilen. Auf der Terrasse des Restaurants ist das Platzangebot um rund ein Drittel reduziert worden.

Er sei ein paar Mal aufs Dach des Gebäudes gestiegen und habe die Situation beobachtet, sagt Rub. Er habe den Eindruck, die Leute würden sich sehr gut an die Corona-Massnahmen halten. «Wer nicht zusammengehört, hält die Distanz ein.» Leise Zweifel äussert Rub am Zählsystem. Das Besondere am Marzilibad sei ja, dass immer regelrechte Völkerwanderungen entlang der Aare im Gang seien. Dadurch werde jede Zählung verfälscht.

Niemanden abgewiesen

In Muri und Köniz suchten am Donnerstag zwar ebenfalls viele Abkühlung im Wasser, doch an die Grenzen sind die Schwimmbäder deshalb nicht gestossen, niemand musste abgewiesen werden. Im Schwimmbad Köniz Weiermatt dürfen sich aufgrund der Schutzmassnahmen 2500 Personen gleichzeitig im Bad aufhalten. Gemäss Auskunft der Gemeinde zählte das Bad am Donnerstag über den ganzen Tag verteilt 2500 Gäste, es hätten also jederzeit noch mehr Badewillige eingelassen werden können.

Die Besucherzahl wird erfasst und lässt sich auf der Website des Schwimmbads ablesen. Am Freitag waren am frühen Nachmittag demnach 790 Gäste im Bad. Entspannt blieb die Situation am Donnerstag auch im Aaarebad in Muri. Noch rund 500 Personen mehr hätte das Bad aufnehmen können, die Limite liegt ebenfalls bei 2500 Personen.

Sommer ohne Sünnelen?

Nach Ausbruch der Corona-Pandemie war lange nicht klar, ob es in Bern überhaupt eine Freibadsaison geben würde. Im Mai wurden einige Bäder dann gestaffelt geöffnet; allerdings nur fürs Schwimmen – Sonnenbaden war nicht erlaubt. Anfang Juni schliesslich wurden die Bäder geöffnet – mit Abstands- und Flächenregeln. Pro Person mussten zehn Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen. Dazu kamen Zeitlimits für Badegäste.

Im flächenmässig grössten Freibad der Stadt Bern, dem Bad Weyermannshaus, durften sich nur noch 5000 Gäste gleichzeitig aufhalten. In normalen Zeiten vermag das Bad das Doppelte zu fassen. Ins Marzilibad durften nur noch 3500 Personen. An einem Spitzentag im Sommer halten sich sonst ebenfalls um die 10’000 Personen im berühmtesten Freibad der Schweiz auf.

Beschränkungen möglich

Ende Juni dann hob die Stadt Bern – im Gegensatz etwa zu Köniz oder Muri – das Personenlimit auf. Die Lockerungen des Bundesrates zu den Corona-Schutzmassnahmen erlaubten auch im Hallenbad- und Freibadbetrieb eine gewisse Normalisierung. Die Mindestdistanz von 1,5 Metern war in den Bädern aber immer noch einzuhalten, wie die Stadt Bern in einer Mitteilung verlauten liess.

Zudem behielt sich das Sportamt vor, die Anzahl Besucherinnen und Besucher in Ausnahmesituationen weiterhin zu limitieren. Das Sportamt rechnete damit, dass diese Limitierung «höchst vereinzelt» zum Tragen käme.