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Der PollerDanke, Ihre Feuzität

Frau Feuz bedankt sich beim prominenten Namensvetter für die erhebenden Zeitungsüberschriften.

Skirennfahrer Beat Feuz auf der berühmten Abfahrtsstrecke in Kitzbühel.
Skirennfahrer Beat Feuz auf der berühmten Abfahrtsstrecke in Kitzbühel.
Lisi Niesner (Reuters)

Nachbar (NB) durchs Loch in der Küchendecke: Feuz, was machst du?

Frau Feuz (FF): Psst, Ruhe! Ich schreib dem Feuz einen Brief.

NB: Deinem Chef?

FF: Nein, dem anderen. Dem Skifahrer.

NB: Und warum?

FF: Ich will mich bedanken.

NB: Ach ja? Ich habe gemeint, dass es dich nervt, wenn immer alle fragen, ob du mit ihm verwandt seist.

FF: Ja schon. Aber gleichzeitig les ich derzeit dank ihm so nette Dinge über mich in der Zeitung. «Feuz – die Krönung des Genies» oder «Feuz im Reigen der Allergrössten». Und hier, schau mal: «Feuz und das Monster», das wärst dann wohl du, hihi.

NB: Pfff. Du weisst aber schon, dass mit diesen Überschriften nicht wirklich du gemeint bist, oder?

FF: Ach, papperlapapp. Da muss man jetzt auch mal ein bisschen grosszügig sein. Feuz ist Feuz. Der Name klingt halt einfach auch schon toll. «Feuzzzzz», da steckt Dynamik drin, Energie, Schneid, Verwegenheit, Courage…

NB: Für mich klingt das eher nach rotem Filzhut.

FF: Bullshit, wie der Zürcher sagt. Aus dir spricht der pure Neid. Das prallt an mir ab wie eine Schneeflocke am Käsedress. «Feuz trotzt allen Widrigkeiten», «Vor Feuz verneigt sich sogar der Herminator», das find ich richtig gut. Könntest du dich künftig bitte auch vor mir verneigen? Und mich mit «Ihre Majestät» ansprechen? Oder noch besser: «Ihre Feuzität»?

«Botz Hahnenkamm und Mausefalle. Du weisst einfach nicht, wie glücklich du dich schätzen kannst, mich zur Nachbarin zu haben.»

Frau Feuz zu ihrem Nachbarn

NB: Den Teufel werd ich tun. Du hast doch nicht mehr alle Skistöcke im Keller.

FF: Botz Hahnenkamm und Mausefalle. Du weisst einfach nicht, wie glücklich du dich schätzen kannst, mich zur Nachbarin zu haben.

NB: Du siehst seit Ausbruch von Corona aus wie eine Silvesterparty am 1. Januar und erliegst gerade dem Grössenwahn. Was genau soll ich an dir schätzen?

FF: Kennst du Joyce Taylor?

NB: Wer soll das sein?

FF: Eine Amerikanerin.

NB: Ja und was tut die zur Sache?

FF: Es gibt eine Firma namens Max Mind, die IP-Adressen ortet. Manche davon liessen sich nicht klar zuweisen. All diesen IPs teilte Max Mind die gleichen Koordinaten zu, und zwar die ungefähre geografische Mitte Amerikas. Max Mind so: «Sodeli, ihr heimatlosen IP-Adressen, ihr seid jetzt hier zu Hause.» Und die heimatlosen IP-Adressen so: «Auso guet.»

Was Max Mind nicht wusste, war, dass in dieser geografischen Mitte tatsächlich ein Farmhaus steht, nämlich dasjenige von Joyce Taylor. Diese wohnte dort mit 600 Millionen IP-Untermietern, von denen sie keine Ahnung hatte. Darum konnte sie auch nicht verstehen, weswegen sie mit Beleidigungen und Drohbriefen überhäuft wurde und immer wieder zwielichtige Gestalten vorfuhren. Zudem klingelten regelmässig FBI und Bundespolizei an ihrer Tür, weil sie ein Drogenlabor ausheben oder einen Menschenring sprengen wollten. Der Grund: Immer dann, wenn bei einem Verbrechen eine ursprünglich nicht zuordenbare IP-Adresse involviert war, führte die digitale Spur zum Haus der 82-jährigen Joyce Taylor. Die Ärmste hatte keine Ahnung, wie ihr geschah, und litt jahrelang unter Belästigungen. Fertig.

NB: Ja und nun? Was willst du mir mit deiner Geschichte sagen?

FF: Himmel-Streif und Doppel-Gams, bist du schwer von Begriff. Wer ist denn nun die bessere Nachbarin: 600 Millionen unbekannte IP-Adressen oder Ihre Feuzität Feuz die Jüngere, he?! Eben. Hast du übrigens gewusst, dass der Feuz gleitende Arbeitszeiten hat? Chchch

NB: Chchch

FF: Na also. «Feuz und das Monster – wenn aus Frust endlich Liebe wird.» Stammt übrigens von Konfeuzius, der ….

NB: Klappe! Jetzt hier mal nicht das Sicherheitsnetz überfeuzen.

Gisela Feuz ist freie Kulturjournalistin und weder mit Beat Feuz noch dem Chef verwandt. Das Monster in den Zeitungsüberschriften bezieht sich auf die Abfahrt Streif in Kitzbühel.