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Umstrittene Hirschengraben-Pläne«Da fehlt jede Vision»

Am 7. März stimmt das Stadtberner Stimmvolk über die Umgestaltung des Hirschengrabens ab. Im «Bund»-Stadtgespräch kommt die geplante Bahnhofsunterführung nicht gut an.

Wie sieht der Park am Hirschengraben künftig aus? Darüber befindet bald die Stimmbevölkerung.
Wie sieht der Park am Hirschengraben künftig aus? Darüber befindet bald die Stimmbevölkerung.
Foto: Raphael Moser

Was ist er, dieser Hirschengraben im Rücken von Adrian von Bubenberg? Er ist zuallererst ein grosser, chaotischer Veloparkplatz, ungepflegt und unattraktiv. Für die meisten ist er nur ein Durchgangs- und Umsteigeort, weil er aktuell schlicht nicht zum Verweilen einlädt. So lautet zumindest der Grundtenor der Kommentierenden im «Bund»-Stadtgespräch.

Wenn es nach dem Leser Marc Hofer ginge, bräuchte es nicht viel, um den Platz aufzuwerten. «Die Velos müssen verschwinden», schreibt er. «Der Widmann-Brunnen sollte restauriert und wieder in Betrieb genommen werden. Alles andere kann bleiben, wie es ist, ergänzt mit einigen Bänken und einem Park-Café.» Das findet auch Gabriela Neuhaus, die ab und zu im Park verweilt. «Die Lage ist einmalig zum Abmachen.» Sie wünscht sich weniger parkierte Velos, mehr Raum unter den Kastanien und «keine 40-Tönner mehr, die während der Stosszeiten Blumen anliefern.» Dominik Hopf schwebt ebenfalls eine einfache Lösung vor: «Es müssten nur die Velos verbannt werden, damit der Platz wieder an Aufenthaltsqualität gewinnt, mehr ist nicht nötig.»

Verschiedene Bedürfnisse

Nur: So einfach ist es nicht. Wenn die Vorlage am 7. März von der Stadtbevölkerung angenommen wird, erwartet den Hirschengraben ein radikaler Umbau inklusive neuem, unterirdischem Bahnhofzugang. Für Patrick Kummer fehlt diesem Plan «jegliche Vision». Er spricht sich für den Vorschlag aus, den der Architekt Arpad Boa im «Bund» präsentiert hatte: «Das Bubenbergzentrum müsste trotz Widerständen der Besitzer abgerissen und durch einen neuen, repräsentativen Bahnhofplatz ersetzt werden. So entstünde ein zweiter Bahnhofplatz Bubenberg, ein Treffpunkt zum Verweilen, zum Regenerieren, zum Gemeinsam-in-der-Stadt-Leben.»

Die unterirdische Passage, Kernstück der Abstimmungsvorlage, kommt bei den Kommentierenden nicht besonders gut an. Grossrat David Stampfli (SP) hält im Stadtgespräch eisern dagegen. Sie möge städtebaulich zwar kein grosser Wurf sein, sei aber praktisch, weil sie verschiedene Bedürfnisse abdecke. «Einerseits müssen die vielen Menschen, die aus dem Bahnhof strömen, auf die andere Seite des Bubenbergplatzes geleitet werden. Andererseits müssen Velos, Trams, Busse und Taxis sowie die Zuliefer- und Notfallfahrzeuge ebenfalls auf dem Platz verkehren können – auch wenn dieser dereinst autofrei würde.» Ohne die Personenunterführung kämen all diese Akteure künftig nicht aneinander vorbei, ist Stampfli überzeugt.

Wenn das Volk Nein sagt

Was geschähe, wenn die Stimmbevölkerung Anfang März die Vorlage und damit auch die Personenunterführung verwerfen würde? Dann hätte Bern ein Problem. Davon ist Stadtingenieur Reto Zurbuchen, Leiter des Tiefbauamts der Stadt Bern, überzeugt. «Es fehlt insbesondere am Bubenbergplatz die Kapazität, die Passanten und Passantinnen im öffentlichen Raum aufzunehmen. Auf dem Platz würde mindestens zu Spitzenzeiten ein Zusammenbruch des Verkehrs drohen, insbesondere auf den öffentlichen Verkehr wären die Auswirkungen gravierend.» Im Falle eines Neins bliebe der Stadt Bern nichts anderes übrig, als mit punktuellen Massnahmen, die noch nicht entwickelt worden seien, zu versuchen, «das Schlimmste zu verhindern», stellt Zurbuchen in Aussicht.

Unterführung hin oder her: Ginge es nach mehreren Lesern des «Bund»-Stadtgesprächs, würde Adrian von Bubenberg bald über einen autofreien Bubenberg- und Bahnhofplatz blicken. Benedikt Heinen etwa würde den Privatverkehr via Kurzparking hinter dem Bahnhof hindurchschleusen. Das ist auch das Anliegen von Christoph Lanz. «Ich wünsche mir einen Platz, der diesen Namen auch wirklich verdient», schreibt er. «Eine Fussgängerzone sowohl beim Bahnhofplatz als auch beim Hirschengraben und vor dem Burgerspital. Weisch wie schön! Das wäre mal ein städtebaulicher Wurf!», ist Heinen überzeugt. Affaire à suivre.

25 Kommentare
    Gina Salvattini

    Der Stadt fehlen seit langem gute, zukunftsgerichtete Visionen. RGM ist längst nur am Machterhalt, an der Ideologie und an der Erprobung einer anarchischen Ordnung interessiert. Ein sehr profilloser Stapi wird von seinen GR-Kollegen dominiert, entsprechend lau ist sein Auftritt.

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