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Die neue politische MitteCVP-Präsident Gerhard Pfister will das C aus dem Parteinamen streichen

Eine bislang unveröffentlichte parteiinterne Studie besagt: Das C hat als Parteiname keine Zukunft. Alternativen wie «Mitte» verheissen dagegen Wählergewinne.

Sucht nach einem neuen Namen für seine Partei: CVP-Chef Gerhard Pfister
Sucht nach einem neuen Namen für seine Partei: CVP-Chef Gerhard Pfister
Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

«Es besteht jetzt Handlungsbedarf», denn das C sei ein Handicap. Das sagt mit Gerhard Pfister ausgerechnet jener CVP-Chef, der noch bei seinem Amtsantritt vor gut drei Jahren seine in Wahlen gebeutelte Partei wieder zu einer christlichen Wertepartei machen wollte. An der Urne blieb der Erfolg aus. Man müsse anerkennen, dass es so nicht gehe, sagt Pfister jetzt und will die grosse Kehrtwende einleiten. Weg vom konservativen C, hin zu einer modernen Kraft der Mitte. Bis zum Herbst will er der CVP-Basis eine «Öffnungsstrategie mit einem Namenswechsel vorlegen», wie er sagt.

Der konkrete Name sei noch nicht definiert. Er wird sich aber wohl am Begriff «Mitte» orientieren. Aus der Partei sind Namen wie «Die Mitte», oder «Die neue Mitte» zu hören. Entschieden ist noch nichts.

Eingeleitet wurde die Kehrtwende durch eine gross angelegte repräsentative Umfrage bei Stimmberechtigten einerseits und CVP-Parteimitgliedern andererseits. Pfister hatte diese nach den letzten nationalen Wahlen in Auftrag gegeben, um herauszufinden, was seine Partei ändern müsse Stil, politische Strategie, Kommunikation oder Name , um wieder attraktiver zu werden.

Das C hat als Marke abgewirtschaftet

Das Herzstück dieser bisher unveröffentlichten Umfrage, das der SonntagsZeitung vorliegt, zeigt klar: Das C im Parteinamen zieht nicht mehr. In Zahlen: 79 Prozent der Stimmberechtigten halten «einen Namen, der Bezug auf christliche Werte nimmt», also CVP, für die unattraktivste aller Namensoptionen. Dies im Vergleich zu Namen, die sich an den Begriffen «Mitte» oder «bürgerlich-sozial» orientieren. Nur gerade 10 Prozent fühlen sich vom C angesprochen. Und selbst die Mehrheit (53 Prozent) der ebenfalls befragten CVP-Mitglieder sehen im Namen CVP die schlechteste Variante und würden sich einen anderen Namen wünschen.

Das christliche C im Parteinamen zieht nicht mehr, besagt eine Studie der Partei
Das christliche C im Parteinamen zieht nicht mehr, besagt eine Studie der Partei
Foto: Keystone

Lukas Golder, Co-Leiter des Forschungsinstituts GFS, das die Umfrage durchgeführt hat, sagt: «Der Name CVP ist ein absoluter Bremser. Wie sich die CVP für einen Neuaufbruch inhaltlich und strategisch auch immer positioniert, solange sie beim C im Namen bleibt, kann sie ihren Niedergang nicht aufhalten. Sie wird rasch unter die 10-Prozent-Marke fallen.»

Mit einer Namensänderung hingegen darf die CVP auf Zugewinne hoffen und könnte, so eine CVP-interne Präsentation zur Studie, wieder eine 15-Prozent-Partei werden. Im letzten Herbst erreichte die CVP noch 11,4 Prozent.

Das C sei ein Bremser, als «Mitte» könnte die CVP zulegen, sagt Politologe Lukas Golder vom Forschungsinstitut GFS. 
Foto: GFS Bern
Das C sei ein Bremser, als «Mitte» könnte die CVP zulegen, sagt Politologe Lukas Golder vom Forschungsinstitut GFS.
Foto: GFS Bern

Diesmal könnte der Namenswechsel gelingen

Das C zu streichen, haben in der CVP schon viele versucht – und sind am Ende am parteiinternen Widerstand gescheitert. Auch jetzt ist vor allem aus den stark katholischen Kantonen Widerstand angekündigt. Pfister glaubt aber, dass die Partei mittlerweile reif und die Zeit gekommen sei für einen Namenswechsel: «Die Studie zeigt: Ein Aufbruch wäre für uns unter dem Begriff Mitte denkbar», sagt der CVP-Chef. Wiederum in Zahlen: Eine Mehrheit von 53 Prozent der befragen CVP-Mitglieder möchte am liebsten einen Namen mit dem Begriff «Mitte». Nur noch 40 Prozent möchten am C im Parteinamen festhalten. Selbst in den katholischen Stammlanden der Innerschweiz würde gemäss Studie die Mehrheit der CVPler lieber als «Mitte»-Partei politisieren, als weiter unter dem C aufzutreten.

Die «Mitte» überzeugt vor allem die CVP selbst

Aber aus dem Kreuz mit dem C könnte ein Kreuz mit der «Mitte» werden. Bevor Pfister seine Wechsel- und Öffnungsstrategie zum Entscheid vorlegt, werden in der Partei noch Namensvarianten analysiert. Diese drehen sich vorab um den Begriff «Mitte», der als Marke in der CVP schon gut akzeptiert ist, seit die Partei im Bundeshaus zusammen mit der BDP und der EVP als Mitte-Fraktion politisiert. Bloss in der Bevölkerung ist der Name «Mitte» kein Überflieger. Nur gerade 42 Prozent der befragten Stimmberechtigten würden eine Partei wie die CVP eher wählen, wenn sie als «Mitte» auftreten würde. Immerhin 48 Prozent würden sich dagegen von einem Namen, der «bürgerlich-soziale Werte» reflektiert, besser angesprochen fühlen.

Es wird nicht einfach sein, bis Ende Jahr einen Namen zu definieren, der intern akzeptiert und gegen aussen attraktiv ist. Studienautor Golder würde trotzdem auf die «Mitte» setzen: «Ein Name, der sich an der politischen Mitte orientiert, wäre immerhin eine relevante Ausgangsposition, um aus dem bisherigen Milieu auszubrechen, und er hätte das Potenzial, bis in acht Jahren zu einem erfolgreichen Brand zu werden.»

Pfister selbst schweigt zum konkreten Namen noch eisern, spricht aber jetzt schon auffallend oft von der «neuen Mitte». Ein Name, der auch die angestrebte Fusion mit der BDP erleichtern würde.