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Coronavirus weltweit+++ Stabschef des Weissen Hauses: Pandemie nicht kontrollierbar +++ Slowakei beendet erste Phase des Massentests

Die Zahl der Neuinfizierten ist in den USA wieder über 80'000 gestiegen. In der Slowakei soll die gesamte Bevölkerung auf das Virus getestet werden. Internationale Corona-News im Ticker.

Das Wichtigste in Kürze:

  • In vielen Ländern grassiert Covid-19 so stark wie im Frühjahr, fast ein Drittel aller Neuinfektionen entfällt auf Europa.

  • Die USA bleiben mit über 8 Millionen Infizierten punkto Gesamtzahlen das am stärksten betroffene Land.

  • Weltweit haben sich bisher mehr als 40 Millionen Menschen mit Sars-CoV-2 angesteckt.

  • Mehr als eine Million Menschen sind an oder mit dem Virus gestorben.

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Mittel in Venezuela gefunden

In Venezuela ist angeblich ein hochwirksames Mittel gegen das Coronavirus entdeckt worden. Ein Molekül namens DR-10 vernichte Covid-19 zu hundert Prozent, ohne Nebenwirkungen zu verursachen, verkündete der autoritäre Staatspräsident Nicolás Maduro am Sonntag in einer Ansprache. Das habe eine sechsmonatige Studie des staatlichen Forschungsinstituts IVIC ergeben. Sowohl er als auch das IVIC per Twitter bezeichneten Covid-19 fälschlicherweise als Virus – vermutlich meinten sie das Coronavirus, das die Krankheit Covid-19 auslöst.

Das Molekül sei bereits zur Behandlung von Hepatitis C, humanen Papillomviren und Ebola genutzt worden, sagte Maduro weiter. Der Prozess der Zulassung durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO), um der Welt diese Behandlung anzubieten, habe schon begonnen.

Die WHO hatte vor Kurzem mitgeteilt, dass mehrere in weltweiten Testreihen überprüfte, potenzielle Corona-Medikamente wenig oder keinen Nutzen gezeigt hätten. Darunter war auch Remdesivir, das die US-Arzneimittelbehörde FDA vergangene Woche zur Behandlung von Covid-19-Erkrankungen zuliess. Die Daten der von der WHO koordinierten Solidaritätsstudie waren allerdings noch in keinem begutachteten Fachjournal erschienen und von Wissenschaftlern geprüft worden.

Pandemie nicht kontrollierbar

Mark Meadows, Stabschef des Weissen Hauses, sagte am Sonntag in einem Interview mit CNN: «Wir werden die Pandemie nicht kontrollieren können.» Man hätte aber Einfluss auf Impfungen, Therapien und andere Linderungen. Auf die Frage, warum man die Pandemie nicht kontrollieren könne, sagte Meadows: «Es handelt sich um ein ansteckendes Virus.»

Slowakei beendet Massentests

In der Slowakei ist am Sonntagabend die erste Phase einer beispiellosen Testung fast der gesamten slowakischen Bevölkerung auf das Coronavirus zu Ende gegangen. Seit Freitag wurden unter der Regie des Verteidigungsministeriums in vier besonders stark betroffenen Bezirken an der Grenze zu Polen alle mehr als zehn Jahre alten Bewohner einem Antigen-Schnelltest unterzogen. An den beiden nächsten Wochenenden soll der Rest des Landes folgen – immerhin rund fünf Millionen Menschen. Die Regierung in Bratislava sieht dieses Projekt als Beispiel, dem auch andere Länder Europas folgen könnten.

Regierungschef Igor Matovic wertete die Pilotphase gegenüber dem TV-Sender TA3 als Erfolg. Es habe zwar anfangs personelle und organisatorische Probleme gegeben, daraus habe man aber wichtige Erkenntnisse für die anspruchsvollere zweite und dritte Phase gewinnen können. Schon in dieser ersten Phase seien «schätzungsweise an die 6000 potenziellen Verbreiter des Virus entdeckt worden, die unter normalen Umständen gar nicht hätten auffallen können», erklärte Matovic. Der Gründer der populistisch-konservativen Bewegung Gewöhnliche Leute OLaNO hatte auch selbst bei den Tests mitgeholfen.

Keine Sicherheit

Gesundheitsminister Marek Krajci hatte Medizinstudenten und Gesundheitspersonal aufgerufen, freiwillig mitzuarbeiten. Zwar stellt die Armee für die nächsten Massentests rund 8000 Soldaten, es könnte aber zu wenig medizinisch geschultes Personal geben. Verteidigungsminister Jaroslav Nad schloss nicht aus, dass die flächendeckende Testung des gesamten Landes noch scheitern könnte.

Matovic gab Zweifeln von Experten an der Treffsicherheit der eingesetzten Schnelltests teilweise Recht und warnte vor einem «trügerischen Sicherheitsgefühl». Auch wer ein negatives Testergebnis bekommen habe, solle weiterhin auf Sicherheitsregeln wie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes achten.

Mehr als 50'000 Neuinfektionen in Frankreich

In Frankreich sind binnen 24 Stunden erstmals mehr als 50'000 neue Corona-Infektionen registriert worden. Die Gesundheitsbehörde meldete am Sonntagabend 52'010 neu erfasste Ansteckungen. Damit gab es erneut einen Spitzenwert innerhalb eines Tages seit Beginn der grossflächigen Corona-Testungen in Frankreich.

Die Corona-Lage verschlechtert sich in dem Land mit 67 Millionen Einwohnern seit Wochen dramatisch. Die Behörden meldeten allein in der vergangenen Woche mehrmals neue Rekorde bei den Neuinfektionen. Am Freitagabend war die Marke von einer Million gemeldeter Fälle seit Beginn der Pandemie überschritten worden. Mehr als 34'700 Menschen im Land sind bereits im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Rund 17 Prozent der Corona-Tests sind nach Angaben von Sonntag positiv.

Seit Samstag gilt in Frankreich die nächtliche Ausgangssperre für rund zwei Drittel der Einwohnerinnen und Einwohner des Landes, also rund 46 Millionen Menschen. Die Ausgangssperre gilt in 54 Départements und dem französischen Überseegebiet Französisch-Polynesien. In den Nachtstunden dürfen die Menschen nur mit einem triftigen Grund vor die Tür.

Erneut mehr als 80'000 neue Fälle in den USA

Die Zahl der Neuinfektionen in den USA steigt nach Angaben der Seuchenschutzbehörden CDC binnen 24 Stunden 83'851. Am Samstag waren es 82'929, gewesen, am Freitag 74'380 und am Donnerstag 63'656. Die Gesamtzahl liegt damit bei rund 8,55 Millionen. Die Zahl der Toten steigt um 828 auf 224'221. Die Zahlen der CDC können von den aus den einzelnen Bundesstaaten gemeldeten Fällen abweichen.

Höchste Alarmstufe in westchinesischer Region

Die Behörden in der westchinesischen Region Xinjiang haben nach einem Coronavirus-Ausbruch am Sonntag die höchste Alarmstufe im öffentlichen Gesundheitswesen ausgerufen. Zuvor waren 137 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden, wie der staatliche Fernsehsender CCTV berichtete.

Alle Infektionsfälle waren demnach in der abgelegenen westlichen Stadt Kashgar festgestellt worden. Keine der positiv getesteten Personen habe Husten oder Fieber, und alle befänden sich unter Quarantäne und medizinischer Überwachung im Krankenhaus, hiess es.

Die 137 Fälle stünden in Verbindung mit der Sancun-Fabrik der Stadt, sagte der stellvertretende Direktor der regionalen Gesundheitskommission. Ein 17-jähriges Mädchen, dessen Eltern in der Fabrik arbeiten, wurde Anfang der Woche ebenfalls positiv getestet.

Die Nationale Gesundheitskommission Chinas habe eine Arbeitsgruppe in die Region entsandt, die die Massnahmen vor Ort leiten solle, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Die meisten Flüge am Flughafen von Kashgar wurden am Wochenende gestrichen, wie das chinesische Nachrichtenportal Headline Daily berichtet.

Corona beschäftigt das Reich der Mitte weiterhin: Eine Familie mit Maske mitten in Peking.
Corona beschäftigt das Reich der Mitte weiterhin: Eine Familie mit Maske mitten in Peking.
Foto: Andy Wong (AP/Keystone/25. Oktober 2020)
Spanien ruft erneut Notstand aus

Die spanische Regierung hat erneut einen nationalen Notstand beschlossen, um eine nächtliche Ausgangssperre gegen die Corona-Pandemie verhängen zu können. Die Ausrufung des Alarmzustands, der dritthöchsten Notstandsstufe des Landes, wurde am Sonntag bei einer ausserordentlichen Ministerratssitzung in Madrid vereinbart, wie Ministerpräsident Pedro Sánchez mitteilte. Die Phase, die noch am Sonntag in Kraft tritt, gilt zunächst für zwei Wochen.

Eine Verlängerung müsste gemäss Verfassung vom Nationalparlament gebilligt werden. Er hoffe, den Notstand mit Unterstützung des Parlaments bis zum 9. Mai verlängern zu können, sagte der Chef der linken Minderheitsregierung. Die Ausrufung des Notstands sei von zehn der insgesamt 17 Regionen Spaniens, den sogenannten Autonomen Gemeinschaften, beantragt worden. «Europa und Spanien sind mitten in der zweiten Welle», so Sánchez.

Sieht schon fast wieder aus wie im Frühling: La Rambla in Barcelona wirkt ausgestorben.
Sieht schon fast wieder aus wie im Frühling: La Rambla in Barcelona wirkt ausgestorben.
Foto: Jorge Sanz (Getty Images)

Unter dem Notstand darf die Regierung die Bewegungsfreiheit der Menschen einschränken. Anders als bei dem Notstand, der in Spanien wegen Corona zwischen dem 14. März und dem 20. Juni herrschte, wird diesmal keine totale Ausgangssperre verhängt, sondern ein nächtliches Ausgehverbot zwischen 23 Uhr und sechs Uhr morgens. Die Anordnung gilt fast für das ganze Land. Ausgenommen sind nur die Kanaren.

Spanien ist eines der am schwersten von der Pandemie betroffenen Länder Westeuropas. Bisher wurden mehr als eine Million Infizierte registriert, knapp 35 000 Menschen starben mit Covid-19. Die Zahl der Neuinfektionen je 100'000 Einwohner binnen sieben Tagen liegt bei 191,11 mit steigender Tendenz.

Höchststand bei neuen Fällen in den Niederlanden

Die Niederlande melden bei der Zunahme der Neuinfektionen einen neuen Höchststand: Binnen 24 Stunden wurden 10'203 neue Ansteckungen registriert, wie aus Statistiken der Gesundheitsbehörden hervorgeht. Um die steigenden Infektionszahlen in den Griff zu bekommen, hatte die Regierung am 14. Oktober schärfere Massnahmen erlassen. Dazu gehört auch die Schliessung aller Bars und Restaurants im Land.

Zahlen auf der Insel steigen weiter

Trotz der weiteren Zuspitzung der Pandemie-Lage in Grossbritannien stossen die Massnahmen der Regierung auf viel Kritik und Unverständnis. Am Samstag meldete die Statistikbehörde mehr als 23'000 Neuinfektionen. Pro 100'000 Einwohnern lag die Zahl der Neuinfektionen binnen zwei Wochen nach Angaben der EU-Seuchenbehörde (ECDC) im Vereinigten Königreich bei 383,1. Dennoch demonstrierten in London am Wochenende Tausende für ein Ende der Corona-Beschränkungen.

Die Protestierenden sprachen sich gegen die Maskenpflicht aus und kritisierten die geltenden Massnahmen als Tyrannei oder Überwachung oder stellten die Pandemie an sich infrage. Die Metropolitan Police nahm 18 Menschen fest.

Spott und Hohn in Wales

Andere halten die britische Corona-Politik dagegen für nicht weitgehend genug: Einer aktuellen Umfrage der British Medial Association zufolge glaubt mehr als ein Drittel der Ärzte in England nicht daran, dass das derzeitige Warnstufensystem die Verbreitung des Virus aufhalten kann. Fast 8000 Patienten werden bereits wieder in Krankenhäusern behandelt, insbesondere im Norden des Landes stossen diese teilweise schon wieder fast an ihre Belastungsgrenzen.

In Wales gibt es seit dem Wochenende sogar einen temporären Lockdown, bei dem die Gastronomie und fast alle Einrichtungen ausser Supermärkten und Schulen schliessen müssen. Massiven Spott gab für die Regel, in Supermärkten nur noch «essenzielle Waren» anzubieten. Bürger äusserten in den sozialen Medien ihr Unverständnis darüber, warum etwa ein Wasserkocher oder Kinderkleidung nicht essenziell sein sollten. Der walisische Regierungschef Mark Drakeford kündigte an, die Massnahme zu überprüfen.

Gaststätten schliessen in Italien ab 18 Uhr

Unter dem Druck steigender Infektionszahlen hat Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte ein neues Paket von Massnahmen im Kampf gegen das neue Virus unterzeichnet. Landesweit müssen demnach alle Restaurants und Bars von Montag an um 18 Uhr für Gäste schliessen, wie aus einem Dokument hervorgeht, das am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur vorlag. Zudem dürfen auch Kinos, Theater, Fitnessstudios, Bäder, Skiresorts und Konzerthallen nicht mehr öffnen. Die Massnahmen sollen zunächst bis zum 24. November gelten.

Tristesse für das italienische Gastgewerbe: Eine Angestellte wartet auf Kundschaft in einem Römer Restaurant.
Tristesse für das italienische Gastgewerbe: Eine Angestellte wartet auf Kundschaft in einem Römer Restaurant.
Foto: Alessandra Tarantino (AP/Keystone/23. Oktober 2020)

Ferner muss der Unterricht für mindestens 75 Prozent der Gymnasialschüler online abgehalten werden. Die Conte-Regierung empfiehlt zudem dringend, auf den Empfang von Gästen zu Hause sowie auf nicht dringende Reisen zu verzichten. Bars und Restaurants können dem neuen Massnahmenpaket zufolge nach 18 Uhr weiter für Lieferservices sowie Essensmitnahme arbeiten. Museen können demnach offen bleiben, allerdings mit einer begrenzten Anzahl von Besuchern.

Italien hatte zu Beginn der Pandemie zu den am stärksten getroffenen Ländern in Europa gehört. Zuletzt stiegen die Infektionszahlen wieder stark an. Die offizielle Zahl der Neuinfektionen lag am Samstag auf dem Rekordwert von 19'644. Damit stieg die Gesamtzahl der Infektionen seit Beginn der Pandemie auf 504'509. Die Zahl der Todesfälle in Verbindung mit einer Covid-19-Erkrankung erhöhte sich auf 37'210.

Brandsätze gegen Robert-Koch-Institut geworfen

Auf ein Gebäude des Robert-Koch-Instituts in Berlin ist ein Brandanschlag verübt worden. Unbekannte hätten in der Nacht auf Sonntag Flaschen mit Brandsätzen gegen die Fassade des Hauses im Stadtteil Tempelhof geworfen, teilt die Polizei mit. Dabei soll eine Fensterscheibe zu Bruch gegangen sein.

Die Täter seien von einem Sicherheitsmitarbeiter bemerkt worden, der die Flammen gelöscht habe. Verletzt worden sei niemand. Da eine politische Motivation bei der versuchten Brandstiftung geprüft werde, habe der Staatsschutz des Landeskriminalamtes die weiteren Ermittlungen übernommen.

Stabschef von US-Vizepräsident Pence positiv

Der Stabschef von US-Vizepräsident Mike Pence ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Der Test bei Pence selbst sei negativ ausgefallen und er wolle an seinem Programm unter anderem mit Wahlkampfauftritten festhalten, teilte Pence› Sprecher in der Nacht zum Sonntag mit. Sein Stabschef Marc Short sei jetzt in Quarantäne.

Es ist bereits das zweite Mal, dass die US-Regierungsspitze direkt von der Pandemie getroffen wird. Erst Anfang des Monats waren Präsident Donald Trump und diverse Mitarbeiter des Weissen Hauses positiv getestet worden. Trump erholte sich von seiner Covid-19-Erkrankung, nachdem er unter anderem mit einem noch experimentellen Antikörper-Mittel behandelt worden war.

Frankreich meldet über 45 000 Neuinfektionen

In Frankreich sind binnen 24 Stunden erstmals mehr als 45 000 neue Corona-Infektionen registriert worden. Die Gesundheitsbehörde meldete am Samstagabend 45 422 neu erfasste Ansteckungen. Damit gab es erneut einen Spitzenwert innerhalb eines Tages seit Beginn der grossflächigen Corona-Testung in Frankreich. In Frankreich leben rund 67 Millionen Menschen.

Die Corona-Lage in Frankreich verschlechtert sich seit Wochen. Die Behörden meldeten allein in der vergangenen Woche mehrmals neue Spitzenwerte bei den Neuinfektionen. Demnach war am Freitagabend erstmals die Marke von einer Million gemeldeter Fälle seit Beginn der Pandemie überschritten worden. Mehr als 34 500 Menschen im Land sind bereits im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung gestorben.

Ausgangssperre für zwei Drittel der Bevölkerung: Frankreich meldet am Samstag einen weiteren Rekord an Coronavirus-Neuinfektionen.
Ausgangssperre für zwei Drittel der Bevölkerung: Frankreich meldet am Samstag einen weiteren Rekord an Coronavirus-Neuinfektionen.
REUTERS

Seit Samstag gilt in Frankreich die nächtliche Ausgangssperre für rund zwei Drittel der Einwohnerinnen und Einwohner des Landes, also rund 46 Millionen Menschen. Die Ausgangssperre gilt in 54 Départements und dem französischen Überseegebiet Französisch-Polynesien. In den Nachtstunden dürfen die Menschen nur mit einem triftigen Grund vor die Tür.

83'000 Neuinfektionen und Trump ärgert sich

US-Präsident Donald Trump hat im Angesicht einer Rekordzahl an Corona-Neuinfektionen die Gefahren durch das Virus heruntergespielt. «Ich hatte es, hier bin ich», verkündete Trump in Anspielung auf seine Covid-19-Erkrankung bei einem Wahlkampfauftritt am Samstag. «Und jetzt sagen sie, dass ich immun bin.» Trump war unter anderem mit einem noch experimentellen Antikörper-Medikament behandelt worden, das er als «Heilmittel» bezeichnete. Bis Samstag starben unterdessen mehr als 224 000 Amerikaner an der Krankheit.

Die Zahl der Coronavirus-Infektionen in den USA an einem Tag stieg auf mehr als 83 000 – der bisher höchste Wert. Trump führte die Entwicklung darauf zurück, dass mehr als früher getestet werde. «Wenn wir halb so viel testen würden, wäre die Zahl halb so hoch.» Überhaupt werde in den Medien ständig über das Virus geredet. «Macht man den Fernseher an: «Covid, Covid, Covid, Covid, Covid», beschwerte sich der Präsident.

«Ein Flugzeug stürzt ab, 500 Leute sind tot, sie reden nicht darüber. «Covid, Covid, Covid, Covid."" Nach der Präsidentenwahl am 3. November werde man davon nichts mehr hören, behauptete Trump. In den USA starben zuletzt mehr als 900 Menschen an einem Tag durch das Coronavirus.

Viele Anhänger verzichten auf die Maske: Trump-Fans in North Carolina
Viele Anhänger verzichten auf die Maske: Trump-Fans in North Carolina
Reuters
Österreich verschärft Maskenpflicht

Wegen der stark steigenden Corona-Infektionen gelten in Österreich ab diesem Sonntag verschärfte Schutzmassnahmen: In Innenräumen dürfen sich zu Tanz- oder Yogakursen oder privaten Geburtstagsfeiern nur noch sechs Personen treffen, draussen zwölf. Das gilt auch für Amateur-Chöre und Musikkapellen. Auf der Strasse muss wieder ein Meter Abstand gehalten werden, ausser zu Mitgliedern des eigenen Haushalts. In Restaurants dürfen nur noch sechs statt zehn Erwachsene an einem Tisch sitzen.

Die Maskenpflicht wird im öffentlichen Raum ausgeweitet, etwa an Bahnhöfen, Haltestellen und in Einkaufspassagen. Unter anderem müssen Opern- oder Theaterbesucherinnen und -besucher während der ganzen Vorstellung eine Mund-Nase-Bedeckung tragen. Masken sind auch bei Besuchen in Altenheimen nun Pflicht, ebenso auf Märkten drinnen und draussen. Grossveranstaltungen dürfen nur noch mit 1000 statt 1500 Teilnehmern drinnen und mit 1500 statt bislang 3000 draussen stattfinden.

Die Zahl der Neuinfektionen ist am Samstag nach Angaben der Gesundheitsbehörden auf ein Rekordhoch von 3614 gestiegen. Am Freitag waren es 2571 neue Fälle gewesen. Damit gibt es den Angaben zufolge bislang 79.770 positive Covid-19-Tests in Österreich.

Italien meldet Rekordhoch

Die Zahl der Neuinfektionen in Italien steigt auf Rekordhoch. Die Regierung meldet binnen 24 Stunden 19'644 neue Fälle, nach 19'143 am Freitag und 16'079 am Donnerstag.

Tausende Briten demonstrieren gegen Corona-Regeln

In London haben erneut Tausende gegen die Corona-Massnahmen der britischen Regierung demonstriert. Vom Hyde Park aus marschierten die Teilnehmenden am Samstag mit Bannern und Plakaten durch das Zentrum der britischen Hauptstadt und forderten ein Ende der Corona-Beschränkungen. Der «Guardian» und die britische Nachrichtenagentur PA berichteten von «Tausenden Teilnehmern», die Polizei machte keine Angaben zu den Zahlen. Die Protestierenden sprachen sich gegen die Maskenpflicht aus und kritisierten die geltenden Massnahmen als Tyrannei oder Überwachung. Manche stellten auch die Pandemie an sich infrage. Aufgerufen hatte unter anderem die Organisation Save our Rights UK.

Past hält Audienz ohne Maske

Papst Franziskus hat ohne Gesichtsmaske Spaniens Ministerpräsidenten Pedro Sánchez zu einer Audienz empfangen. Auf einem Foto, das der spanische Regierungschef nach dem Treffen am Samstag veröffentlichte, trugen weder Sánchez noch seine Frau oder der Papst Masken als Schutz vor dem Coronavirus. Auch auf einem Video, das der Vatikan später veröffentlichte, sprach der 83-jährige Franziskus ohne Mund-Nasen-Bedeckung vor dem mit Abstand zu ihm sitzenden Publikum.

Die Gewohnheit des Papstes, trotz der auch in Italien wieder steigenden Corona-Infektionszahlen keine Maske zu tragen, verwundert Beobachter. Dabei hat sich auch das Coronavirus im Vatikan selbst ausgebreitet. So sind mehrere Mitglieder der Schweizer Garde infiziert.

Polens Präsident Duda positiv auf Coronavirus getestet

Der polnische Präsident Andrzej Duda ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das teilte Präsidentensprecher Blazej Spychalski am Samstagmorgen auf Twitter mit. Der 48 Jahr alte Präsident fühle sich gut, betonte Spychalski. «Wir sind in ständigem Kontakt mit dem Gesundheitsdienst», schrieb der Sprecher weiter.

Polen hatte am Freitag mit 13 600 Corona-Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden einen neuen Höchststand gemeldet. Von Samstag an sollen neue Verschärfungen der Massnahmen die Verbreitung des Virus eindämmen.

Spanien vor Rückkehr zum Alarmzustand

In Spanien zeichnet sich angesichts rasant steigender Corona-Zahlen eine Rückkehr zum Alarmzustand wie während der ersten Pandemie-Welle im Frühjahr ab. Damit solle den Regionalregierungen eine gerichtsfeste rechtliche Basis für einschneidende Massnahmen zur Eindämmung des Virus gegeben werden, berichteten die Zeitungen «El País» und «La Vanguardia» am Samstag unter Berufung auf Regierungskreise. Ministerpräsident Pedro Sánchez hatte seine Landsleute am Vortag auf «sehr harte Monate» eingestimmt und zu mehr Disziplin bei der Eindämmung des Virus aufgerufen. Nur so könne ein drastischer Lockdown wie im Frühjahr noch vermieden werden.

Bereits 8 der 17 autonomen Regionen des Landes, die in etwa deutschen Bundesländern entsprechen, sowie Melilla, eine der beiden nordafrikanischen Exklaven Spaniens, hätten die Zentralregierung um die Ausrufung des Alarmzustands ersucht, berichteten die Zeitungen weiter. Die Regionen wollen vor allem Rechtssicherheit bei der Anordnung nächtlicher Ausgangssperren und anderer Eingriffe in persönliche Freiheitsrechte, um einen Lockdown wie im Frühjahr mit drastischen Ausgangbeschränkungen rund um die Uhr noch zu vermeiden.

Die Regierung kann einen Alarmzustand für 15 Tage anordnen, ohne die Zustimmung des Parlaments einzuholen. Für eine Verlängerung bedürfte es dann allerdings der Zustimmung der Parlamentarier. Es zeichnete sich bereits eine entsprechende Mehrheit ab, da die Oppositionspartei Ciudadanos mit zehn Sitzen ihre Zustimmung angekündigt hatte.

sda/reuters/red

2171 Kommentare
    Charles Duchemin

    Das ist nur noch polemik. Grosse Schlagzeile von wegen 80‘000 Fällen in den USA. Dass sowohl die Schweiz als auch Frankreich (z.B.) verglichen zur Bevölkerungszahl etwa 3x soviele Fälle haben wird grosszügig übergangen.