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Coronavirus weltweit +++ IS sieht Pandemie als Strafe Gottes für Westen +++ Todesfälle in Russland auf Höchststand

Die Terrormiliz äussert sich zum Virus. Touristenunterkünfte können ab dem 2. Juni fast in ganz Frankreich wieder öffnen. Internationale News im Ticker.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Weltweit haben sich mehr als 5 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann. Rund 328'000 Menschen sind bislang daran gestorben. Am stärksten betroffen von der Pandemie sind die USA.
  • Zahlreiche Länder lockern mittlerweile ihre Einschränkungen oder Ausgangsbeschränkungen wieder.
  • Ein Impfstoff gegen den Erreger ist noch nicht in Sicht.

Hier sehen Sie, wie die Massnahmen in der Schweiz wirken: Der Ausbruch im Vergleich mit anderen Ländern.

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Corona-Todesfälle in Russland erreichen neuen Höchststand

In Russland sind innerhalb eines Tages so viele mit dem Coronavirus infizierte Menschen gestorben wie noch nie seit Beginn der Epidemie. 232 Todesfälle seien seit Donnerstag gemeldet worden, teilten die Behörden am Freitag in Moskau mit.

Zuvor lag diese Zahl immer deutlich unter der Marke von 200. Damit gibt es insgesamt 4374 Tote im Zusammenhang mit Sars-CoV-2. Das ist vergleichsweise wenig. In Deutschland liegt die Zahl der Todesfälle derzeit bei 8450, in den USA sprechen Wissenschaftler von mehr als 100'000 Todesfällen.

Es gab vielfach Medienberichte über angeblich geschönte Statistiken. Die Behörden weisen das vehement zurück. Experten der Hauptstadt Moskau untersuchten vor diesem Hintergrund noch einmal die Todesfälle im April und korrigierten die Zahlen leicht nach oben. So seien etwa 756 Verstorbene positiv auf das Virus getestet worden, zum Tod hätten aber «andere Ursachen» geführt. Zunächst war von rund 600 Corona-Toten im April gesprochen worden.

Landesweit haben sich bereits mehr als 387'600 Menschen infiziert – 159'300 gelten als genesen. In Moskau soll es von Montag an nach zwei Monaten strenger Ausgangssperren grössere Lockerungen geben. Jeder Einwohner darf demnach in den Morgenstunden Sport an der frischen Luft treiben und dreimal pro Woche spazieren gehen.

IS-Terrormiliz sieht im Virus Strafe Gottes für Westen

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sieht im Coronavirus eine Strafe für den Kampf westlicher Staaten gegen gläubige Muslime. «Ihr Kreuzfahrer wurdet von Gottes Hand getroffen (...) nachdem Ihr seine Religion und seine Unterstützer bekämpft habt», sagte IS-Sprecher Abu Hamsa al-Kuraishi in einer am Donnerstag veröffentlichten rund 40-minütigen Audiobotschaft. «Wir sind erfreut, dass Euch Gottes Strafe getroffen hat (...) Wir sehen, wie ihr mit aller Macht Geld ausgebt in dem verzweifelten Versuch, Eure Wirtschaft zu retten, die das Fieber des Virus erschöpft hat.»

Die Echtheit der Audiobotschaft liess sich zunächst nicht bestätigen. Sie wurde aber über die üblichen Kanäle des IS in den sozialen Medien verbreitet. Auch Fachleute gingen davon aus, dass die Stimme von Abu Hamsa al-Kuraischi stammt. Es handle sich um dessen bislang dritte Audio-Botschaft, twitterte Rita Katz, Direktorin der auf Propaganda von Extremisten spezialisierten Site Intelligence Group.

Abu Hamsa kritisierte, dass Moscheen geschlossen wurden, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Die «Gelehrten der Götzen» hätten dazu aufgerufen, schwiegen aber gleichzeitig zu «unzüchtigen Versammlungen», etwa von Menschen, die in Clubs tanzten, so «als würde sich das Virus nur in Moscheen ausbreiten». Der IS-Sprecher kündigte an, die Terrormiliz werde den Kampf gegen ihre Gegner fortsetzen.

IS-Milizen in Syrien. (Archiv)
IS-Milizen in Syrien. (Archiv)
Fast ganz Frankreich ist wieder grün

Frankreich hat weitreichende Corona-Lockerungen beschlossen – darunter die Öffnung von Restaurants und Cafés im ganzen Land. Auch für Feriengäste gibt es gute Nachrichten: Touristenunterkünfte wie Ferienhäuser oder Campingplätze können ab dem 2. Juni fast im ganzen Land wieder öffnen. «Wir sind dort, wo wir Ende Mai sein wollten. Wir sind sogar ein bisschen besser, als wir gehofft hatten», sagte der Regierungschef Édouard Philippe mit Blick auf den Kampf gegen das Virus am Donnerstag. Auch an der Aufhebung der Kontrollen an der Grenze zu Deutschland hält die französische Regierung fest.

Premier Philippe läutete mit seiner Präsentation die zweite Phase der Lockerungen ein. Frankreich ist mit mehr als 28 000 Toten besonders heftig von der Covid-19-Pandemie getroffen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte im März noch erklärt, man befinde sich im Krieg gegen das Virus. Sehnsüchtig haben die Menschen im Land nun auf die Ankündigungen der Regierung gewartet.

In weiten Teilen des Landes können Restaurants und Bars ab dem 2. Juni erstmals seit Mitte März wieder Gäste empfangen. Nur in den schwerer von der Epidemie getroffenen Gebieten wie Paris gibt es noch Einschränkungen. Dort darf nur auf den Terrassen gegessen und getrunken werden. Die Restaurants waren am 15. März im ganzen Land geschlossen worden. Noch vor der Ankündigung des Premier staubten die Pariser Gastronomen bereits ihre Stühle und Tische im Freien ab.

Frankreichs Premierminister bei seinen Ausführungen in Paris.
Frankreichs Premierminister bei seinen Ausführungen in Paris.
(Keystone/28. Mai 2020)

In weiten Teilen des Landes dürfen auch Campingplätze oder Ferienhäuser ab dem 2. Juni wieder Reisende aufnehmen. Ausnahmen etwa für deutsche Urlauber soll es aber vor der angestrebten Aufhebung der Grenzkontrollen am 15. Juni nicht geben. Der Regierungschef betonte, dass es dann keine 14-tätige Quarantäne für Reisende geben werde. Allerdings werde Frankreich auf Wechselseitigkeit bestehen, wenn einige Länder Französinnen und Franzosen eine Quarantäne auferlegen.

Ebenfalls Anfang kommender Woche sollen auch die Bewegungseinschränkungen innerhalb Frankreichs wegfallen. Ab dem 2. Juni sollen Reisen mit mehr als 100 Kilometer Entfernung vom Wohnort nicht mehr nur mit triftigem Grund möglich sein. Diese Massnahme habe sich als sehr nützlich erwiesen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, sei aber nicht mehr gerechtfertigt, erklärte Philippe.

Strände wieder zugänglich

Auch Freizeitangebote sollen wieder verstärkt möglich sein. So sollen Theater ab dem 2. Juni fast im ganzen Land öffnen und alle Strände wieder zugänglich sein. Grosse Museen und Monumente dürfen ebenfalls wieder Besucher empfangen. Kinos folgen etwas später. Bildungsminister Jean-Michel Blanquer kündigte an, dass er die Wiedereröffnung der Schulen beschleunigen werde.

In Paris herrschte unterdessen grosse Erleichterung, weil die Parks und Gärten wieder öffnen können. In der engen Hauptstadt drängten sich die Menschen bisher an den wenigen öffentlichen Plätzen, die zum Verweilen einladen – etwa an den Kanälen oder am Seineufer. «Endlich hat sich der gesunde Menschenverstand durchgesetzt», begrüsste Bürgermeisterin Anne Hidalgo die Entscheidung.

Premier Philippe mahnte allerdings, dass immer noch Wachsamkeit geboten sei. Weiterhin gilt daher, dass sich nicht mehr als zehn Menschen im öffentlichen Raum treffen dürfen. Die erste Phase der Lockerungen hatte am 11. Mai nach mehr als zwei Monaten strenger Ausgangsbeschränkungen begonnen. Sie ist weiter von strikten Regeln und Verboten geprägt.

Mehr Autokraten in Afrika

Die Corona-Pandemie könnte einem Bericht zufolge in Afrika zur Entstehung von mehr Diktaturen führen. In mehreren afrikanischen Ländern, etwa Uganda, Mali, der Elfenbeinküste oder Tansania, gebe es «eine zunehmende Tendenz zu autoritärer Machtanhäufung», zitierte das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) am Freitag aus einer Analyse der Konrad-Adenauer-Stiftung.

«Mit Rückschritten im Bereich von Demokratie, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit ist im Zuge dieser Entwicklungen zu rechnen», warnen die Autoren. Parlamente würden ausgeschaltet, Medien unterdrückt und Wahlen verschoben. Gleichzeitig gebe es weitreichende Ermächtigungen für Polizei und Militär, die bereits zu unverhältnismässiger Gewaltanwendung etwa in Kenia und Südafrika geführt hätten.

Wird für den Umgang mit der Covid-Pandemie kritisiert: Tansanias Präsident John Magufuli. (Archivbild)
Wird für den Umgang mit der Covid-Pandemie kritisiert: Tansanias Präsident John Magufuli. (Archivbild)
Keystone

In Tansania etwa wird Präsident John Magufuli zunehmend für seinen Umgang mit der Covid-Pandemie kritisiert. Er hat im Vergleich zu anderen Ländern wenig Corona-Massnahmen verhängt und unter anderem die Ergebnisse des nationalen Labors öffentlich infrage gestellt. Bereits vor der Krise hatten ihm Menschrechtler eine zunehmende Unterdrückung von Medien und Zivilgesellschaft vorgeworfen. In anderen Ländern ist es im Zuge der Corona-Krise zu Gewalt gegen Einwohner gekommen. In Kenia etwa tötete die Polizei während der ersten Tage einer Ausgangssperre laut Human Rights Watch mindestens sechs Menschen.

Virtuelles Filmfestival startet

Zahlreiche wegen der Corona-Pandemie abgesagte Filmfestivals präsentieren nun gemeinsam ein virtuelles Filmfestival. Bei «We Are One» sollen ab diesem Freitag 10 Tage lang mehr als 100 Filme kostenlos via Youtube zu sehen sein, teilten die Veranstalter mit. Organisiert wurde das Online-Event von den Organisatoren des New Yorker Tribeca Filmfestivals mit Unterstützung der Festivals unter anderem in Cannes, Toronto, London, Rotterdam, Jerusalem, Locarno, San Sebastian, Tokio sowie der Berlinale.

Auf dem Programm stehen beispielsweise der Dokumentarfilm «Ricky Powell: The Individualist» über den gleichnamigen Fotografen oder der israelische Psycho-Thriler «Losing Alice». Ausserdem soll es Gesprächsrunden mit Stars wie den Regisseuren Francis Ford Coppola und Steven Soderbergh und dem Schauspieler Jackie Chan geben sowie einen DJ-Auftritt von Questlove.

Die Coronavirus-Pandemie sei «wie ein Science-Fiction-Film», sagte Schauspieler Robert De Niro, der das New Yorker Tribeca-Filmfestival als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 mitgegründet hatte. «Wir werden da durch kommen. Wir werden es schaffen.»

36 Länder bitten um Schuldenerlass

Nach Angaben der Organisation der 20 mächtigsten Staaten (G20) haben 36 arme Staaten wegen der Kosten der Corona-Krise um die Aussetzung der Schuldenzahlungen gebeten. Derzeit laufen Bemühungen der G20, der UN und andere internationaler Organisation, Regelungen für einen Schuldenerlass der ärmsten Länder der Welt aufzustellen.

Ärmere Länder sind von der Coronakrise besonders betroffen. Internationale Organisationen suchen nach Regelungen für einen Schuldenerlass.
Ärmere Länder sind von der Coronakrise besonders betroffen. Internationale Organisationen suchen nach Regelungen für einen Schuldenerlass.
Keystone
Mehr als 3000 Arbeiter in US-Fleischfabriken infiziert

In den USA haben sich mehr als 3000 Arbeiter in Fleischfabriken mit dem Coronavirus infiziert, wie die grösste Gewerkschaft des Landes mitteilt, die diese Berufsgruppe organisiert. Mindestens 44 Arbeiter seien in diesem Zusammenhang gestorben. Die Gewerkschaft United Food and Commercial Workers ruft die Unternehmen und die Regierung auf, mehr zum Schutz der Beschäftigten zu tun.

Weltklimagipfel wird verschoben

Die Vereinten Nationen verschieben den Weltklimagipfel um ein Jahr auf Ende 2021. Die Konferenz solle auf Vorschlag der britischen Regierung als Gastgeber vom 1. bis 12. November in Glasgow stattfinden.

Womöglich der letzte Applaus auf der Insel

Die Briten haben den Mitarbeitern ihres Gesundheitssystems am Donnerstag womöglich zum letzten Mal den in der Corona-Krise zur Tradition gewordenen Applaus gespendet. Unter dem Motto «Clap for Carers» hatten Bürger des Landes in den vergangenen zehn Wochen klatschend vor ihren Haustüren und auf ihren Balkonen ihre Unterstützung für das Personal der Krankenhäuser zum Ausdruck gebracht. Annemarie Plas, die als Initiatorin der Aktion gilt, warb jedoch dafür, das Ritual nun letztmals abzuhalten – damit es endet, solange sich noch viele Menschen beteiligen.

Pflegerinnen und Pfleger des Royal Hampshire County Spital im englischen Winchester freuen sich über den Applaus des Volkes und machen selber fröhlich mit. (21. Mai 2020)
Pflegerinnen und Pfleger des Royal Hampshire County Spital im englischen Winchester freuen sich über den Applaus des Volkes und machen selber fröhlich mit. (21. Mai 2020)
(AP/Keystone/Andrew Matthews)
Uni-Klinik Tübingen stoppt Tests mit Malaria-Mittel

Das Universitätsklinikum Tübingen setzt einem «Spiegel»-Bericht zufolge Tests mit dem Malaria-Mittel Hydroxychloroquin vorerst aus. «Wir werden unsere zwei Studien nun für zwei Wochen pausieren», zitiert das Magazin den medizinischen Direktor am Universitätsklinikum, Peter Kremsner. Die Entscheidung sei am Donnerstagabend gefallen. In der Zeit sollen die ersten Ergebnisse zur Patientensicherheit von einem unabhängigen Sicherheitsgremium angeschaut werden. Danach werde entschieden, ob die Studien fortgesetzt werden. An der Entscheidung seien auch die zuständige Ethikkommission sowie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) beteiligt.

Türkei lockert Restriktionen

Die türkische Regierung will ab 1. Juni ihre Corona-Restriktionen erheblich lockern. Für bisher nach aussen abgeschottete Grossstädte wie Istanbul gibt es wieder Reisefreiheit, sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan am Donnerstagabend. Cafés und Restaurants sowie Schwimmbäder, Sportstudios oder auch Kindergärten dürfen demnach wieder öffnen. Auch Strände, Parks und Museen sind dann wieder zugänglich. Freiluft-Konzerte sind bis Mitternacht erlaubt.

Einige Restriktionen bleiben jedoch. Senioren ab 65 Jahren dürfen weiter bis auf festgelegte Stunden in der Woche nicht vor die Tür. Das Ausgehverbot für Unter-20-Jährige wurde leicht verändert und gilt nun noch für Menschen unter 18. Shisha-Lokale und andere «Vergnügungsorte» bleiben geschlossen. Erdogan betonte, dass jeder weiterhin auf die Abstandsregeln achten und eine Maske tragen müsse.

Es wird eifrig geputzt und desinfiziert wie hier beim Grossen Basar in Istanbul.
Es wird eifrig geputzt und desinfiziert wie hier beim Grossen Basar in Istanbul.
(Keystone/Tolga Bozoglu/28. Mai 2020)

Zuvor hatten Behörden am Donnerstag die Regelungen für die Wiedereröffnung von Moscheen am Freitag veröffentlicht. In zentralen Moscheen sollen dann 1003 Opfertiere geschlachtet werden. Die Opfer sollten «Dankbarkeit» ausdrücken, weil die Gläubigen nach der Trennung wieder zusammenkommen könnten. Gläubige müssen nun ihre eigenen Gebetsteppiche mitbringen oder Einwegteppiche verwenden. Betende müssen Masken tragen und sich an Markierungen halten, die auf dem Boden eingezeichnet sind. Es werden nicht alle Moscheen öffnen. Ein Kriterium für die Auswahl war, dass sie Aussenbereiche haben, wo beispielsweise die gut besuchten Freitagsgebete stattfinden sollen.

Das Gesundheitsministerium in Ankara meldete am Donnerstag, dass sich bisher rund 161'000 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert hätten. Rund 4500 Menschen seien gestorben.

Estland öffnet zum 1. Juni seine Grenzen

Estland öffnet zum 1. Juni seine Grenzen für Bürger aus EU-Staaten, Länder des Schengenraums, Grossbritannien und Nordirland. Auf Beschluss der Regierung in Tallinn entfällt dabei die Quarantänepflicht für Einreisende aus Ländern mit einer niedrigen Coronavirus-Infektionsrate. Dies teilte Regierungschef Jüri Ratas am Donnerstag auf Facebook mit. Die Grenze liegt demnach bei 15 Fällen pro 100'000 Einwohner in den letzten 14 Tagen. Wer aus europäischen Ländern mit einer höheren Infektionsrate in den Baltenstaat einreist, muss sich weiterhin für zwei Wochen in häusliche Isolation begeben.

Nach Angaben von Aussenminister Urmas Reinsalu können demnach ab Juni gegenwärtig Bürger aus 16 Schengen-Staaten ohne Quarantäne nach Estland kommen. Die Liste mit den Ländern werde einmal pro Woche überprüft, sagte er dem estnischen Rundfunk.

Boris Johnson weicht Regeln auf

Gruppen von bis zu sechs Menschen dürfen sich in Grossbritannien nach den Worten von Premierminister Boris Johnson ab Montag im Freien treffen. Sie müssten allerdings weiter die Abstandsregeln einhalten. «Diese Änderungen bedeuten, dass Freunde und Familien beginnen können, sich wieder mit ihren Lieben zu treffen – vielleicht beide Eltern oder Grosseltern auf einmal.»

Boris Johnson während der Medienkonferenz in seinem Heim an der Downing Street.
Boris Johnson während der Medienkonferenz in seinem Heim an der Downing Street.
(Keystone/Pippa Fowles/28. Mai 2020)
Südkorea verschärft Corona-Beschränkungen wieder

Südkorea verschärft angesichts des erneut deutlichen Anstiegs von Infektionsfällen mit dem Coronavirus wieder die Beschränkungen für die Menschen in der Millionenmetropole Seoul und Umgebung.

Mit sofortiger Gültigkeit würden bis zum 14. Juni öffentliche Einrichtungen einschliesslich Museen, Theater sowie Mehrzweckhallen im Grossraum Seoul wieder geschlossen, teilte Gesundheitsminister Park Neung Hoo am Donnerstag nach einem Krisentreffen unter Vorsitz von Ministerpräsident Chung Sye Kyun mit. «Die nächsten zwei Wochen sind kritisch», sagte er.

Menschen am Flughafen Gimpo in Seoul.
Menschen am Flughafen Gimpo in Seoul.
Foto: Ahn Young-Joon/Keystone

Südkorea hatte die landesweiten Massnahmen für eine Beschränkung gesellschaftlicher Kontakte schrittweise schon wieder gelockert. Doch wurden die Behörden zuletzt durch eine neue lokale Häufung von Infektionen, die diesmal im Verteilzentrum eines Versandhändlers in der Seouler Vorstadt Bucheon festgestellt wurde, alarmiert. Dort wurden bis zum Donnerstagvormittag den Angaben zufolge mehr als 80 Fälle unter Beschäftigten und Kontaktpersonen bestätigt, mehr als 4000 Menschen wurden getestet.

Angst vor zweiter Welle in Seoul

Es sei sehr wahrscheinlich, dass der Ausbruch bereits auf die Gemeinden übergesprungen sei, sagte Park. Er rief die Menschen auf, in den nächsten zwei Wochen möglichst Versammlungen zu vermeiden. In der Hauptstadt hatte in diesem Monat bereits eine Häufung von Ansteckungen unter Clubbesuchern die Furcht vor einer neuen Welle von Masseninfektionen ausgelöst. Im Grossraum von Seoul lebt etwa die Hälfte der 51,6 Millionen Einwohner des Landes.

Eine erneute Schliessung der Schulen, die seit der vergangenen Woche schrittweise wieder landesweit geöffnet wurden, wurde zunächst nicht erwogen. Die Gesundheitsbehörden hatten zuvor mitgeteilt, dass am Vortag landesweit 79 Neuinfektionen mit Sars-CoV-2 erfasst worden seien. Das war der höchste Anstieg seit fast zwei Monaten. Die Gesamtzahl kletterte auf 11 344.

Easyjet will 30 Prozent der Stellen streichen

Der britische Billigflieger Easyjet will wegen der Corona-Krise bis zu 30 Prozent seiner Arbeitsplätze streichen. Auch die Flugzeugflotte soll zunächst schrumpfen, statt zu wachsen, wie das Unternehmen am Donnerstag in Luton bei London mitteilte.

Das Management begründete die Kürzungen mit dem Einbruch des Flugverkehrs infolge der Coronavirus-Pandemie und der Erwartung, dass die Nachfrage nach Flugtickets nicht vor dem Jahr 2023 wieder auf das Niveau von 2019 klettert.

Eine Finanzprognose für das laufende Geschäftsjahr bis Ende September traut sich Easyjet-Chef Johan Lundgren weiterhin nicht zu. Im vierten Geschäftsquartal, das die für Fluggesellschaften wichtigen Sommermonate umfasst, werde das Flugangebot voraussichtlich 70 Prozent geringer ausfallen als ein Jahr zuvor.

Easyjet erwartet, dass die Nachfrage nach Flugtickets nicht vor dem Jahr 2023 wieder auf das Niveau von 2019 steigt. (Archivbild)
Easyjet erwartet, dass die Nachfrage nach Flugtickets nicht vor dem Jahr 2023 wieder auf das Niveau von 2019 steigt. (Archivbild)
Foto: Keystone

Easyjets Flugzeugflotte soll bis Ende des Geschäftsjahres 2021 auf 302 Maschinen schrumpfen. Zuletzt verfügte die Airline im März nach eigenen Angaben über 337 Flugzeuge und wollte ihre Flotte eigentlich weiter ausbauen. Easyjet hat sich mit dem Flugzeugbauer Airbus geeinigt, weitere bestellte Maschinen erst später abzunehmen als geplant.

News Corp macht über 100 australische Zeitungen dicht

Der Medienkonzern hat in Australien die Einstellung des Drucks von mehr als 100 Regionalzeitungen angekündigt. Die Werbeeinnahmen sind durch Corona-Krise zurückgegangen, was den Abschwung im Mediensektor des Landes noch verschärft hat.

Das Unternehmen, das die australische Medienlandschaft dominiert, teilte mit, dass es ab nächsten Monat nur noch 76 Titel online stellen und weitere 36 insgesamt schliessen werde.

Die Schliessungen werden zu einem noch unbekannten Abbau von Stellen führen, ergänzte News Corp. Der Konzern verzeichnete im letzten Quartal einen Verlust von 1,1 Milliarden Dollar.

Casinos in Las Vegas öffnen wieder

Im US-Staat Nevada mit dem Glücksspielparadies Las Vegas sollen nach wochenlangen Corona-Schliessungen die Casinos und Hotels wieder öffnen. Der Gouverneur von Nevada, Steve Sisolak, gab den 4. Juni als Termin bekannt.

Nach Mitteilung der Behörden am Mittwoch müssen die Casino-Betreiber Hygieneauflagen und Abstandsregeln befolgen und den Gästen Schutzmasken anbieten.

Spielen hinter Plexiglas: Der Manager des MGM-Hotels an einem Craps-Tisch.
Spielen hinter Plexiglas: Der Manager des MGM-Hotels an einem Craps-Tisch.
Foto: John Locher/Keystone

Auch Fitnesszentren, Schwimmbäder und Wasserparks können ihren Betrieb mit Vorsichtsmassnahmen wieder aufnehmen, allerdings nur mit Gruppen von maximal 50 Personen.

Zur Eindämmung des Coronavirus waren in Nevada Mitte März Spielhallen, Restaurants, Bars, Kinos und Einkaufszentren geschlossen worden. In dem Touristen-Ziel lag das öffentliche Leben seither weitgehend brach.

25'000 Tote in Brasilien

Brasilien hat mehr als 25'000 Tote im Zusammenhang mit dem Coronavirus registriert. Das Gesundheitsministerium in Brasília meldete am Mittwochabend 1086 Tote mehr als am Dienstag.

Damit stieg die Zahl der Corona-Toten in dem mit 210 Millionen Einwohnern grössten Land in Lateinamerika auf bislang 25'598. Insgesamt 411'821 Menschen haben sich mit dem Virus infiziert.

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro.
Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro.
Keystone

Bei der Zahl der Todesopfer liegt Brasilien damit nach Aufzeichnungen der US-amerikanischen Johns Hopkins Universität weltweit weiter auf Platz sechs der am meisten betroffenen Länder, bei der Zahl der Infizierten auf Platz zwei hinter den USA.

Wissenschaftliche Studien legen nahe, dass die Zahl der Infizierten auch aufgrund weniger Tests mindestens sieben Mal höher liegt. Präsident Jair Bolsonaro will nichts von Einschränkungen wissen und spricht sich für eine Öffnung der Wirtschaft aus.

Grossbritannien schliesst Botschaft in Nordkorea

Grossbritannien schliesst vorübergehend seine Botschaft in Nordkorea. «Die britische Botschaft in Pyongyang wurde am 27. Mai 2020 vorübergehend geschlossen und alle diplomatischen Mitarbeiter haben die DVRK vorerst verlassen», schreibt Botschafter Colin Crooks auf Twitter unter Verwendung der Initialen des offiziellen Namens Nordkoreas, der Demokratischen Volksrepublik Korea.

Die Entscheidung sei getroffen worden, da «Einreisebeschränkungen es unmöglich gemacht haben, unsere Mitarbeiter zu rotieren und den Betrieb der Botschaft aufrechtzuerhalten», teilt das britische Aussenministerium mit. Die diplomatischen Beziehungen blieben bestehen und Grossbritannien wolle so schnell wie möglich wieder in Pyongyang präsent zu sein, heisst es.

86 Millionen Kinder mehr in Armut

In Folge der Corona-Pandemie könnten Hilfsorganisationen zufolge weltweit 86 Millionen Kinder bis zum Jahresende in Armut abrutschen. Das sei ein Anstieg um 15 Prozent, ergab eine gemeinsame Analyse des Kinderhilfswerks Unicef und der Hilfsorganisation Save the Children. «Die Covid-19-Pandemie hat eine beispiellose wirtschaftliche und soziale Krise ausgelöst, die vielen Familien weltweit ihre Lebensgrundlage raubt», sagte Unicef-Exekutivdirektorin Henrietta Fore. Die Hilfsorganisationen appellieren an die Regierungen, soziale Sicherungssysteme und Programme rasch und umfassend auszuweiten, um die Auswirkungen von Covid-19 auf Kinder abzumildern und Familien vor Armut zu schützen.

(red/sda/reuters)