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Coronavirus in der Schweiz+++ 20 neue Fälle +++ Pflichtlager mussten nicht angezapft werden

Nach den Hamsterkäufen zu Beginn der Krise zeigt sich nun: Die Versorgung klappte stets. Ab dem 6. Juni müssen in Restaurants bei Gruppen ab fünf Personen Daten hinterlegt werden. Die News im Ticker.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Seit Montag dem 11. Mai fährt der Schweizer ÖV wieder weitgehend nach normalem Fahrplan.
    Auch Schulen und viele Geschäfte haben erstmals seit knapp zwei Monaten geöffnet.
  • Coiffeurgeschäfte, Kosmetikstudios, Gartencenter und Baumärkte öffneten bereits am 27. April.
  • Eine dritte Lockerung ist ab dem 8. Juni vorgesehen.

Wann und wie stark die «Lockdown»-Massnahmen wirken, zeigt der Vergleich des Schweizer Covid-19-Ausbruchs mit anderen Ländern.

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20 neue Ansteckungen

In der Schweiz und in Liechtenstein sind innerhalb eines Tages 20 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus gemeldet worden. Am Mittwoch und Dienstag waren 15 neue Fälle gemeldet worden.

Insgesamt gibt es 30'796 laborbestätigte Fälle, wie das BAG mitteilt. Die Fallzahlen unterliegen einer wöchentlichen Schwankung mit tieferen Zahlen am Wochenende.

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19 in allen Kantonen zusammen betrug nach einer Zählung der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am Donnerstagmittag 1917, gleich viele wie am Tag zuvor. Keystone-SDA analysiert die auf den Internetseiten der Kantone vorliegenden offiziellen Daten.

Die Zahl der Neuansteckungen in der Schweiz ist im Vergleich zum Vortag leicht angestiegen.
Die Zahl der Neuansteckungen in der Schweiz ist im Vergleich zum Vortag leicht angestiegen.
Foto: Keystone

Das BAG gab die Zahl der Todesopfer im Zusammenhang mit Covid-19 mit 1655 (Vortag: 1649) an. Das entspreche 19 Todesfällen pro 100'000 Einwohner. Das Bundesamt bezieht sich auf die Meldungen, die die Laboratorien sowie Ärztinnen und Ärzte im Rahmen der Meldepflicht bis Mittwochmorgen übermittelt hatten. Die Zahl könne deshalb von den Zahlen der Kantone abweichen, schreibt das BAG.

Die Zahl der durchgeführten Tests auf Sars-CoV-2, den Erreger von Covid-19, belaufen sich bisher insgesamt auf 385'822. Bei 10 Prozent dieser Tests fiel das Resultat positiv aus. Auf 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner gab es 359 Ansteckungen.

Pflicht mit Kontaktdaten in Restaurants gebilligt

Der Datenschutzbeauftragte Adrian Lobsiger hat die vom Bundesrat ab dem 6. Juni vorgesehene begrenzte Datenerhinterlegungspflicht für Gäste in Bars und Restaurants abgesegnet. Gegen eine allgemeine Pflicht hatte er bei der Wiedereröffnung vor gut zwei Wochen noch sein Veto eingelegt, und es blieb bei der Freiwilligkeit (lesen Sie dazu: Namenslisten in den Restaurants bleiben leer).

Der Bundesrat hat am Mittwoch per Verordnung beschlossen, dass mit der weiteren Lockerung ab dem 6. Juni in Restaurants eine Datenhinterlegungspflicht bei Gruppen ab fünf Personen gilt.

Ab dem 6. Juni gilt in Restaurants bei Gruppen ab fünf Personen eine Pflicht, die Daten zu hinterlegen.
Ab dem 6. Juni gilt in Restaurants bei Gruppen ab fünf Personen eine Pflicht, die Daten zu hinterlegen.
Foto: Jean-Christophe Bott

Mindestens eine Person muss in diesem Fall ihre Kontaktangaben hinterlassen. Damit verzichtet der Bundesrat auf ein pauschales Erfassen aller Gäste. Die Kontaktdaten müssen zudem nach zwei Wochen vernichtet werden.

300 Disco-Besucher pro Abend

«Es obliegt uns, die datenschutzrechtliche Zulässigkeit und Verhältnismässigkeit dieser Gesetzesgrundlage zu kommentieren und da waren wir einverstanden», sagte Lobsinger am Donnerstag gegenüber Radio SRF.

Die Diskotheken und Clubs dürfen laut Verordnung ab dem 6. Juni maximal 300 Besucher pro Abend einlassen. Diese müssen Namen und Telefonnummer angeben, falls die Abstandsregel von zwei Metern während mehr als fünfzehn Minuten nicht eingehalten werden kann.

Nur wenn die Schutzmassnahmen nicht eingehalten werden können, besteht laut Verordnung eine Kontaktdatenpflicht. «Der Bundesrat hat jetzt eine klare politische Verantwortung übernommen für diese Datenerhebungspflicht und das ist aus Sicht meiner Datenschutzbehörde nicht zu beanstanden», sagte Lobsinger.

Bund brauchte Pflichtlager bisher nicht

War es zu Beginn der Coronakrise aus Angst vor Engpässen in der Lebensmittelversorgung noch zu Hamsterkäufen gekommen, so zeigt sich nun ein anderes Bild. Es sei nicht einmal notwendig gewesen, auf die Pflichtlager des Bundes zurückzugreifen, sagte Christian Hofer, Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW), in einem Interview mit der Westschweizer Tageszeitung «Le Temps».

Das gesamte System – Landwirte, Importe, Verpackungsbetriebe – habe den Schock erfolgreich überstanden. Da die Schweiz bei mehreren Produkten von Importen abhängig sei, sei es notwendig gewesen, mit allen in- und ausländischen Akteuren des Sektors zusammenzuarbeiten.

Das BLW sei auf alle Szenarien vorbereitet gewesen. In den Fabriken seien Rettungsteams ausgebildet worden, um gewappnet zu sein, falls die Hälfte der Beschäftigten von der Lungenkrankheit Covid-19 betroffen gewesen wäre. Im Zentrum habe die Logistik gestanden.

Für die Versorgung mussten die Pflichtlager nicht angerührt werden.
Für die Versorgung mussten die Pflichtlager nicht angerührt werden.
Foto: Urs Jaudas
Post entlastet Mieter

Die Post entlastet ihre vom Lockdown betroffenen Mieter. Sie erlässt ihnen einen Teil oder die ganze Miete. Die Massnahme soll kleineren und mittleren Betrieben helfen, ihre Geschäfte weiterzuführen.

Die Massnahmen gegen das Coronavirus hätten vielen Unternehmen eine vorübergehende Schliessung, einen markanten Kundenschwund oder ein Betriebsverbot gebracht. Dadurch seien sie oft in prekäre Situationen gekommen, teilte die Post am Mittwoch mit.

Die Post kommt ihnen deshalb entgegen. Sie staffelt die Mietzinsreduktionen. Mieter, die wegen behördlichen Auflagen schliessen mussten, erhalten eine Reduktion um die Hälfte. Mieten unter 5000 Franken erlässt die Post in diesem Fall ganz.

Geschäfte, die zwar offen waren, aber erhebliche Umsatzeinbussen verzeichneten, erhalten individuelle Reduktionen. Die Post zeigte sich überzeugt, den Betrieben so unkompliziert beistehen zu können. Auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte Postsprecher Erich Goetschi, die Mietzinsreduktionen würden eine Million Franken übersteigen.

Bisher keine schweizweite Lösung

Die Mietzinsfrage wartet noch auf eine landesweite Lösung. An ihrer Coronavirus-Sondersession konnten sich die Eidgenössischen Räte nicht einigen. Die Wirtschaftskommission des Ständerats unterstützt einen Vorschlag ihrer nationalrätlichen Schwesterkommission.

Dieser sieht vor, dass Geschäftsbetreiber ihrem Vermieter für die Dauer der behördlichen Schliessung nur 40 Prozent der Miete schulden. Dabei soll eine Mietobergrenze von 20'000 Franken gelten. Die restlichen 60 Prozent soll der Vermieter tragen. Entscheiden sollen die Räte in der Sommersession.

BAG verzeichnet 15 Neuinfektionen

In der Schweiz und in Liechtenstein sind innerhalb eines Tages 15 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus gemeldet worden. Am Dienstag waren ebenfalls 15 neue Fälle und am Montag zehn Fälle gemeldet worden.

Insgesamt gab es 30'776 laborbestätigte Fälle, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Mittwoch mitteilte. Die Fallzahlen unterliegen einer wöchentlichen Schwankung mit tieferen Zahlen am Wochenende.

Das BAG gab die Zahl der Todesopfer im Zusammenhang mit Covid-19 mit 1649 (Vortag: 1648) an. Das entspreche 19 Todesfällen pro 100'000 Einwohner. Das Bundesamt bezieht sich auf die Meldungen, die die Laboratorien sowie Ärztinnen und Ärzte im Rahmen der Meldepflicht bis Mittwochmorgen übermittelt hatten. Die Zahl könne deshalb von den Zahlen der Kantone abweichen, schreibt das BAG.

Die Zahl der durchgeführten Tests auf SARS-CoV-2, den Erreger von Covid-19, belaufen sich bisher insgesamt auf 380'671. Bei 10 Prozent dieser Tests fiel das Resultat positiv aus. Auf 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner gab es 359 Ansteckungen.

Campingsaison startet mit neun Wochen Verspätung

Mit der weiteren Lockerung der Massnahmen gegen die Covid-19-Pandemie kann die Campingsaison am 6. Juni starten. Wie der Campingplatzbetreiber TCS am Mittwoch schreibt, ist das rund neun Wochen später als üblich. Die Buchungsstände für Juli und August liegen bereits über jenen des Vorjahrs.

Das Schutzkonzept erfülle die Anforderungen «für eine sichere Art Ferien in der Heimat», schrieb der TCS mit seinen 24 Campingplätzen. Die Vorbereitungen seien intensiv gewesen.

Ans Rekordjahr 2019 anzuknüpfen hofft der TCS angesichts des späten Starts nicht mehr. Dennoch lassen die aktuellen Buchungszahlen für die wichtigsten beiden Sommermonate Juli und August Hoffnung aufkommen.

Sie liegen den Angaben zufolge über dem Vorjahresstand, hauptsächlich, weil die weltweit verschärften Einreisebestimmungen Ferien im Inland ratsam erscheinen lassen. Der TCS rechnet im laufenden Jahr damit, dass über 70 Prozent der Gäste auf seinen Plätzen aus dem Inland anreisen.

Das Tessin ist ebenfalls bereit für die Campinggäste, wie Ticino Tourismo mitteilte. Diese stellen ein wichtiges Kontingent im Tourismussektor des Kantons. Rund 30 Prozent der Übernachtungen finden im Südkanton auf Campingplätzen statt. Eine Million von insgesamt 3,5 Millionen Camping-Übernachtungen landesweit entfallen auf das Tessin. Dort liegen knapp 40 Campingplätze.

Kommission fordert Gratis-Tests bei Warnung der Swiss-Covid-App

Personen, die eine Warnung durch die Swiss-Covid-App erhalten, dass sie in Kontakt mit einer infizierten Person waren, sollen sich kostenlos auf das Virus oder Antikörper testen lassen können. Dies beantragt die Gesundheitskommission des Nationalrats (SGK).

National- und Ständerat werden in der Sommersession ab kommender Woche die gesetzlichen Grundlage für das neue Proximity-Tracing-System beraten. Beide vorberatenden Kommissionen begrüssen die App als Hilfsmittel, um die Corona-Epidemie in der Schweiz weiter einzudämmen. Die SGK des Nationalrats hat die Vorlage mit 14 zu 3 Stimmen bei 5 Enthaltungen angenommen, wie die Parlamentsdienste am Mittwoch mitteilten.

Bundesrat soll Erwerbsausfallentschädigung prüfen

Beide Kommissionen empfehlen dem Bundesrat in einem Schreiben, eine Erwerbsausfallentschädigung für Personen zu prüfen, die sich aufgrund einer Benachrichtigung durch die App freiwillig in Quarantäne begeben. Eine Minderheit der Nationalratskommission will zudem sicherstellen, dass Benachrichtigungen durch die App nicht dem Arbeitgeber gemeldet werden müssen.

So sollen laut der SGK Anreize für eine breite Nutzung der App geschaffen werden. Personen, die sich nach einem App-Alarm freiwillig in Quarantäne begeben, haben derzeit keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Das kritisieren verschiedene Forscher der beiden ETH, die an der Entwicklung der App beteiligt gewesen sind.

Erst nach der Verabschiedung durch das Parlament kann das sogenannte Proximity-Tracing-System offiziell lanciert werden. Derzeit läuft eine Pilotphase mit der App. Diese ist so konfiguriert, dass nicht gleichzeitig die Tracing-App und GPS aktiviert sein können. Somit werden keine Bewegungsdaten übermittelt. Eine Überwachung ist nicht möglich.

Ein erster Blick auf die SwissCovid App des Bundes.
Ein erster Blick auf die SwissCovid App des Bundes.
Foto: Laurent Gillieron/Keystone

Taskforce-Chef gegen allzu frühe Lockerungen bei Grossveranstaltungen

Matthias Egger, der Chef der Covid-19-Taskforce des Bundes, warnt vor allzu schnellen Lockerungen. Wichtig seien vor allem die Abstands- und Hygieneregeln. Genau diese könnten allerdings bei Grossveranstaltungen nicht eingehalten werden.

Der Bundesrat wollte am Mittwoch über weitere Entscheide zu den Lockerungen der Massnahmen gegen die Corona-Pandemie informieren. Es stand die Frage im Raum, ob wieder Veranstaltungen mit grösseren Menschenansammlungen zugelassen werden.

Entscheidend sei die Reproduktionszahl, also wie viele Menschen ein mit dem Coronavirus Infizierter anstecke. Sollte diese wieder über 1 klettern, «wird man die geplanten Lockerungen nochmals überdenken müssen», sagte Egger in einem Interview mit der «Luzerner Zeitung» vom Mittwoch.

Matthias Egger, der Chef der Covid-19-Taskorce des Bundes.
Matthias Egger, der Chef der Covid-19-Taskorce des Bundes.
Foto: Alessandro della Valle/Keystone

Vor dem 8. Juli werde man sehen, welche Auswirkungen die Lockerungen vom 11. Mai hatten. Im Moment sei dies noch zu früh. «Man sollte auch genau hinschauen, wo es zu Ausbrüchen gekommen ist», sagte Egger. «Daraus könnte man gezielt regionale Massnahmen ableiten. Viele Regionen der Schweiz werden nicht betroffen sein. Gewisse Lockerungen, zum Beispiel im Tourismus, könnte man trotzdem ermöglichen.»

Egger kritisiert eine aufkommende Disziplinlosigkeit in Teilen der Bevölkerung, was die Einhaltung der Schutzmassnahmen betrifft. Er nennt als Beispiel «wilde Fussballspiele» wie jenes von Lausanne am vergangenen Donnerstag.

Zweite Pandemiewelle könnte laut ETH mehr Todesopfer fordern

Forschende der ETH haben mit einem neuen mathematischen Modell den möglichen Verlauf einer allfälligen zweiten Coronavirus-Pandemiewelle in der Schweiz berechnet. Diese könnte langsamer verlaufen, aber mehr Todesopfer fordern als die erste.

Falls es in der Schweiz zu einer zweiten Welle kommen sollte, werde diese deutlich langsamer anrollen als die erste, teilte die ETH am Mittwoch mit. Die Zahl der Erkrankten werde langsamer ansteigen, weil die Gesellschaft einen Lernprozess durchgemacht habe und sich heute vorsichtiger verhalte als zu Beginn der Pandemie.

Selbst wenn die Reproduktionszahl wieder über 1 steigen sollte, werde sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mehr so hoch sein wie zu Beginn der ersten Infektionswelle Anfang März. Ein Engpass im Gesundheitswesen sei vor diesem Hintergrund kaum zu erwarten.

Sehr langsamer Anstieg besonders gefährlich

«Das ist einerseits eine gute Nachricht, andererseits aber auch trügerisch», wird Studienautor Dirk Mohr, Professor für Numerische Materialmodellierung am Departement Maschinenbau und Verfahrenstechnik, zitiert.

Besonders heimtückisch wäre laut Mohr eine sehr langsam ansteigende zweite Welle mit einer Reproduktionszahl nur knapp über 1. Denn eine solche könnte zu einer sehr grossen Zahl an zusätzlichen Todesfällen führen. Je nach Verlauf einer zweiten Welle könnte diese gemäss Studie bis zu 5'000 Todesopfer fordern.

Ohne einen Kapazitätsengpass vor Augen nehme die Bevölkerung die Bedrohung möglicherweise nicht wahr oder ihr fehle das Verständnis für einschränkende Massnahmen.

Jugendliche verbreiten Virus stärker als Senioren

In ihren Modellrechnungen berücksichtigten die Forschenden detaillierte Informationen zur Demografie und zu altersspezifischen Kontaktmustern. So sei es ihnen gelungen, für die erste Pandemiewelle die Reproduktionszahl für einzelne Altersgruppen zu berechnen.

Dabei habe sich gezeigt, dass in der Schweiz die 10- bis 20-Jährigen sehr stark und die 35- bis 45-Jährigen ebenfalls überdurchschnittlich zur Verbreitung des Virus beitragen. Die Senioren hingegen trügen stark unterdurchschnittlich dazu bei.

Würde sich die Übertragungswahrscheinlichkeit in den Schulen durch konsequent eingehaltene Abstandsregelungen und Hygienemassnahmen halbieren, so sänke die erwartete Anzahl zusätzlicher Todesfälle in der Gesamtbevölkerung von 5000 auf unter 1000, heisst es in der Mitteilung.

Daten der ersten Welle als Grundlage für Prognosen

Um die Zukunftsszenarien berechnen zu können, kalibrierten die Wissenschaftler laut Mitteilung ihr Modell mit den von den Kantonen veröffentlichten offiziellen Zahlen der Vergangenheit. Wie beim Erstellen einer Wetterprognose berechnete das Modell die Zukunft. Modell und Berechnungen haben die Forschenden veröffentlicht.

Die Publikation hat den normalen wissenschaftlichen Begutachtungsprozess noch nicht durchlaufen.

Edelweiss setzt zum Neustart im Ferienflugbetrieb an

Nach fast zwei Monaten Zwangspause wegen des Coronavirus setzt die Edelweiss zum Neustart im Ferienflugbetrieb an. Der erste Flug hebt am (morgigen) Donnerstag ins portugiesische Stadt Faro ab.

Die Auslastung nach dem langen Stillstand sei erfreulich, sagte Edelweiss-Sprecher Andreas Meier am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP. Rund ein Drittel des Flugzeugs sei gebucht. «Die Leute haben Lust auf Ferien. Wir spüren das», sagte Meier.

Den letzten Linienflug hatte die Edelweiss wegen der Pandemie am 3. April durchgeführt. Seither stand der grösste Teil der Flotte am Boden. Vereinzelt wurden noch Repatriierungs- und Frachtflüge gemacht.

Eine Passagiermaschine der Edelweiss Airline am Flughafen Zürich.
Eine Passagiermaschine der Edelweiss Airline am Flughafen Zürich.
Foto: Ennio Leanza/Keystone

Nun gibt die Schwesterairline der Swiss wieder Schub. Im Einklang mit den Einreisebestimmungen der jeweiligen Länder werde das Flugangebot in den kommenden Wochen kontinuierlich ausgebaut. Bis Ende Juni seien 171 Flüge zu 36 Ferienzielen geplant, teilte die Edelweiss in einem Communiqué mit.

Die ersten Destinationen, die wieder angeflogen werden, liegen in Portugal, Süditalien, Kosovo, Kroatien und Nordmazedonien. Je nach Entwicklung der weltweiten Lage sollen im weiteren Verlauf des Juni Destinationen in Griechenland, der Türkei, Zypern, Ägypten und Spanien folgen. Ausserdem sei geplant, erste Langstreckenflüge wieder regelmässig durchzuführen, hiess es weiter.

Der Flugplan werde jeweils den aktuellen Entwicklungen angepasst, da er nach wie vor stark von den Einreisebeschränkungen der jeweiligen Länder abhängig sei. Damit die Kunden die Reise trotzdem planen könnten, garantiere Edelweiss auch weiterhin flexible und kostenlose Umbuchungen, schrieb die Airline, die zum Lufthansa-Konzern gehört.

Stabschef des Bundesrates zieht erste Lehren aus der Corona-Krise

Bundeskanzler Walter Thurnherr (CVP) hat ersten Verbesserungsbedarf in der Administration des Landes bei Pandemien eruiert. So sollen Abläufe in der Verwaltung unter die Lupe genommen werden.

Dies sagte der Stabschef des Bundesrates in einem Interview mit dem «Blick» vom Mittwoch. Etwa bei den Beschaffungen von medizinischem Material, aber auch bei der Vorsorgeplanung und den Pandemieplänen, solle kritisch hingeschaut werden, erklärte er. «Wir werden zudem prüfen müssen, ob es beim Epidemiengesetz Änderungsbedarf gibt», hiess es weiter.

Ein gewisser Faktor an Improvisation gehöre aber bei jeder Krise dazu, weil es ein Prozess sei, und weil niemand wisse, ob jeder Entscheid zu 100 Prozent richtig sei, betonte der 56-Jährige.

Der studierte Physiker lobte gegenüber dem «Blick» aber das Entscheidungsprinzip im Bundesrat. «Im Kollegialsystem sind Fehler auch möglich, aber ich behaupte insgesamt weniger wahrscheinlich», sagte Thurnherr. Falls in einer Krise nur eine Person entscheide, wäre das zwar rascher – doch «schnell entscheiden kann man immer, einfach zum Preis, dass es auch komplett falsch sein kann», betonte er.

Die Administration der Schweiz muss laut Bundeskanzler Walter Thurnherr noch in zahlreichen Bereichen über die Bücher.
Die Administration der Schweiz muss laut Bundeskanzler Walter Thurnherr noch in zahlreichen Bereichen über die Bücher.
Foto: Keystone

Arbeit rund um die Uhr

Das Gute am Kollegialsystem sei, dass man Geschäfte aus verschiedener Perspektive sorgfältig prüfe und diskutiere. Unter dem Zeitdruck sei dies bei den über 170 Corona-Geschäften «fast nicht möglich» gewesen, sagte er.

«Wir nahmen die Geschäfte bis Mitternacht entgegen, prüften und übersetzten sie, die Stäbe aller Departemente und der Bundeskanzlei schauten sich die Anträge an, schrieben Mitberichte und Stellungnahmen, und am anderen Morgen um 9 Uhr hat man entschieden», verriet der Bundeskanzler.

Normalerweise gebe es zudem nur eine Bundesratssitzung pro Woche. «Im März gab es eine Phase, in der wir in acht tagen fünf Sitzung hatten», sagte Thurnherr. «Für einige Bereiche der Bundesverwaltung bedeutete das ein 7-mal-24-Stunden-Betrieb», hob der Leiter der Bundeskanzlei gegenüber dem «Blick» hervor.

Genfer Autosalon verzichtet auf Darlehen vom Kanton

Die GIMS-Stiftung, wegen der Absage des diesjährigen Genfer Autosalons in der Corona-Pandemie finanziell geschwächt, will keine staatliche Finanzhilfe. Sie verzichtet auf ein von der Genfer Kantonsregierung in Aussicht gestelltes Darlehen .

Die Absage der Geneva International Motor Show (GIMS) hat der Stiftung einen Verlust von rund 11 Millionen Franken eingebrockt. Die Genfer Regierung hatte deshalb Anfang Mai vorgeschlagen, den Organisatoren des Autosalons ein Darlehen von 16,8 Millionen Franken zu gewähren. Ein entsprechender Gesetzesentwurf werde vorgelegt.

Für die Dauer des Darlehens solle die Stiftung ihren 7-Prozent-Anteil am Messekomplex Palexpo im Wert von ebenfalls 16,8 Millionen Franken als Pfand beim Kanton hinterlegen. Diese Bedingung will die Stiftung aber nicht akzeptieren, wie sie am Dienstag mitteilte. Dies würde ihren Statuten widersprechen.

Zum Genfer Autosalon waren im vergangenen Jahr 600'000 Besucher gekommen. Die wirtschaftliche Bedeutung für den Kanton Genf wird auf rund 200 Millionen Franken geschätzt.

Auch der traditionelle Autosalon von Genf wurde zum Opfer des Virus.
Auch der traditionelle Autosalon von Genf wurde zum Opfer des Virus.
(KEYSTONE/Salvatore di Nolfi/28. Februar 2020)
Unterschiedliche Konzepte für Gottesdienste

Die Landeskirchen haben ihre Schutzkonzepte im Hinblick auf die Wiederaufnahme der Gottesdienste am 28. Mai angepasst. Die Konzepte der katholischen und evangelischen Kirche unterscheiden sich vor allem beim Gesang und der Aufnahme der Kontaktdaten.

«Aufgrund der hohen Virenverbreitungsgefahr beim Singen muss vorerst auf das Singen verzichtet werden», heisst es in den Empfehlungen der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) an ihre Mitgliedkirchen und Kirchgemeinden. «Der Gemeindegesang wird reduziert», steht dazu in den am Dienstag veröffentlichten geänderten Bestimmungen des Rahmen-Schutzkonzeptes der Schweizer Bischofskonferenz (SBK).

Martin Rüsch, reformierter Pfarrer des Grossmünsters in Zürich, hat für die Gottesdienste eine spezielle Lösung gefunden, wie er am Montagabend in der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens SRF erklärte. Es gebe Vorsänger, die die Lieder singen. Die Gemeinde soll die Lieder nicht mitsingen, sondern lediglich mitsummen. So sei es trotzdem möglich, am Gemeindegesang teilzunehmen.

Kontakte aufnehmen – Kapazität begrenzen

Auch bei der Registrierung der Kirchgänger zeigen sich Unterschiede. Die Kontaktdaten der Teilnehmenden seien am Eingang zwingend aufzunehmen und 14 Tage lang aufzubewahren, so der eindeutige Passus im Konzept der EKS.

Keine explizite Bestimmung zu diesem Thema findet sich im Schutzkonzept der katholischen Kirche. Die SBK weist aber in der Einleitung zum Konzept darauf hin, dass eine Pflicht zur Nachverfolgung der Infektionskette nur dann gelte, wenn nicht genügend gewährleistet sei, dass die Distanzregeln eingehalten werden könnten.

Der Zugang zu den katholischen Gotteshäusern ist auf maximal ein Drittel der normalen Besucherkapazität begrenzt, um die Abstandsregeln einhalten zu können. Zudem bleiben die Weihwasserbecken bis auf weiteres leer. Es werden auch keine Kollektenkörbchen durch die Sitzreihen gereicht.

Ein Teil der Sitzbänke ist in der Pfarrkirche von Chiasso durch Absperrbänder geschlossen.
Ein Teil der Sitzbänke ist in der Pfarrkirche von Chiasso durch Absperrbänder geschlossen.
Foto: Davide Agosta/Keystone

Begräbnisse, Trauungen und Taufen

Ganz allgemein wieder erlaubt sind gemäss Beschluss des Bundesrates kirchliche Begräbnisfeiern. Bei den Katholiken sollen sie so einfach wie möglich gehalten werden. Die räumlichen Verhältnisse der jeweiligen Örtlichkeit sind laut SBK-Schutzkonzept massgebend für die Gesamtzahl der Teilnehmenden. Den Trauerfamilien wird vorgängig die Maximalzahl mitgeteilt.

Lässt sich die Einhaltung der Distanzregeln nicht gewährleisten, so hat die dafür verantwortliche Person nach vorgängiger Information der Trauergemeinschaft eine Präsenzliste der Teilnehmenden zu führen.

Die EKS empfiehlt, sogenannte Kasualien wie Trauungen oder Taufen nach Möglichkeit grundsätzlich zu verschieben. Hier kämen meist grössere Menschengruppen zusammen, die sich gut kennen und nach dem Gottesdienst zu einem Fest treffen. Dies erschwere die Einhaltung von Hygienemassnahmen und Distanzierung.

«Würdigendes Signal des Bundesrates»

Vieles wird aber in den beiden Landeskirchen auch gleich oder ähnlich gehandhabt: So sollen in den Kirchen pro sitzende Person vier Quadratmeter zur Verfügung stehen. Der notwendige Zwei-Meter-Abstand muss mit geeigneten Massnahmen wie der Sperrung jeder zweiten Sitzreihe, versetztem Sitzen in den Bänken oder der Entfernung von Stühlen gewährleisten werden. Bänke und Türfallen werden nach dem Gottesdienst gereinigt. Genutzt werden dürfen nur Räume, die gut durchlüftet werden können.

Dass die Gottesdienste nun früher als geplant wieder durchgeführt werden können, wertet die EKS als «würdigendes Signal des Bundesrates» gegenüber den Kirchen und Religionsgemeinschaften.

SwissCovid App kann während Pilotphase von allen genutzt werden

Während der Pilotphase der Schweizer Corona-Tracing App können auch Personen die App auf Androidgeräten herunterladen, die nicht an dem Pilotprojekt teilnehmen. Das teilte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit.

«Das war uns bewusst», hiess es. Und es beeinträchtige die Ziele der Pilotphase nicht. Die Pilot-Version der SwissCovid App für Android wird laut BAG den Pilot-Teilnehmenden über den Google Play Store zum Download bereitgestellt.

Das sei die Voraussetzung, um die Anonymität der Teilnehmenden sicherzustellen. Das bringe es mit sich, dass auch andere Interessierte diese App herunterladen und auf ihren Mobiltelefonen installieren könnten.

Die SwissCovid App des Bundes auf einem Smartphone.
Die SwissCovid App des Bundes auf einem Smartphone.
Foto: Laurent Gillieron/Keystone

Die Schweiz ist das erste Land weltweit, in dem die Gesundheitsbehörde eine Lösung präsentierte, welche die Schnittstelle von Google und Apple für das Proximity-Tracing nutzt. Mit der App ist keine Überwachung der Nutzer möglich. Die Pilotphase der App ist am Montag gestartet.

Lesen Sie auch dazu: Erster Eindruck der Schweizer Corona-App

Baselland hebt Notlage auf

Im Kanton Basel-Landschaft wird die wegen des Coronavirus angeordnete Notlage per 31. Mai aufgehoben. Zum gleichen Zeitpunkt hin beendet die Regierung zudem die Soforthilfe für die Baselbieter Wirtschaft.

Mit dem Rückgang der Neuinfektionen und nach verschiedenen Beschlüssen des Bundesrats zur Lockerung der Corona-Massnahmen seien die Voraussetzungen für eine Weiterführung der seit 15. März geltenden Notlage für den Kanton Basel-Landschaft nicht mehr gegeben, teilte die Baselbieter Regierung am Dienstag mit.

Zudem beendet die Regierung ebenfalls per Ende Mai das Massnahmenpaket zur Unterstützung der Baselbieter Wirtschaft. In einer weiteren Mitteilung begründet die Exekutive diesen Schritt damit, dass der Bundesrat die notrechtlich verordneten Massnahmen schrittweise wieder aufhebe; wichtige bundesrechtliche Anknüpfungspunkte der Corona-Notverordnung des Regierungsrates fielen deshalb weg.

Bisher 36 Millionen Soforthilfe bewilligt

Das Massnahmenpaket der Baselbieter Regierung umfasst nicht rückzahlbare Soforthilfen für Unternehmen und indirekt betroffene Selbstständige, Garantien für Überbrückungskredite von Banken und Beiträge für Lehrbetriebe. Bis heute seien 36 Millionen Franken an Soforthilfe für Baselbieter Unternehmen und 800'000 Franken für Lehrbetriebe bewilligt worden, heisst es im Communiqué weiter.

Gesuche für Soforthilfebeiträge müssen gemäss Mitteilung bis spätestens am 31. Mai bei der Standortförderung eingereicht werden. Unvollständig eingereichte Gesuche würden nicht mehr berücksichtigt. Bei den Unterstützungsbeiträgen an Lehrbetriebe erfolgt die letzte Zahlung für den Monat Mai im selben Monat.

Zudem wird ebenfalls per 31. Mai der kantonale Pandemieplan deaktiviert. Die Aufgaben des Kantonalen Krisenstabs werden in die ordentlichen Verwaltungsstrukturen überführt, wie die Regierung weiter mitteilte.

BAG meldet 15 Neuinfektionen

In der Schweiz und in Liechtenstein sind innerhalb eines Tages 15 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus gemeldet worden. Am Montag waren zehn Fälle gemeldet worden, am Sonntag elf und am Samstag 18.

Insgesamt gab es 30'761 laborbestätigte Fälle, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Dienstag mitteilte. Die Fallzahlen unterliegen einer wöchentlichen Schwankung mit tieferen Zahlen am Wochenende.

Das BAG gab die Zahl der Todesopfer im Zusammenhang mit Covid-19 mit 1648 an, eines mehr als am Vortag. Das Bundesamt bezieht sich auf die Meldungen, die die Laboratorien sowie Ärztinnen und Ärzte im Rahmen der Meldepflicht bis Dienstagmorgen übermittelt hatten. Die Zahl könne deshalb von den Zahlen der Kantone abweichen, schreibt das BAG.

Die Zahl der durchgeführten Tests auf SARS-CoV-2, den Erreger von Covid-19, belaufen sich bisher insgesamt auf 375'115. Bei 10 Prozent dieser Tests fiel das Resultat positiv aus. Auf 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner gab es 358 Ansteckungen.

Salathé: Lockerung der Abstandsregeln möglich

Epidemiologe Marcel Salathé spricht sich für eine Lockerung der Abstandsregeln ausserhalb geschlossener Räume aus. In einem Interview mit SRF sagt Salathé, der Abstand per se sei wichtig - nicht die konkrete Distanz. Zudem sei die Ansteckungsgefahr im Freien deutlich geringer. «Ich kann mir vorstellen, dass die Regel nun gelockert wird, auch in Anbetracht der tiefen Zahlen und dem schönen Wetter.»

Ganz abschaffen würde Salathé als Mitglied der Covid-19 Task Force des Bundes die Abstandsregeln aber nicht. «Gleich wieder in eine ‹Sardinen-Situation› zurückzukehren, das wäre nicht gut», sagt er im Interview.

Marcel Salathé ist Mitglied der Covid-19 Task Force des Bundes.
Marcel Salathé ist Mitglied der Covid-19 Task Force des Bundes.
Foto: Peter Schneider/Keystone

Magazin Surprise wieder auf der Strasse erhältlich

Nach knapp elf Wochen Verkaufsverbot nimmt das Strassenmagazin Surprise am Freitag den Verkauf in der ganzen Schweiz wieder auf. Der Verein hat ein Sicherheitskonzept erarbeitet, wie das Heft ohne Corona-Ansteckungsgefahr unter die Leute gebracht werden kann.

Die Vorbereitungen für den Verkaufsstart würden an den Vertriebsstandorten Zürich, Basel und Bern auf Hochtouren laufen, teilte der Verein am Dienstag mit. Die rund 450 Armutsbetroffenen, welche das Heft an einem dieser Vertriebsstandorte abholen und dann an über hundert Standorten verkaufen, erhalten alle ein Starterkit mit Masken, Desinfektionsmittel, Merkblättern und Handschuhen.

Der Verkauf wird bis auf weiteres kontaktlos ablaufen, allerdings immer noch mit Bargeld. Die Käuferinnen und Käufer legen das Bargeld in einen Kessel, aus dem sie auch das Heft herausnehmen. Die Kundschaft wird mit einem Schild darüber informiert.

Verein vor massiven Problemen

Der Verkaufsstopp stellte den Verein Surprise vor massive Probleme. Er finanziert sich zu 65 Prozent über den Heftverkauf, der Rest sind Spenden. Während des Corona-bedingten Verkaufsverbots hatte der Verein eine monatliche Einkommenslücke von 250'000 Franken.

Gleichzeitig habe er aber auch viele Spenden erhalten, schreibt der Verein weiter. Damit konnte er den Verkäuferinnen und Verkäufern einen Lohnausfall zahlen.

Die langfristigen Folgen der Corona-Massnahmen auf den Strassenverkauf sind für den Verein noch nicht abschätzbar. Das Verhalten der Kundinnen und Kunden in den kommenden Wochen und der weitere Verlauf der Pandemie werden entscheidend sein.

Im Tessiner Kantonsrat ging es teils hoch zu und her

Den ersten Sessionstag nach der Zwangspause hat der Tessiner Grosse Rat dem Thema Covid-19 gewidmet. In teils emotionalen Statements blickten Parlamentarier zurück auf die schwierigen Wochen des Südkantons und übten Kritik an der Regierung. Insbesondere die dritte Verlängerung des Notstands sorgte für Unbehagen.

Die Verlängerung des Notstands bis Ende Juni sei sinnvoll, erklärte Regierungspräsident Norman Gobbi zum Auftakt der Session «extra muros» im Luganeser Palazzo dei Congressi. Der zum dritten Mal verlängerte «stato di necessità» gebe dem Tessiner Krisenstab «Manövrierfreiheit».

Dank dem Notstand könne der kantonale Führungsstab die während der Krise geschaffene Infrastruktur aufrechterhalten und im schlechtesten Fall rasch reagieren, sagte Gobbi. Dies betrifft unter anderem die sechs ambulanten Untersuchungszentren in Locarno, Tre Valli, Mendrisio, Lugano, Agno und Giubiasco.

Bereits im Vorfeld der Session war die Verlängerung des Notstands kritisiert worden. Nachdem die Regierung den Notstand als erster Kanton der Schweiz am 11. März ausgerufen hatte, verlängerte er diesen Status drei Mal, und zwar am 27. März, 15. April und 13. Mai.

SVP fordert Beschränkung des Notstands

Insbesondere die dritte Verlängerung bescherte dem Tessiner Regierungsrat Kritik. Für Grünen-Sprecher Nicola Schoenenberger ist dieser Akt eine Art Misstrauensantrag der Regierung an die Tessiner Bevölkerung: «Non è certo un segnale di fiducia nella popolazione.» – «Das ist ganz bestimmt kein Zeichen des Vertrauens in die Bevölkerung.»

Die SVP-Fraktion geht einen Schritt weiter und fordert in einer Parlamentarischen Initiative die zeitliche Beschränkung des Notstands auf zwei Monate. Zudem verlangt sie, dass jede Verlängerung dieses Status' durch den Kantonsrat bewilligt werden müsse. Insgesamt standen an diesem Montagnachmittag 33 Motionen sowie unzählige Interpellationen auf dem Programm.

Emotionale Statements und Rückblicke

Doch die ersten Stunden zwischen 14 und 20 Uhr waren individuellen Statements von Ratsmitgliedern, Rückblicken und Debriefings gewidmet. Nach Regierungspräsident Gobbi sprachen auch die Regierungsräte Raffaele De Rosa, Manuele Bertoli und Christian Vitta, bevor sich Kantonsarzt Giorgio Merlani und Krisenstab-Leiter Matteo Cocchi zu den vergangenen Wochen und Monaten äusserten. Vitta appellierte an den Zusammenhalt der Bevölkerung, Merlani rief dazu auf, trotz Entspannung der Lage nicht in die alten Gewohnheiten «zurückzukippen».

Danach folgten zum Teil emotionale Voten der Fraktionssprecher. Sergio Morisoli von der SVP las den detaillierten Augenzeugenbericht eines Arztes vor, der das Sterben einer an Covid-19 erkrankten Frau begleitet hatte. Das Schlimmste an diesem Virus sei, dass die Menschen alleine sterben müssten, sagte ein sichtlich bewegter Morisoli. Auch andere Kantonsrätinnen und -räte äusserten ihr Mitgefühl gegenüber all jenen, die einen Menschen verloren hatten.

Dieses Bedürfnis vieler Ratsmitglieder, Rückschau zu halten, zeigte nicht zuletzt die Verfassung einer Bevölkerung, die in den vergangenen Wochen offensichtlich eine «andere» Krise erlebt hat als die Deutschschweiz.

Mehrheit der Bevölkerung plant Ferien in der Schweiz

Rund 83 Prozent der 1700 befragten Frauen und Männer aus allen Kantonen planen Ferien für dieses Jahr. Am beliebtesten sind aber nicht etwa Reisen ans Meer oder in eine pulsierende Metropole, sondern nach Graubünden oder ins Berner Oberland, teilte die Zürcher Agentur mindnow am Montag mit.

71 Prozent der Befragten repräsentative Online-Umfrage sind der Meinung, Ferien sollten in der Schweiz gebucht werden, um die heimische Tourismusbranche zu unterstützen. Die Bewohnerinnen und Bewohner der Grenzkantone Genf und Tessin sprachen sich mit je 95 Prozent besonders häufig für Ferien im eigenen Land aus. Der Kanton Schwyz landetet mit 58 Prozent auf dem letzten Platz.

Graubünden am beliebtesten

Die beliebtesten Ferienziele der Schweiz sind Graubünden (44 Prozent), das Berner Oberland (34,5 Prozent) und das Wallis (31 Prozent). Das Tessin belegt mit 30,5 Prozent den vierten Platz.

Attraktion bei Pontresina: Den Steinböcken sind die nahen Touristen völlig egal.
Attraktion bei Pontresina: Den Steinböcken sind die nahen Touristen völlig egal.
(Keystone/Gian Ehrenzeller/24. Mai 2019)

Insgesamt gaben 64 Prozent aller Befragten an, dass sie dieses Jahr mit dem Auto verreisen. 48 Prozent hätten aber kein Problem, bereits heute in ein Flugzeug zu steigen.

Der lange Lockdown zeigt auch bei der Feriengestaltung seine Auswirkungen. Am meisten sehnen sich die Schweizerinnen und Schweizer nach Wellness und Sportferien. 17 Prozent der Befragten möchten dieses Jahr Ferien auf dem Campingplatz machen. Noch sind Plätze aber geschlossen.

(red/sda/reuters)