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Bern herunterfahrenCorona-Starre für einen Monat

Der Regierungsrat greift im Kampf gegen das Virus durch: Grossveranstaltungen sind ab sofort verboten, Bars, Kinos, Museen und andere Einrichtungen müssen schliessen. Beizenschluss ist um 23 Uhr, die Maskenpflicht wird ausgeweitet.

Die Lage ist ernst: Pierre Alain Schnegg (rechts), Philippe Müller und Christoph Ammann im Rathaus, wo sie die Massnahmen erläutern.
Die Lage ist ernst: Pierre Alain Schnegg (rechts), Philippe Müller und Christoph Ammann im Rathaus, wo sie die Massnahmen erläutern.
Raphael Moser

Die drei Regierungsräte Pierre Alain Schnegg (SVP), Christoph Ammann (SP) und Philippe Müller (FDP) haben am Freitagabend die Corona-Situation als dramatisch bezeichnet und die Bernerinnen und Berner auf einen harten Monat eingeschworen. 802 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus seit dem Vortag, 153 Personen im Spital, 9 von ihnen auf künstliche Beatmung angewiesen: Die zweite Welle sei da, heftiger als erwartet, mit erschreckend hohen Werten. Die Lage sei sehr ernst.

Die Pandemie soll mit gezielten Massnahmen bekämpft werden, die vorläufig auf vier Wochen angesetzt sind. Die Eingriffe sind sehr einschneidend, auch wenn – im Gegensatz zum Frühling – Schulen, Läden und Restaurants offen bleiben.

Die Massnahmen, die grösstenteils am Freitag um 24 Uhr in Kraft treten, im Einzelnen:

Der Vorhang fällt

Öffentliche Einrichtungen werden geschlossen. Unter anderem: Bars, Clubs, Diskotheken, Tanzlokale, Museen, Theater, Konzertsäle, Erotikbetriebe, Sport- und Fitnessbetriebe, Schwimmbäder und Wellnesscenter. Kirchen bleiben geöffnet – es gilt aber die Obergrenze von 15 Personen.

Sperrstunde um 23 Uhr

Restaurants bleiben offen. Die Besucherzahl wird aber beschränkt auf maximal 100 gleichzeitig anwesende Gäste. Es dürfen ab Montag nur noch Gästegruppen von maximal vier Personen an einem Tisch Platz nehmen. Grössere Gruppen sind erlaubt, wenn es sich um Personen handelt, die im gleichen Haushalt leben. Restaurants müssen zwischen 23 und 6 Uhr geschlossen bleiben. Vorhandene Überzeitbewilligungen sind ungültig.

Kein Teamsport mehr und Geisterspiele

Ausser in den beiden obersten Ligen von fünf Sportarten – Fussball, Eishockey, Handball, Volleyball und Unihockey – werden sportliche Tätigkeiten massiv eingeschränkt. Ausserdem dürfen die Profispiele nicht mehr vor Publikum ausgetragen werden. Trainings und Wettkämpfe in anderen Mannschaftssportarten sind verboten, ebenso wie Sportarten, die zu engem Körperkontakt führen wie Schwingen, Judo oder Karate. Für Profis gilt das Verbot auch hier nicht.

Kein Weihnachtsessen

Veranstaltungen mit mehr als 15 Personen sind verboten, dies gilt auch für Privat- und Geschäftsanlässe wie Weihnachtsessen. Ausnahme: Gemeindeversammlungen, Parlamentssitzungen, Trauerfeiern. Schutzkonzepte sind erforderlich. Bereits gebuchte Anlässe an diesem Wochenende – wie zum Beispiel Hochzeiten – dürfen noch durchgeführt werden.

Märit ohne Ausschank

Märkte sollen weiterhin stattfinden können. Das gilt für die regelmässig stattfindenden Wochenmärkte, wo in der Regel bäuerliche Produkte verkauft werden. Es gilt aber auch für saisonale wie Advents- und Weihnachtsmärkte. Allerdings dürfen an diesen Märkten keine Getränke und Speisen zur Konsumation vor Ort angeboten werden.

Aus für Messen

Verboten sind auch Messen und Gewerbeausstellungen. Direkt davon betroffen ist der Caravan-Salon, der am Donnerstag in Bern begann und noch bis am Montag hätte dauern sollen. Er muss abgebrochen werden. Der Umstand, dass der Salon mit mehreren Tausend Besuchern durchgeführt werden durfte, Fussballspiele vor mehr als 1000 Zuschauern aber verboten waren, hatte vielerorts Unverständnis ausgelöst. Der Grund lag darin, dass eine Messe nicht als Veranstaltung gilt.

Masken draussen

Masken im Aussenbereich: Masken müssen neu nicht nur in öffentlich zugänglichen Innenräumen getragen werden, sondern auch in Laubengängen sowie in überdachten Bereichen vor öffentlichen Gebäuden.

Masken am Arbeitsplatz

Der Regierungsrat schreibt es nicht vor, aber er empfiehlt, auch an Arbeitsplätzen in Innenräumen Masken zu tragen, ausser jemand befinde sich allein in einem Raum.

Bergbahnen

Für Bergbahnen gelten keine neuen Regeln. Sie unterliegen den Bestimmungen für den öffentlichen Verkehr.

Hohe Erwartungen

Die drei Regierungsräte baten die Einwohnerinnen und Einwohner des Kantons Bern eindringlich, die Beschlüsse mitzutragen. Der Regierungsrat sei überzeugt, dass die «drastischen» Schritte nötig seien, um noch härtere Massnahmen verhindern zu können. Die Einschnitte zum jetzigen Zeitpunkt seien die bessere Option als ein zweiter Lockdown, der für die Wirtschaft äusserst schädlich wäre. Priorität habe der Schutz der Bevölkerung. Der Regierungsrat hoffe, mit den vorläufig befristeten Massnahmen die Ansteckungszahlen deutlich vermindern zu können.

Runder Tisch für Proficlubs

Bereits vor einer Woche war der Kanton Bern vorgeprescht und hatte Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauerinnen und Zuschauern verboten. Regierungspräsident Pierre Alain Schnegg zeigte Verständnis für den dadurch aufgekommenen Unmut bei den sechs grossen Profi-Sportclubs. Zumal sie überzeugende Schutzkonzepte vorgelegt hätten. Der Regierungsrat will einen runden Tisch einrichten, um das gegenseitige Verständnis zu fördern. Er hofft, der Unmut könne dadurch etwas gedämpft werden. Schnegg sagte aber auch, es sei vor einer Woche der richtige Entscheid gewesen. Schon damals hätten auch in der übrigen Schweiz weiter gehende Massnahmen beschlossen werden sollen.

Helpline übers Wochenende

Die Verordung zu den neuen Massnahmen und erklärende Papiere finden sich auf der Website des Kantons Bern. Wegen der neuen Vorschriften ist auch die Helpline übers Wochenende in Betrieb (0800 634 634, Samstag und Sonntag, jeweils von 10 bis 16.30 Uhr).

18 Kommentare
    Hans-Ulrich (Uelu) Hauser

    Monatelang nichts tun und wenn es brennt hunderte von Arbeitsplätzen gefährden. Diese Regierung ist unglaubwürdig.