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Entgegen aller PrognosenCorona-Regionen haben mit überwältigender Mehrheit für Trump gestimmt

Bezirke, die besonders stark vom Virus betroffen sind, gingen fast alle an den Amtsinhaber. Welche Erklärungen es dafür gibt.

Zieht sich nach überstandener Covid-19-Erkrankung die Maske vom Gesicht: US-Präsident Donald Trump.
Zieht sich nach überstandener Covid-19-Erkrankung die Maske vom Gesicht: US-Präsident Donald Trump.
Foto: Reuters

«Ein Wahlkampf-Geschenk für die Demokraten», hiess es im September, als rauskam, dass Donald Trump das Volk belogen hatte: Obwohl der US-Präsident genau über das Coronavirus Bescheid wusste, spielte er dessen Gefährlichkeit lange öffentlich herunter. Politbeobachter rechneten mit negativen Auswirkungen für den Republikaner bei der anstehenden Wahl.

Doch jetzt zeigt sich, dass diese Prognosen nicht eingetroffen sind – im Gegenteil: Eine Analyse der US-Nachrichtenagentur AP hat ergeben, dass Trump ausgerechnet dort viele Stimmen holte, wo das Virus besonders stark grassiert. Von den 376 Bezirken mit der höchsten Zahl an Neuansteckungen pro Einwohner gingen 93 Prozent an ihn.

Zu einer ähnlichen Erkenntnis kommt Bloomberg, das 2700 Bezirke genauer analysiert hat: In jenen mit der höchsten Covid-19-Todesrate pro Einwohner hat Trumps Gewinnmarge gegenüber der Wahl vor vier Jahren sogar noch einmal zugenommen.

Viele dieser Bezirke liegen in ländlichen Gegenden von Montana, North und South Dakota, Nebraska, Kansas, Iowa und Wisconsin. Dort stellen die Behörden fest, dass das Abstandhalten, das Tragen von Masken und andere Schutzmassnahmen oft nicht gut eingehalten werden.

Warum das so ist, zeigt eine Umfrage von AP. Demnach glauben 38 Prozent aller Trump-Wähler, die Corona-Pandemie sei komplett oder grösstenteils unter Kontrolle. Weitere 47 Prozent sagten, die Pandemie sei teilweise unter Kontrolle. In traditionell republikanisch dominierten Bundesstaaten wie Alabama, Missouri, Mississippi, Kentucky, Texas, Tennessee und South Carolina ist sogar eine Mehrheit der Wähler dieser Meinung.

Viele Trump-Wähler sagten, dass sie die individuelle Freiheit höher gewichteten als die Eindämmung des Virus und dass der Präsident diesbezüglich einen guten Job mache. Etwa die Hälfte bezeichnete die Wirtschaft als wichtigstes Thema des Landes, nicht die Corona-Pandemie.

Ganz anders die Biden-Wähler: 82 Prozent glauben, dass man die Lage überhaupt nicht im Griff hat. Und die Zahlen geben ihnen recht: Nachdem die Neuansteckungen in den USA im August abgeflacht waren, steigen sie nun wieder rasant an – und das Virus wütet so stark wie bislang noch nie.

74 Kommentare
    Marcus Vir

    Huhn oder Ei? Wer Trump wählt hat eine deutlich höhere Neigung sich bzgl. Covid Vorsorge unvernünftig zu verhalten.

    Nicht wirklich erstaunlich, das Resultat. Wahlen werden zu einem verschwindend geringen Anteil davon beeinflusst, welches Programm der Kandidat konkret fährt.