Coop macht an Heiligabend nach Kritik nun doch früher zu

Eigentlich sollten einige Filialen in Zürcher Quartieren am 24. Dezember bis 20 Uhr offen bleiben. Mitarbeiter und Kunden beschwerten sich – jetzt hat der Detaillist reagiert.

Das Coop-Personal, welches nicht in Filialen in der Nähe von Bahnhöfen oder vom Flughafen arbeitet, kann Heiligabend nun doch bei der Familie vor dem Tannenbaum verbringen. (Symbol)

Das Coop-Personal, welches nicht in Filialen in der Nähe von Bahnhöfen oder vom Flughafen arbeitet, kann Heiligabend nun doch bei der Familie vor dem Tannenbaum verbringen. (Symbol)

(Bild: Keystone /Manuel Lopez)

Als bekannt wurde, dass einige Coop-Filialen in Zürcher Quartieren an Heiligabend bis 20 Uhr offen bleiben sollen, kam es sowohl bei Konsumenten als auch Verkäufern zu einem Aufschrei.

Die zuständige Verkaufsregion plante in über zehn Coop-Filialen in der Stadt Zürich einen Abendverkauf, so in Quartieren wie Wiedikon, im Sihlfeld oder an der Langstrasse. Jetzt krebst der Schweizer Detaillist wegen heftiger Kundenreaktionen zurück.

Das Unternehmen schiebt die Schuld auf die regionale Verwaltung. Laut einem Coop-Sprecher plante die Zürcher Verkaufsregion die längeren Öffnungszeiten auf eigene Faust: «Der Entscheid, länger offen zu haben, wurde nicht mit dem Hauptsitz in Basel abgesprochen. Darüber waren wir nicht erfreut», sagt der Sprecher zu 20 Minuten. In Basel habe man erst aus den Medien davon erfahren. «Wir verstehen den Ärger unserer Kunden und unserer Mitarbeitenden voll und ganz», so der Sprecher.

Darum pfeift der Hauptsitz die Region zurück: Die Zürcher seien angewiesen, dass alle Coop-Verkaufsstellen an Heiligabend zwischen 16 und 18 Uhr geschlossen werden. Die Ausnahme bilden Filialen, die in der Nähe von Bahnhöfen oder vom Flughafen sind. Dort sei der Normalfall im Schweizer Detailhandel, dass die Geschäfte an Heiligabend bis 20 Uhr offen sind, sagt der Coop-Sprecher.

Coop findet Personal für Abendverkauf

An Feiertagen würden Geschäftsführende die Wünsche des Personals so weit wie möglich berücksichtigen. «Wir möchten, dass unsere Mitarbeitenden an Heiligabend frühzeitig bei ihren Familien sein und das Weihnachtsfest feiern und geniessen können», sagt der Sprecher.

Kunden, die am Abend des 24. Dezember noch letzte Besorgungen machen wollen, könnten auf die Verkaufsstellen an Bahnhöfen oder am Flughafen ausweichen. Personal für den Abendverkauf in diesen Läden zu finden, habe in den letzten Jahren immer gut geklappt.

Salamitaktik

Lorenz Keller, Co-Geschäftsleiter der Unia Zürich-Schaffhausen, freut sich zwar für die Coop-Angestellten, die an Heiligabend nun doch etwas früher heimkommen. «Daraus abzuleiten, dass Coop sein Vorgehen überdenkt, ist aber vorschnell», sagt Keller zu 20 Minuten.

Die Gewerkschaft wirft den Schweizer Detailhändlern seit längerem eine Salamitaktik vor: «Die Öffnungszeiten werden Schritt für Schritt ausgedehnt, so weit es geht. Als letztes Jahr der 24. Dezember auf einen Sonntag fiel, wurden sogar Sonntagsverkäufe durchgeführt», so Keller. Dass Coop die Zürcher Verwaltung zurückpfeift, sei womöglich ein Schritt nach vorn, auf den dann bald drei nach hinten folgen könnten.

Heiligabend ist wichtig für die Bilanz

Lange Ladenöffnungszeiten am 24. Dezember können eine enorme Auswirkung auf die Bilanz der Händler haben: Letztes Jahr öffnete das umsatzmässig grösste Schweizer Einkaufszentrum Glatt in Wallisellen ZH seine Türen am 24. Dezember, obwohl Sonntag war. «Noch nie haben so viele Menschen in unseren Geschäften so viele Produkte gekauft und Dienstleistungen bezogen wie an jenem Wochenende», heisst es im Geschäftsbericht.

Obwohl der Heiligabend ein lukrativer Verkaufstag ist, kündigte Coop-Konkurrent Lidl kürzlich an, dass alle Schweizer Filialen des deutschen Detaillisten am 24. Dezember schon um 16 Uhr schliessen werden. «Den Mitarbeitenden zuliebe», sagt eine Sprecherin des Unternehmens. Auch bei der Migros ist an Heiligabend um 16 Uhr Schluss. Ähnlich wie bei Coop macht der Händler aber eine Ausnahme an grossen Bahnhöfen und am Flughafen, wo es später werden kann.

Übernommen von 20min.ch, bearbeitet von DerBund.ch/Newsnet.

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