Es ist wie verhext

Der SC Bern zeigt gegen den HC Davos eine starke Leistung, doch am Ende jubeln die Büdner. Das 3:4 nach Penaltyschiessen ist gleichbedeutend mit der zehnten Niederlage in den letzten elf Pflichtspielen.

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Adrian Ruch

Die Protagonisten haben soeben das Eis, viele Besucher schon die Postfinance-Arena verlassen, als das Lied «Gewinnen kann jeder» von den Nordend Antistars erklingt. Eine Textzeile lautet: «Wir werden es überleben.» Das passt ganz gut zur Situation des Schweizer Meisters, der eben nicht mehr gewinnen kann.

Was will man den Spielern des SC Bern vorwerfen? Sie kämpfen verbissen, stecken Rückschlag um Rückschlag weg, dominieren den HC Davos über weite Strecken (40:23 Torschüsse) und stehen am Ende doch als Verlierer da.

Nachdem die Bündner am Dienstag daheim im Cup 4:3 nach Verlängerung gewonnen haben, reüssieren sie auswärts mit dem gleichen Ergebnis, nur das die Entscheidung diesmal im Penaltyschiessen gefallen ist.

Mursaks Grosschance

Wettbewerbsübergreifend hatte der SCB vor dem gestrigen Match neun der zehn letzten Partien verloren. Und unabhängig vom neuen Goalie lief es für die Mutzen vorerst wie gehabt. Sie kamen motiviert aus der Garderobe und schon in der 2. Minute durch Jan Mursak zu einer hochkarätigen Chance.

Der Slowene traf die das Tor nicht und verlor kurz darauf, allerdings nach einem ungenauen Pass Eric Blums, an der eigenen blauen Linie die Scheibe, worauf der Schwede Mattias Tedenby, der beste HCD-Torschütze, allein auf Tomi Karhunen losziehen konnte – 0:1. Es ist wie verhext.

Viel zu oft bringt sich das Team Kari Jalonens derzeit um den Lohn für seine Bemühungen. Am Einsatz fehlte es auch gegen die Bündner nicht. Im ersten Drittel spielte der SCB über weite Strecken sogar ausgezeichnet.

Als zum ersten Mal die Seiten gewechselt wurden, lautete aus Sicht die Torschussstatistik 13:4, das Zwischenresultat aber 1:2. Gregory Sciaroni hatte seinen ersten Treffer in der laufenden Meisterschaft erzielt, Felicien Du Bois, die Gäste zum zweiten Mal in Führung gebracht.

Im Mitteldrittel glich Ramon Untersander im Powerplay mit einem herrlichen Hocheckschuss aus. Und nach der zweiten Pause hatten die SCB-Anhänger den Torschrei schon auf den Lippen, doch Sandro Aeschlimann verhinderte das 3:2 durch Calle Andersson mit einer Glanzparade.

Tedenby bedankte sich beim HCD-Keeper mit einer Umarmung. Und kurz darauf lagen sich mehrere Bündner in den Armen, weil Aaron Palushaj den Führungstreffer erzielt hatte. Es war aus Berner Perspektive ein Tor der ganz bitteren Sorte. Es ist wie verhext.

Mursaks Pfostenschuss

Immerhin: Die Mutzen bewiesen Moral, glichen durch Simon Moser noch aus. Und der Captain hatte auch in der Verlängerung zuerst eine Grosschance. Kurz darauf traf er einen Gegenspieler unglücklich am Kopf, worauf der SCB die letzten 110 Sekunden in Unterzahl agieren musste.

Mit vereinten Kräften und etwas Glück retteten sich die Mutzen ins Penaltyschiessen. Und da hatten drei Davoser sowie Vincent Praplan und Mark Arcobello getroffen, als Jan Mursak den Pfosten traf. Tedenby, der den Anfang gemacht hatte, beendete dann das Spektakel kaltblütig. Es ist wie verhext.

Der SCB steckt tiefer im Schlamassel denn je. Nach der heutigen Partie in Genf ist das halbe Programm absolviert – und der Meister unter Umständen Tabellenletzter.

Telegramme:

Bern - Davos 3:4 (1:2, 1:0, 1:1, 0:0) n.P.
16'178 Zuschauer. - SR Stricker/Urban, Obwegeser/Altmann.
Tore: 5. Tedenby (Corvi) 0:1. 11. Sciaroni (Heim) 1:1. 19. Du Bois (Jung, Baumgartner) 1:2. 38. Untersander (Ebbett, Arcobello/Ausschluss Lindgren) 2:2. 44. Palushaj 2:3. 56. Moser (Ausschluss Tedenby) 3:3.
Penaltyschiessen: Ambühl 0:1, Praplan 1:1; Palushaj 1:2, Untersander -; Corvi -, Arcobello 2:2; Baumgartner 2:3, Mursak -; Tedenby 2:4.
Strafen: 4mal 2 Minuten gegen Bern, 6mal 2 Minuten gegen Davos.
PostFinance-Topskorer: Arcobello; Lindgren.
Bern: Karhunen; Andersson, Beat Gerber; Untersander, Henauer; Burren, Blum; Colin Gerber; Sciaroni, Heim, Scherwey; Praplan, Mursak, Ebbett; Rüfenacht, Arcobello, Moser; Spiller, Berger, Kämpf; Jeremi Berger.
Davos: Aeschlimann; Du Bois, Jung; Nygren, Paschoud; Stoop, Guerra; Kienzle; Herzog, Bader, Ambühl; Hischier, Corvi, Tedenby; Palushaj, Lindgren, Baumgartner; Frehner, Aeschlimann, Dino Wieser.
Bemerkungen: Bern ohne Krueger, Grassi, Bieber und Pestoni (alle verletzt), McDonald (überzähliger Ausländer), Davos ohne Rantakari (überzähliger Ausländer) sowie Marc Wieser (krank). - Pfosten: 15. Blum. - Latte: 44. Nygren, 65. Baumgartner. - 53. Timeout Davos.

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