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Eingesperrt im hohen Alter?

Die Domicil-Altersheime haben mit drastischen Massnahmen auf das Coronavirus reagiert. Haben sie überreagiert?

Das Domicil im Berner Breitenrain: Führt das Coronavirus dazu, dass solche Heime zu Hochsicherheitsgebäuden werden? Foto: Manu Friederich
Das Domicil im Berner Breitenrain: Führt das Coronavirus dazu, dass solche Heime zu Hochsicherheitsgebäuden werden? Foto: Manu Friederich

Haben es die Verantwortlichen der Domicil-Altersheime zu gut gemeint? Die Gruppe, die im Raum Bern 23 Alterszentren mit 1650Bewohnern betreibt, hat angesichts der Bedrohung durch das Coronavirus einen drastischen Schritt verkündet: Bis «mindestens am 31. März» soll eine Besuchersperre gelten, selbst für enge Angehörige. Besuche seien nur noch in «absoluten Ausnahmefällen» möglich. Weiter werden sämtliche öffentlichen Anlässe wie Tage der offenen Tür abgesagt. Diese Massnahmen, über welche die «Berner Zeitung» berichtete, sind von Domicil am Dienstag zunächst bestätigt worden.

Im Laufe des Tages schien die grösste Altersheimgruppe im Kanton Bern ihre Beschlüsse dann aber etwas zu relativieren. So gelten die Massnahmen jetzt bloss noch «bis auf weiteres». Der Eintrag auf der Homepage ist bereits angepasst worden. Zudem wird die Situation nun «laufend überprüft und dem aktuellen Stand der Erkenntnisse angepasst». Von einer einmonatigen Dauer der Besuchersperre ist nicht mehr die Rede.

Sicherheit über allem

Ist die Domicil-Führung zurückgerudert? «Nein, überhaupt nicht», sagt Esther Flückiger, Direktorin Marketing und Kommunikation, auf Anfrage. Die Formulierung sei deshalb angepasst worden, weil man die Situation, die sich laufend ändern könne, täglich neu beurteile.

Den Domicil-Verantwortlichen sei durchaus bewusst, sagt Flückiger, dass die beschlossenen Einschränkungen für Besuche für niemanden einfach hinzunehmen seien. Die Sicherheit sei in diesem speziellen Fall aber besonders hoch gewichtet worden. Den Verantwortlichen sei zudem bewusst, dass andere Institutionen weniger einschneidende Massnahmen ergriffen hätten. Angesichts der langen Inkubationszeit beim Coronavirus könne mit einem generellen Besuchsverbot die Sicherheit aber merklich erhöht werden.

Die Massnahmen bei den Domicil-Einrichtungen gehen weiter als die Empfehlungen der Gesundheitsbehörden. Die Kantonsärztin lässt auf Anfrage Folgendes ausrichten. «Wir geben die Empfehlung ab, dass die Institutionen nur Besuche zulassen von Menschen, die keine Grippesymptome haben und nicht in von Covid-19 betroffenen Regionen waren.» Die Kantonsärztin orientiert sich dabei an den Weisungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Ein komplettes Besuchsverbot sei gemäss BAG nicht notwendig. Wichtiger sei, dass die Heime in der Lage seien, die Empfehlungen des BAG umzusetzen. Im Kanton Bern gebe es verschiedene Heime, welche die Besuche einschränken, «nicht jedoch in diesem Ausmass» wie bei den Domicil-Heimen.

Hohes Risiko für alte Menschen

Bei Domicil werden die «ganz besonderen Vorsichtsmassnahmen» als «durchaus angemessen» beurteilt. Die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten habe zugenommen; damit sei auch die Gefahr von Ansteckungen grösser geworden. Vor allem: DieBewohner gehörten alle zur Hochrisikogruppe. Man nehme die Verantwortung ihnen gegenüber ernst. In der Tat: Für betagte Menschen stellt eine Ansteckung mit dem Coronavirus ein viel höheres Risiko dar als für jüngere Leute.

Es ist nun an den einzelnen Zentren von Domicil, Bewohner und Angehörige zu informieren. In schwierigen Situationen, etwa bei Sterbenden, werde man die Einschränkung mit den Angehörigen «differenziert und individuell» betrachten.

Geändert hat sich die Situation auch für die Angestellten: Für sie gelten verschärfte Hygienemassnahmen, wie sie am Montag vom BAG empfohlen wurden. Ausserdem sollen die Mitarbeitenden Massenanlässe meiden und auf Reisen in Risikogebiete verzichten.

Den Mittelweg suchen

Wie begegnen andere Altersheime der Bedrohung durch das Coronavirus? «Wir nehmen die Angelegenheit sehr ernst», sagt Patric Bhend, Geschäftsführer der Stiftung Solina, die im Berner Oberland zwei Pflegeheime mit insgesamt 330 Plätzen betreibt. Auf ein generelles Besuchsverbot werde aber bewusst verzichtet. «Soziale Kontakte sind für betagte Menschen sehr wichtig», sagt Bhend, «gerade in der letzten Lebensphase.» Darum gelte es einen Mittelweg zu finden zwischen hohem Schutz und sozialen Bedürfnissen.

In den Solina-Einrichtungen in Spiez und Steffisburg hält man sich primär an die BAG-Weisungen. Weiter achtet man laut Bhend darauf, grössere Durchmischungen von Besuchern und Bewohnern zu vermeiden. So ist ein Konzert abgesagt worden, obschon es eigentlich hätte durchgeführt werden dürfen. Aber auch private Besuche sind nicht ohne Einschränkungen möglich. Wer beispielsweise in einem Risikoland war oder Kontakt mit Leuten hatte, die dort waren, und Krankheitssymptome aufweise, dürfe die Solina-Häuser nicht betreten.

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