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Chinesische PropagandaChina verhöhnt die Trump-Regierung – mit Legofiguren

Peking macht sich mit einem Video über die USA lustig. Damit landen die Beziehungen zwischen den Grossmächten auf einem historischen Tiefpunkt.

«Es ist nur eine Grippe»: Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua witzelt über die amerikanische Regierung.  
Foto: Screenshot Xinhua

Zwischen den USA und China findet längst ein Propagandakrieg um die Frage statt, wer für die weltweite Corona-Krise verantwortlich ist. Das chinesische Regime hat bislang mit einer Mischung aus Goodwill-Aktionen, etwa dem Exportieren von Schutzmasken, sowie Zensur und Vertuschung operiert. Jetzt hat Peking eine neue Taktik in sein Propaganda-Arsenal aufgenommen: Humor. Allerdings eine sehr bösartige Version davon. Im Video «Once upon a virus», das die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua online gestellt hat, wird die amerikanische Regierung verhöhnt und deren Reaktion auf die Corona-Krise lächerlich gemacht.

Zur Musik des Ragtime-Klassikers «The Entertainer» treten zwei Lego-artige Figuren auf, welche die jeweilige Grossmacht darstellen. Auf der einen Seite ein chinesischer Terracotta-Krieger. Auf der anderen Seite die amerikanische Freiheitsstatue, die neben der Fackel ein Handy in der Hand hält. «Wir haben ein neues Virus entdeckt», sagt die chinesische Figur. «Na und? Das ist doch nur eine Grippe», erwidert die amerikanische mit einer quietschigen Stimme. Der Krieger erklärt stolz, wie sich China mit Ausgangsbeschränkungen und neuen Spitälern gegen das Virus wehrt. Die Lego-Freiheitsstatue bezeichnet dies als «barbarisch» und als «Prahlerei».

«Das Virus wird im April auf eine magische Art und Weise verschwinden», sagt die Figur noch – um danach die Schuld bei China zu suchen. Das Land habe nicht früh genug gewarnt und Beweise geheimgehalten. Danach läuft der Kopf der amerikanischen Figur rot an, ihr muss eine Infusion verabreicht werden. «Wir liegen immer im Recht, auch wenn wir uns selbst widersprechen», sagt die Freiheitsstatue. «Das ist es, was ich an euch Amerikanern liebe, eure Beständigkeit», sagt die chinesische Figur abschliessend.

Moderne Propaganda fürs internationale Publikum

Xinhua hat das Video am 29. April publiziert. Seither wurde es millionenfach auf Youtube, Twitter, Facebook und Instagram angeklickt. Das birgt eine gewisse Absurdität, sind doch diese sozialen Netzwerke innerhalb Chinas vom Regime geblockt. Zum einen umgehen viele, vor allem junge, Chinesen die Sperrung mit VPN-Programmen, zum anderen ist das zweiminütige Filmchen englischsprachig, richtet sich also vor allem an ein internationales Publikum. Das Video erzählt die Corona-Pandemie aus Sicht der kommunistischen Partei. Verschwiegen wird entsprechend, dass China Ärzte, die frühzeitig warnten, unterdrückt hat oder dass Xi Jinping entscheidende Tage verstreichen liess, bevor er Massnahmen ergriff.

Das Video erscheint zu einem Zeitpunkt, in dem sich die Beziehungen zwischen den USA und China auf einem historischen Tiefpunkt befinden. Gestritten wird unter anderem um den Beginn der Corona-Epidemie. Zuletzt hat US-Aussenminister Mike Pompeo erneut die Theorie befeuert, nach der das Virus aus einem Hochsicherheitslabor in Wuhan freigesetzt worden sein könnte. «Es gibt enorme Belege, dass das der Ort ist, an dem es begonnen hat», sagte er. Auch der amerikanische Präsident Donald Trump sprach von einem «sehr fürchterlichen Fehler», den China begangen habe.

Weder Pompeo noch Trump belegten ihre Aussagen jedoch mit Dokumenten oder anderen Beweisen. Die Berner Biosicherheitsexpertin Kathrin Summermatter hält die Theorie der US-Regierung für «sehr unwahrscheinlich». «Für mich sieht das alles nach einer bewusst gesteuerten Veröffentlichung aus, um von den eigenen Problemen abzulenken», so Summermatter.

Während die Labor-These zumindest nicht ausgeschlossen werden kann, hat das chinesische Regime teilweise reine Fantasiebehauptungen veröffentlicht. Zhao Lijian, ein Sprecher des Aussenministeriums, sagte im März, es sei möglich, dass das Virus von der US-Armee nach Wuhan gekommen sei.