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Kommentar zur Kontrolle von TiktokChina hat sein Netz längst abgetrennt

Wenn Tiktok in den USA verboten wird, ist das Netz stärker zweigeteilt denn je.

Tiktok ist vor allem unter jungen Menschen beliebt – und weltweit enorm erfolgreich.
Tiktok ist vor allem unter jungen Menschen beliebt – und weltweit enorm erfolgreich.
Foto: Danish Siddiqui (Reuters)

US-Präsident Donald Trump sagt: Die populäre Video-App Tiktok wird vom chinesischen Staat kontrolliert. Das Unternehmen selbst sagt: Wir sind längst eine amerikanische Firma. Und die chinesische Regierung? Sie beschwert sich, dass einem Konzern aus China in den Vereinigten Staaten Steine in den Weg gelegt werden, und deutet Vergeltung an. Dümmlicher kann man kaum argumentieren, wenn man eigentlich belegen möchte, dass Tiktok ein vom Staat unabhängiges Unternehmen ist. Zudem ist die Gesetzeslage dort eindeutig: Firmen sind per Gesetz unter gewissen Umständen im Ausland gezwungen, die staatlichen Behörden in China zu unterstützen.

In der Volksrepublik hat sich gerade wegen der Zensur ein ganz eigenes Internet herausgebildet.

Aber es geht noch absurder. In den chinesischen Staatsmedien wird der Regierung in Washington lautstark vorgeworfen, zu zensieren – ausgerechnet. Die Wahrheit ist: In der Volksrepublik hat sich gerade wegen der Zensur ein ganz eigenes Internet herausgebildet. Statt zu googeln, suchen Chinesen mit Baidu. Weil Facebook verboten ist, tauschen sie sich per Wechat mit ihren Freunden aus. Und der vom US-Präsidenten so geschätzte Kurznachrichtendienst Twitter ist ebenfalls gesperrt, die vom Staat überwachte Alternative heisst Weibo.

Tiktok war die erste App chinesischen Ursprungs, die sich anschickte, jenseits der grossen Firewall das Internet zu erobern. Damit könnte es wohl bald vorbei sein. Das Netz wäre dann stärker zweigeteilt denn je: China hier, der Rest der Welt dort.