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Kolumne übers Radiohören während CoronaChaosprinzip

Wenn die «Mundart»-Kolumnistin ans Jahr 2021 denkt, kommt sie ins Grübeln. Und nicht nur, weil seit der Pandemie in der Schweiz mehr Butter und Eier gebraucht werden.

I lose Radio u schrybe glychzytig drzue. Mau luege, was usechunnt. Vom Schriftleche erwartet me ja, dass es düredänkt syg; nid öppe «eifach numen» e Jam wien im Jazz. Klar, s liggt vilecht ir Natur vor Sach, dass me vom gschrybne Wort meh Beschtang erwartet. Aber im Momänt het mänggs nid so viu Beschtang. Drum isch o hie ehnder es Chrüsimüsi z erwarte, wie vor Wäut o. Mau luege, wie sech das afüehlt. I glouben a ds Chaosprinzip. Nid aues het e Sinn u Grund. Viles passiert eifach so.

Nid aues het e Sinn u Grund. Vieles passiert eifach so.

Z Italie schtyge d Coronazahle. D Lüt syge im Summer z locker am Strand ungerwägs gsi, heissts im Radio. Ja, s isch nüt mit locker im Momänt. Drum blyben on ig viu deheime u lose Radio, zum doch no mit dr Wäut z tüe z ha. Ha sowieso weni Luscht use z gah. Auso i Waud scho, das chönnti geng, nid erscht syt disem Jahr. Letscht Sunntig het me zwar uf de Waudwäge fasch müessen aaschtah. E Massenuflouf. Krethi und Plethi. Vili Lüt chöme itz uf d Idee, i Waud z gah. Dasch super! Wo sy sie vorhär gsi, was hei sie vorhär aube gmacht am Wuchenänd?

Me müesst itz dr Waudbeschtang chräftig ufforschte. Chuum isch d Wäut, wo mir säuber kreiert hei, nümm so toll, sueche mir ds Naturerläbnis. S tuet mir leid für d Hotel, d Reschtorant und so wyter. Natürlech o für die Kulturschaffende. I tue mir quasi säuber leid. E Bruefskolleg het mir grad gschrybe: «Zu den Absagen kommen noch keine Anfragen hinzu.» Ja, so isches.

Wen ig a ds Jahr 2021 dänke, chummen i langsam is Grüble. Itz ghöreni grad, dass syt dr Pandemie meh Anke un Eier bruucht wärdi ir Schwyz. Isch das wäg em Güetzele u Brot säuber bache? I ha ja ir Quarantäne ungereinisch afa Klavier klimpere. Mit 70i chani de vilech es eifachs Stückli, yeah. Prompt ghöreni grad es Interview mit em Pianischt Chilly Gonzales. Är seit dä wunderschön Satz: «music is something we can enjoy without guilt». Geit mir vou is Härz. Bi sowieso Fan. Drum losen i no es paar Stück vo sym Album «Solo piano II». Wirde truurig u glücklech – beides glychzytig.

So isch es äbe, das cha Kunscht. S isch hert u närvt, wird Kunscht geng wider i Frag gschteut. U de die ewig Choschtefrag. Aus liess sech aues eis zu eis berächne. Son e Lugi. D Schwyz zeigt on i dere Krise, wo ihri Prioritäte ligge. Wie geit das Wort nomau? Neoliberal. Aber klar, we sech Künschler*inne wehre, tönts geng wien es Chlagelied, das wott niemer. Drum hei Kulturschaffendi son e schlächti Lobby. Chlagelieder han i ja o nid gärn. Usser vilecht Blues. Fado. Gospel. Ds jüdische Liedguet. Neapolitanischi Lieder. D Romantik. Lieder vo dr Nadja Zela, Sophie Hunger, vom Leonhard Cohen, Tom Waits, Faber, ds Guggisbärglied und so wyter. Ups! Sy das aues nid o geng wider Chlagelieder? Vilecht isch Musik u Kunscht o da zum Chlage? Aachlage? Isch muetig z säge. Itz louft grad en Usschnitt vor Kabarattischtin, Slampoetin u Salzburger Stier-Gewinnerin Lara Stoll. Sie chlagt über Yyschlaf-Problem – u mir lache. Wie lang würd me drby blybe, wes de Figure in eme Theaterstück geng nume guet gieng? Me würd nach es paar Minute nach em vergrabne Hund sueche. Es Theaterstück mit nume glückleche Figure gits nid. Vilecht o ke Fium, kes Buech? I schaute itz ds Radio us. U hören uf schrybe. Ds Chaosprinzip aber hört nie.