Campingferien in der Schweiz sind teuer – und sehr beliebt

Übernachten auf einem Campingplatz kostet im europäischen Vergleich in der Schweiz am meisten. Schweizer Camper lassen sich davon nicht abhalten.

Campingferien sind in der Schweiz beliebt.

Campingferien sind in der Schweiz beliebt.

(Bild: Keystone MARTIN RUETSCHI)

Philipp Felber-Eisele@PhilippFelber

Sie wissen noch nicht, wohin es in den Sommerferien gehen soll? Wie wäre es mit Moldawien oder Weissrussland? Zumindest für Camper lohnt sich die Fahrt. Denn in den beiden Ländern kann man seine Ferien in Wohnmobil und Co. am günstigsten verbringen, wie eine neue Studie einer Camping-Buchungsplattform ausweist. Am anderen Ende der Skala liegt die Schweiz.

Laut der Studie bezahlt man in Europa durchschnittlich zwischen 11 und 36 Euro für eine Nacht für zwei Personen in der Hauptsaison inklusive Stellplatz, Strom und Ortstaxe. 23’000 Plätze in ganz Europa hat das Portal miteinander verglichen. Trotz der Unterschiede bei den Preisen ist campieren günstig und damit eine Alternative zu Ferien in Hotels oder Ferienwohnungen.

In der Schweiz boomen die Ferien auf dem Campingplatz. Trotz des vergleichsweise hohen Preises. Walter Bieri, der Chefredaktor des Branchenmagazins «Camping-Revue» und Vorstandsmitglied des Schweizerischen Camping- und Caravanning-Verbands, glaubt denn auch nicht so ganz an die Zahlen.

Bieri geht davon aus, dass, wenn alle Campingplätze in der Rechnung miteinbezogen werden, der Durchschnittspreis um rund 5 bis 8 Franken tiefer liegt als in der Studie ausgewiesen.

Vor allem auf kleineren Campingplätzen seien Preise um 20 Franken pro Nacht für zwei Erwachsene mit zwei Kindern und Wohnmobil. Klar sei aber auch, dass die grossen Plätze an beliebten Orten etwa im Tessin deutlich höhere Preise verlangen.

Näher an der Natur sein

In den vergangenen zwei Jahren haben sich deutlich mehr Touristen auf den Schweizer Plätzen niedergelassen. Mittlerweile sind es über 3,5 Millionen Übernachtungen pro Jahr. Damit hat die Branche die Delle überwunden, die nach dem Jahr 2009 eingetreten ist. Grund für den Boom ist laut Bieri das Bedürfnis nach Nähe zur Natur, das zugenommen habe.

Das Wachstum werde hauptsächlich von Gästen aus der Schweiz getragen. Zwei Drittel der Gäste sind Einheimische. Vor allem Wohnwagen und kleinere Busse seien vermehrt auf den Plätzen anzutreffen. Am meisten Wachstum hätten die grossen Plätze an Seen zu verzeichnen.

Noch immer weitverbreitet sind Besucher, die ihren Campingwagen fix installieren. Diese machen laut Walter Bieri 50 Prozent der Besucher in der Schweiz aus. Tendenz aber eher sinkend. Für den Betrieb einer Anlage sind diese essenziell, weil sie unabhängig vom Wetter ein stabiles Einkommen generieren. Viele Plätze in der Schweiz sind nur saisonal geöffnet, weil es sich im Winter gar nicht rechnet, den Platz offen zu haben.

Freies Campen bekommt Unterstützung

Um das Campen noch beliebter und bekannter zu machen, setzt sich er Schweizer Campingverband dafür ein, dass das freie Campieren ermöglicht wird. Das ist in der Schweiz verboten, wird aber teilweise toleriert. Der Verband verspricht sich davon, dass auch neue Formen von Camping gefördert werden. «Viele Junge reisen umher und fahren mit ihren Bussen so lange, bis sie müde sind. Oft bis nach den Öffnungszeiten der Plätze. Sie sollten unter gewissen Bedingungen auch auf öffentlichen Parkplätzen übernachten können», sagt Bieri.

Angst davor, deswegen weniger Gäste auf Campingplätzen zu haben, habe er aber nicht. Viele wollten nach ein, zwei Tagen unterwegs dann trotzdem wieder den Komfort eines Platzes mit Dusche und etwas Ruhe und Sicherheit.

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