«YB hätte auch knapp gewinnen können»

Der frühere FCZ-Stürmer Raffael war im Playoff-Hinspiel in Bern die grosse Figur. Gladbachs Brasilianer sagt, was er von YB hält und warum er Yann Sommer zu den besten zählt.

Bereitete YB im Hinspiel grosse Sorgen: Gladbach-Stürmer Raffael.

Bereitete YB im Hinspiel grosse Sorgen: Gladbach-Stürmer Raffael.

(Bild: Keystone Manuel Lopez)

Thomas Niggl@tagesanzeiger

Gladbach kann gelassen ins Rückspiel gegen YB steigen. Nach dem 3:1-Sieg in Bern scheint die zweite Partie ja nur noch Formsache sein . Ist das so?
So denken wir nicht. Auch trotz dem Auswärtssieg gibt es im heutigen Fussball keine einfachen Spiele, vor allem nicht auf diesem Niveau. Wir müssen topkonzentriert zur Sache gehen.

Was könnte das Spiel immer für Gladbach noch gefährlich machen?
Die Young Boys sind nicht zu unterschätzen, sie haben immerhin Shakhtar Donetsk rausgeworfen und im zweiten Spiel einen Zweitore-Rückstand aufgeholt. YB hat eine sehr gefährliche Mannschaft, besonders in der Offensive mit Sulejmani und Hoarau.

Haben Sie YB nach dem Sieg über Donezk nicht doch stärker erwartet?
Das Spiel stand lange auf der Kippe und hätte auch unentschieden oder mit einem knappen Sieg von YB ausfallen können. Zum Glück haben wir noch zwei schnelle Tore hintereinander geschossen (lacht).

Sie haben in Bern zwei Tore erzielt. Was für Erinnerungen aus Ihrer Zeit in der Schweiz haben Sie sonst noch an YB? Haben Sie gegen YB nicht immer regelmässig Tore erzielt?
Der eine Treffer wurde mir im Nachhinein, weil er von Rochat abgefälscht wurde, noch aberkannt. Aber egal wie häufig ich treffe, ich spiele einfach gerne Fussball und nebst den Teams aus der Bundesliga kenne ich den Schweizer Fussball halt am besten. Gegen die Young Boys habe ich besonders im August sehr häufig getroffen, mittlerweile fünf Mal in sechs Spielen! Das ist etwas kurios, freut mich aber natürlich umso mehr. Meine Agentur hat mir vor kurzem einen Zusammenschnitt meiner besten Szenen gegen YB geliefert und da konnte ich meine Tore und alle gelungenen Aktionen, Dribblings und Finten nochmals bewundern. Das war sehr schön.

Denken Sie, dass sich YB in der Bundesliga halten könnte und in welchen Regionen?
Das ist sehr schwierig zu sagen, weil ich den Fussball in der Super League aufgrund der Distanz nicht mehr gut einschätzen kann und jetzt auch eine neue Bundesliga-Saison vor der Türe steht, bei der wiederum Vieles möglich ist. YB deshalb da irgendwo fix zu platzieren, ist aktuell schier unmöglich.

Was ist der grösste Unterschied zwischen dem Schweizer Fussball und dem deutschen?
Der Fussball in der Schweiz hat sich, so glaube ich, schon stark gemacht und die Liga scheint auch, was den Fussball an und für sich betrifft, attraktiver geworden zu sein. Aber in Deutschland ist das Ganze noch eine Spur anspruchsvoller; hier musst du von der ersten bis zur letzten Minute Vollgas geben und immer aufmerksam sein.

Wie sehr, und wenn überhaupt, haben Sie mit Ihrem ehemaligen Club FCZ mitgelitten, als sie vom Abstieg erfahren haben?
Es hat mich schon sehr stark mitgenommen, immerhin habe ich zweieinhalb Jahr beim FCZ gespielt und viele schöne Erinnerungen mitnehmen können.

Was bedeutet der Abstieg des FCZ für den Schweizer Fussball allgemein?
Das war eine Katastrophe. Zürich hat einen so tollen Namen im Schweizer Fussball und die Mannschaft hatte es nicht verdient, abzusteigen. Der Stellenwert des Klubs in der Schweiz ist so hoch, eine Super League ohne FC Zürich ist eine traurige Angelegenheit.

Inwiefern verfolgen Sie den Schweizer Fussball noch?
Nur noch selten, meistens schaue ich dann im Internet die Resultate vom FC Zürich und vom FC Chiasso nach.

Können Sie sich irgendwann eine Rückkehr in den Schweizer Fussball vorstellen?
Mein Vertrag hier läuft nach der Verlängerung diesen Sommer bis 2019. Solange ich topfit bin, möchte ich mich weiterhin in einer Topliga beweisen und bei Mönchengladbach fühle ich mich zusammen mit meiner Familie auch sehr wohl, da muss ich in den nächsten paar Jahren nichts daran ändern.

Der Bundesligastart steht vor der Türe. Was wollen Sie mit Gladbach in dieser Saison für eine Rolle spielen?
Das Hauptziel wird schon sein, den Schlussrang von letzter Saison bzw. die Endresultate der letzten drei Jahre zu bestätigen und wiederum europäisch spielen zu können, am liebsten natürlich wieder in der Champions League, weil du da halt auf viel mehr Meisterteams und Topspieler treffen kannst. Aber auch die Teilnahme an der Europa League wäre für Borussia ein grossartiger Erfolg.

Trifft es zu, dass die Bayern Ihr Lieblingsgegner sind? Immerhin haben Sie in München beim 2:0-Sieg noch unter Lucien Favre einmal beide Tore erzielt und auch sonst immer gut gespielt.
Ich glaube, für jedes der anderen 17 Teams in der Bundesliga ist es eine besondere Herausforderung, gegen die Bayern bestehen zu wollen. Und wenn man wie wir mit Mönchengladbach in München gegen eine Mannschaft bestehend aus lauter Weltklassespielern gewinnen können, so ist das persönlich eine Riesenfreude. Und es gibt den anderen Klubs die Zuversicht, dass die Bayern auch in der Allianz Arena zu packen sind. Bild: Marc Eich /Getty Images

Wie sehr vermissen Sie Granit Xhaka, wenn überhaupt?
Am Anfang haben wir uns schon gefragt, wie das ohne unseren bisherigen Kapitän funktionieren soll. Aber mittlerweile bin ich der Überzeugung, dass unser Team, sei es jetzt durch die bestehenden Mitspieler oder durch die Neuzugänge, den Ausfall kompensieren kann. Ich denke, wir sind durch den Abgang von Granit Xhaka als Mannschaft noch stärker zusammengewachsen.

Was trauen Sie Xhaka in England beim FC Arsenal zu?
Er hat alle Qualitäten, um auch in der Premier League bestehen zu können. Er ist physisch und psychisch stark, hat ein super Auge für den Mitspieler und das Auge für den entscheidenden Pass. Er ist ein guter Typ, ein guter Spieler. Ich freue mich für ihn über den Wechsel und drücke ihm die Daumen, dass er es auch bei Arsenal schafft.

Wenn Sie ein Ranking der bestern Torhüter der Welt erstellen müssten, auf welcher Position würde da Goalie Yann Sommer liegen?
Für mich ist er einer der zehn besten Torhüter der Welt. Er verfügt über ein super Stellungsspiel, ist mit den Füssen sehr wendig und zeigt unglaubliche Reaktionen. Er ist gerade mal 27 Jahre alt – stellen Sie sich vor, wie gut er dann in einigen Jahren erst sein kann! Torhüter erreichen ihr bestes Potenzial ja meist gegen die 30.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihrem Mentor Lucien Favre, der damals seinen Rücktritt erklärte?
Ja, allerdings nur sporadisch. Wir telefonieren so etwa alle drei Monate einmal (lacht), meistens will er von mir wissen, wies mir geht und was ich so mache.

Der Bund

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