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Schwarzenburg: Ein einig Volk über den Sensegraben

Am 13. Juni stimmen Wahlern und Albligen an der Urne über die Fusion ab.

Für Albligen ist es ein Notfall: Der Gemeinde im Westen des Kantons Bern fehlt es an Geld und Personal. Ein Sitz im Gemeinderat ist seit längerem vakant. Das Eigenkapital ist mittlerweile auf 500 000 Franken geschrumpft. Rettung verspricht eine Fusion mit der Nachbargemeinde Wahlern. Sagen die Stimmberechtigten am 13. Juni an der Urne Ja, könnten die Gemeinden ab dem 1. Januar 2011 unter dem Namen und Wappen von Schwarzenburg zusammengehen. Zur letzten Informationsveranstaltung vor dem Tag der Entscheidung kamen am Donnerstagabend rund 130 Personen in die Mehrzweckhalle Pöschen in Schwarzenburg.

Grundsatz ist unbestritten

Sie konnten sich offene Fragen am Anlass von den verantwortlichen Behördenvertretern persönlich beantworten lassen. Eine interkommunale Arbeitsgruppe (IKA) tagt seit September 2008 regelmässig. Über deren Ergebnisse wird in zwei Wochen separat abgestimmt: Neben dem Fusionsvertrag liegen die Gemeindeordnung und das Wahl- und Abstimmungsreglement der neuen Gemeinde vor. «Mit drei Vorlagen wird das Risiko reduziert, dass die Fusion wegen Kleinigkeiten scheitert», sagte Matthias Fischer vom Amt für Gemeinden und Raumordnung des Kantons Bern.

Die Diskussion am Donnerstag hinterliess den Eindruck, dass die Fusionsmodalitäten die Bürgerinnen und Bürger aber weniger beschäftigen als Details. Doch auch darauf hatten die Vertreter der IKA Antworten parat: Der Kehricht wird in der Gemeinde Schwarzenburg am Donnerstag abgeholt. Und ja, die alten Marken bleiben sicher noch eine Weile gültig.

Im Finanz- und Schulwesen ändert sich für beide Gemeinden wenig oder wenn, dann zum Positiven, wie die Wahlener Gemeinderätin Elisabeth Kollbrunner sagte. Albligen behält seine Schule nicht nur, sondern erhält auch einen neuen Kindergarten. In der neuen Gemeinde profitieren die Albliger zudem von der tieferen Steueranlage des grösseren Nachbarn (1,82 Einheiten). Für Wahlern ist der einmalige Fusionsbeitrag des Kantons von 500 000 Franken finanziell wohl der stärkste Anreiz. Während die Albliger die Fusion grundsätzlich als Gebot der Stunde erachten, kämpfe man in Wahlern eher gegen die Gleichgültigkeit vieler Bürger, sagte Projektleiter Peter Staudenmann.

Erprobte Zusammenarbeit

Auf dem Papier sind die Unterschiede der Gemeinden gross. Albligen zählt nur 500 Einwohner, Wahlern 6300. Albligens Fläche beträgt 4,3, jene Wahlerns 40,5 Quadratkilometer. Staudenmann beruhigte allfällige Ängste der Bewohner der kleineren Gemeinde aber. Er verwies darauf, dass Wahlern bis 1968 noch Teilgemeinden kannte. «In Schwarzenburg sind wir deshalb gut darauf sensibilisiert, dass andere Dörfer Angst vor dem starken Zentrum haben», sagte er. «Für uns ist es eigentlich nur ein weiteres Dorf.» Der Entwurf der neuen Gemeindeordnung sieht vor, dass bis zu Neuwahlen im Jahr 2012 zum heute siebenköpfigen Gemeinderat von Wahlern eine Vertreterin von Albligen dazustösst. Die Albliger werden während der Übergangszeit ausserdem garantierten Einsitz in den Kommissionen haben. Der enge Kontakt wäre nicht neu: Schon jetzt arbeiten die Gemeinden etwa in der Verwaltung der Finanzen und beim Sozialdienst eng zusammen.

Fusion über den Graben

Ein Hindernis besteht allerdings: die Geografie. Die Sense, welche in den Nachbargemeinden die Grenze zwischen den Kantonen Bern und Freiburg markiert, trennt Albligen von Wahlern. Der Weg zur gemeinsamen Verwaltung wäre für die Albliger lang. «Der Graben bleibt. Die Distanz kann man nicht wegdiskutieren», sagte Staudenmann. Der Entscheid zur Fusion fiel im September 2008 äusserst knapp für Wahlern und gegen die Freiburger Gemeinde Ueberstorf aus. Darum rechnet Staudenmann damit, dass sich die starke Minderheit an der Abstimmung mit «Proteststimmen» bemerkbar machen wird.

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