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Pianoklänge unter dem Brennglas

Mit einer eindringlichen und sehr persönlichen Hommage an Robert Schumann gibt der ungarische Pianist András Schiff den Auftakt zum Menuhin Festival Gstaad.

Was machen Pianisten, wenn sie schwitzen und die Finger auf den Tasten festzukleben oder auszurutschen drohen? Während sich das Publikum in der hitzeschwülen Kirche Saanen die Schweissperlen von der Stirne tupft, gibt András Schiff in hoch geschlossenem Hemd und dunklem Anzug die Antwort. Ignorieren und spielen. Und siehe da, wie von selbst lösen sich die profanen Gedanken in Musik auf.

«Zwischen Himmel und Erde» lautet das Motto des diesjährigen Menuhin Festival Gstaad (bis 5. 9.). Ein Versprechen, das schon am ersten Abend eingelöst wird: Mit bloss zehn Fingern schafft Schiff das Wunder, dass sich das Publikum schwebend zwischen Himmel und Erde wähnt. Anders als in vergangenen Jahren, wo die Solisten des Eröffnungskonzerts von Kammerorchestern begleitet wurden, sitzt András Schiff alleine auf dem Podest. Allein mit Robert Schumann. Ihm hat er das Recital gewidmet (Interview im «Bund» vom 14. Juli). Und dass der Pianist kein Mann der Kompromisse ist, zeigt sich spätestens bei der Zugabe: Als gings darum, den gespenstischen Ernst zu brechen, den die «Geistervariationen» anschlagen, krönt András Schiff seine herausfordernde Hommage mit den 13 «Kinderszenen», jenem reizvollen Zyklus, mit dem Schumann bewies, dass mit schwarzen und weissen Tasten Empfindungen ausgedrückt werden können, die farbiger sind als Malerei und beredter als Dichterworte.

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