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«Mein wichtigstes Arbeitsinstrument ist ein Stuhl»

Krebs birgt noch immer Schrecken – aber nicht mehr wie vor 100 Jahren. Heute helfen etwa «Breast Care Nurses» wie Monika Biedermann betroffenen Frauen.

Ihr Beruf ist schwierig. Als Pflegefachfrau betreuen Sie Frauen mit Brustkrebs und anderen frauenspezifischen Krebsarten.

Schwierig ist das falsche Wort – wenn ich darunter leiden würde, hätte ich längst gekündigt. Ich habe gelernt, wie ich mit Frauen und ihren Angehörigen umgehen kann, denen eine schlechte Nachricht überbracht werden muss. So erkläre ich etwa unheilbar kranken Frauen, dass sie nun lernen müssen, mit ihrer Krankheit zu leben. Oft geht es in meiner Arbeit darum, den Frauen ein kleines Stück Lebensqualität zu geben. Heute konnte ich zum Beispiel einer Frau, die nicht mehr gesund werden wird, dank einer Prothese zu einer Silhouette mit ausgeglicheneren Proportionen verhelfen. Nun traut sie sich vielleicht wieder, etwas Engeres anzuziehen oder mit einer Freundin essen zu gehen. So etwas ist ein Erfolgserlebnis – es ist das Beste, was ich für diese Frau tun kann.

Gewöhnt man sich an das Leid, das auf die Diagnose Krebs folgt?

Man lernt, damit umzugehen – schliesslich betreue ich zusammen mit meiner Kollegin pro Jahr etwa 150 Frauen mit der Diagnose Krebs. Als Fachperson darf man wohl Mitgefühl zeigen, aber es sollte kein Mitleid sein. Es ist nicht gut, wenn die Patientinnen den Eindruck erhalten, uns Fachpersonen trösten zu müssen. Denn die Patientinnen kommen trotz allem mit dem Auftrag zu uns, sie in dieser Situation zu unterstützen, und dazu ist eine professionelle Haltung notwendig. Allerdings ist das nicht immer einfach, ich erlebe es oft als Gratwanderung, den richtigen Ton und die richtigen Worte zu finden. Viele Frauen brauchen einfach jemanden, der Zeit für sie hat. Mein wichtigstes Arbeitsinstrument ist deshalb ein Stuhl.

Zum Zuhören sind aber nicht unbedingt Pflegefachleute nötig, die auf Krebspatientinnen spezialisiert sind. Warum also braucht es Sie?

Um die Frauen während der ganzen Behandlungszeit zu informieren, zu begleiten und zu beraten, braucht es sehr viel Fachwissen. Zum Beispiel bespreche ich mit einer Frau, welche die Diagnose Brustkrebs bekommen hat, wie sie dies ihren Kindern sagen kann. Oder ich zeige einer Patientin BH-Einlagen – also Brustprothesen –, da ihr eine Brustentfernung empfohlen wurde. Bei diesen Gesprächen muss ich vor allem gut zuhören, um zu erkennen, was den Frauen wichtig ist. Eigentlich braucht es auch für andere Krankheiten Spezialisten in der Pflege – und die gibt es auch. Im meinem Bereich hat sich diese Spezialisierung einfach schon etabliert: Seit letztem Jahr gibt es dafür in Winterthur einen Lehrgang an der Fachhochschule. Im Ausland sind «Breast Care Nurses» schon lange gang und gäbe. Am Inselspital gibt es sie seit 2004 – schweizweit sind wir Pioniere.

Studien zeigen, dass Frauen in Spitälern mit «Breast Care Nurses» weniger Depressionen haben. Steigen dort die Heilungschancen?

Studien haben gezeigt, dass Frauen, welche nicht nur vom üblichen Behandlungsteam, sondern zusätzlich von «Breast Care Nurses» betreut werden, weniger häufig unter Angst und Depression leiden. Ob das einen Einfluss auf die Heilung hat, wurde bisher nicht erforscht.

Hat Ihnen Ihre Arbeit die Angst vor Krebs ein Stück weit genommen?

Wenn ich ständig Angst hätte, müsste ich wie gesagt woanders arbeiten. Aber es stimmt, dass ich aufmerksam bin, mich regelmässig abtaste und mich einmal pro Jahr gründlich untersuchen lasse.

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