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Leserbrief: «Garantiert falsche Massnahme»

Ich bin selbst eine Quereinsteigerin und hätte es sehr begrüsst, ein Kurzstudium absolvieren zu können, so wie es die kantonalen Bildungsdirektoren vorschlagen.

Als angehende Lehrerin (Sekundarstufe 1) verfolge ich die Diskussion zum Thema Lehrermangel mit Interesse. Ich bin selbst eine Quereinsteigerin und hätte es sehr begrüsst, ein Kurzstudium absolvieren zu können, so wie es die kantonalen Bildungsdirektoren vorschlagen. Mit 30 Jahren ein Master-Studium in Angriff zu nehmen, braucht neben viel Mut und Motivation auch die Bereitschaft, für mehrere Jahre grosse Einschränkungen auf sich zu nehmen. Kaum eine Chance haben diejenigen, die nicht auf eine finanzielle Unterstützung zählen können.

Ich bin überzeugt, viele Frauen und Männer, die motiviert und geeignet für den Lehrberuf wären, lassen sich davon abschrecken. Von einer Schnellbleiche kann bei einem Kurzstudium zudem kaum die Rede sein. Schliesslich verfügen Quereinsteiger in den meisten Fällen über einen grossen Fundus an Lebens- und Berufserfahrungen. Erfahrungen, die im Umgang mit Kindern und Jugendlichen sehr wertvoll und letztendlich in keinem Studium lehrbar sind.

Mit einer Abwertung des Lehrberufs, wie dies der Dachverband Schweizer Lehrerinnen und Lehrer kritisiert, hat ein Kurzstudium nichts zu tun. Abgewertet wird der Lehrberuf durch niedrige Löhne und negative Erfahrungen, die viele in ihrer eigenen Schulzeit mit ihren Lehrkräften gemacht haben.

Aus diesen Gründen ist für mich die neuste Forderung des Lehrerverbandes nach einem 4- bis 5-jährigen Master-Studium für alle Lehrkräfte, also auch für Kindergarten und Unterstufe, absolut nicht nachvollziehbar. Dies ist garantiert die falsche Massnahme, um gegen den Lehrermangel vorzugehen.

Ganz und gar falsch, wenn man sich davon auch noch bessere Lehrkräfte erhofft. Es erscheint mir als grosser Irrtum, wenn man glaubt, wer über ein «grosses» Wissen verfüge, sei auch eine bessere Lehrkraft. Zumal es fraglich ist, ob man in einem längeren Studium auch mehr lernt. Die Zeit, die man absitzt, um am Schluss die nötigen ECTS-Punkte zu erhalten, könnte man wahrhaftig sinnvoller nutzen – zum Beispiel beim Unterrichten selbst. Denn die Bestätigung, dass ich meine ECTS-Punkte erreicht habe, wird mich schlussendlich wohl kaum zu einer besseren Lehrerin machen!

Nina von Allmen, Bern

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