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Kommentar: Schockierend

Der erste Bericht des Kantons Bern über Jugendgewalt ist schockierend.

Es sind jedoch nicht die akribisch zusammengetragenen Zahlen und Analysen über das gesellschaftliche Reizthema, die aufschrecken; diese sind längst bekannt und wurden oft glmehr die Tatsache, dass die Verwaltung erst jetzt bemerkt, dass ihre einzelnen Abteilungen mehr schlecht als recht zusammenarbeiten.

Auf 50 Seiten listet der Bericht bereits bestehende Massnahmen, Präventionsangebote und Interventionskonzepte auf. Doch vernetzt sind all diese Angebote nicht oder nur schlecht. Niemand hatte bisher überhaupt einen Überblick darüber, was es alles gibt. Lehrkräfte wussten teilweise nicht, wo sie in Krisensituationen Hilfe erhalten. Und die Polizei verfügte für ihre Präventionsarbeit nicht einmal über die Adressen aller Schulen.

Wenn die Jugendlichen selber das hören, werden sie sich die Augen reiben. Da predigt man ihnen unablässig, man müsse zusammen reden, um Konflikte zu vermeiden. Und ausgerechnet jene Leute, die ihnen in Krisen helfen sollten, pflegen lieber ihr Gärtchen, als sich auszutauschen und zusammenzuarbeiten.

Der Verfasser des Berichts, ein externer Berater, verglich die Vielfalt der bestehenden Angebote gestern mit einer «Lego-Kiste», in der nun dringend aufgeräumt werden müsse. Diese Aufgabe wollen die vier betroffenen Regierungsräte Bernhard Pulver (Grüne), Hans-Jürg Käser (FDP), Christoph Neuhaus (SVP) und Philippe Perrenoud (SP) nun anpacken. Dass sie nicht der Versuchung erliegen, einige populistische Einzelmassnahmen gegen Jugendgewalt zu beschliessen, sondern den beschwerlichen Weg wählen, weckt Hoffnung. Wenn es ihnen gelingt, sich zusammenzuraufen und über Parteigrenzen und verwaltungsinterne Partikularinteressen hinweg eine wirkungsvolle Strategie umzusetzen, dann ist das auch ein gutes Zeichen gegenüber der Jugend.

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