Viel Vorschusslorbeeren für die neue Direktorin

Eine vielversprechende Wahl: Mit Nina Zimmer übernimmt eine profilierte Kuratorin die künstlerische Leitung von Kunstmuseum und Zentrum Paul Klee.

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Sie strahlt. Eine selbstbewusste Frau tritt da im Hotel Schweizerhof auf, eine Persönlichkeit, bei der man sofort das Gefühl hat, sie würde lieber heute als morgen ihre neue Stelle als künstlerische Direktorin von Kunstmuseum Bern (KMB) und Zetrum Paul Klee (ZPK) antreten.

Die Stelle war begehrt, laut Jürg Bucher, Präsident der neuen Dachstiftung KMB und ZPK, gingen ein paar Dutzend Bewerbungen ein, die Mehrheit aus dem Ausland. Zwei Shortlists wurden erstellt, man suchte nach einer jüngeren Persönlichkeit, und auf die Wahl ist Bucher nun sichtlich stolz: «Das ist ein Freudentag. Nina Zimmer wird Bern begeistern.» Er betont weiter, dass die neue Direktorin sowohl in der Schweiz als auch international über ein breites Netzwerk verfüge und einen guten Ruf als integrative Führungsperson geniesse.

Das sind die grössten Aufgaben, die Auf Nina Zimmer zukommen:

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Beeindruckend ist denn auch, was die Kunsthistorikerin, die ihre Stelle in Bern am 1. August antritt, in ihrer beruflichen Laufbahn bereits alles geleistet hat. Angefangen in Bern, wo sie 1997 während ihres Studiums ein Semester lang bei der Stiftung Paul Klee arbeitete. «Das Werk von Paul Klee ist für mich ein unerschöpflicher Brunnen, der Künstler schafft es, mich immer wieder zu überraschen», sagt die 43-jährige Deutsche, die in Göttingen Kunstgeschichte und Publizistik studiert und über «SPUR und andere Künstlergruppen. Gemeinschaftsarbeit in der Kunst um 1960 zwischen Moskau und New York» promoviert hat.

Von Amerika bis Südkorea

Auch ihre eigene Laufbahn führte sie in den letzten 20 Jahren rund um den Globus: Stationen waren unter anderem das Guggenheim-Museum in New York, als freie Kuratorin war sie Bulgarien und Rumänien unterwegs, als Gastprofessorin lehrte sie in Seoul und Chicago. In den letzten zehn Jahren arbeitete sie am Kunstmuseum Basel, zuerst als Kuratorin und zuletzt als Vizedirektorin. So war sie 2009 massgeblich beteiligt an der Van-Gogh-Ausstellung «Zwischen Himmel und Erde», einer der erfolgreichsten Schauen des Kunstmuseums Basel.

Die neue Direktorin im Videointerview:

Weiter kuratierte sie in Basel die beiden Ausstellungen «Renoir – die frühen Jahre» (2012) und «Andy Warhol. The Early Sixties» (2010, zusammen mit Bernhard Mendes Bürgi). Zwei unkonventionelle Ausstellungen, die eine neue Perspektive auf die beiden Künstler eröffneten.

Fragt man in der Basler Szene herum, so wird schnell Nina Zimmers Teamgeist erwähnt. Und Arbeit im Team ist ihr auch in Bern wichtig: «Das ist ein toller Moment, wenn alle aufgefordert sind mitzudenken. Ich bin auch offen für Ideen, die erst angedacht, aber noch nicht umgesetzt wurden.»

Erste Direktorenstelle

So breit wie das Spektrum ihrer beruflichen Tätigkeiten, zu denen auch die Entwicklung strategischer Konzepte, die Beziehung zu Sponsoren sowie die Personalführung gehören, ist auch Nina Zimmers künstlerisches Interesse: «Die alten Meister interessieren mich genauso wie die Künstler der Gegenwart.»

Ihre neue Aufgabe in Bern ist die erste Stelle als alleinige Direktorin einer grossen kulturellen Institution. Was ihre künftigen Herausforderungen betreffen, so äussert sich die neue Direktorin sehr pauschal und hält sich mit konkreten Ideen zurück, obwohl sie, wie sie betont, da schon ihre Vorstellungen habe. So bleibt es bei Allgemeinplätzen wie: «Wir müssen unsere Stärken noch stärker herausarbeiten», oder: «Ich sehe diese Aufgabe in erster Linie als Chance.» Was die Zukunft der zwei bisher eigenständigen Berner Institutionen betrifft, so ist ihr wichtig, dass beide weiterhin ein eigenständiges Profil haben. Akzente will sie im Gesamtgefüge setzen; wie diese aussehen werden, verrät sie noch nicht, betont nur, dass sie Brücken schlagen wolle. Auf die Äste hinaus lässt sie sich nicht.

Auch zum Kunstplatz Bern hält sich Zimmer zurück. Angesprochen auf die Schwerfälligkeit, die hierzulande häufig grosse Ideen bremst, meint sie nur: ?«Von der berühmten bernischen Behäbigkeit habe ich nichts gemerkt. Im Gegenteil, das ist richtig sportlich, wie da geplant wird.» Sie schwärmt weiter von der Vielfalt der beiden Häuser und der grossen Bandbreite der Sammlungen, die es zu zeigen gelte. «Das Zentrum Paul Klee wird ein Klee-Museum bleiben.»

Kein Kampf um Gurlitt-Sammlung

Keine Sorgen macht sie sich über das Erbe Gurlitt: «Das gehen wir gelassen an.» Angesprochen auf die immer lauter werdenden Stimmen, die fordern, dass die Gurlitt-Sammlung in Deutschland bleiben müsse, überlässt Nina Zimmer die Antwort Marcel Brülhart. Der Vizepräsident der neuen Dachstiftung weist darauf hin, dass das Kunstmuseum die Sammlung angenommen habe und ein Verzicht nicht mehr möglich sei. Er betont einmal mehr, dass Bern aber nicht um das Erbe kämpfe. Und Jürg Bucher ergänzt, dass man hoffe, der Erbstreit werde nicht Jahre dauern.

Mit Nina Zimmer ist die vierköpfige Geschäftsleitung nun komplett. Neben Zimmer, die den Vorsitz hat, gehören ihr der Österreicher Thomas Soraperra (kaufmännische Leitung), Matthias Frehner (Sammlungen) und Claudia Dähler (Facility-Management) an. Das neue Team hat unter anderem auch die Aufgabe, in den nächsten zwei Jahren eine Million Franken über Synergien einzusparen. Welche Massnahmen da nötig sein werden, darüber will sich Nina Zimmer auch noch nicht äussern.

Bereits Anfang August tritt Nina Zimmer in Bern öffentlich in Erscheinung: Sie wird an der Sommerakademie im Zentrum Paul Klee teilnehmen, die vom 11. bis 21. August stattfindet. Gastkurator ist dieses Jahr der Künstler Thomas Hirschhorn. Auch hat die Deutsche im Sinn, ihren Wohnsitz nach Bern zu verlegen. Nina Zimmer, die über vielfältige Sprachkenntnisse verfügt – unter anderem auch in Japanisch und Koreanisch – versteht bereits Berndeutsch.

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