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Für 170 Wifag-Angestellte bleibt nur noch ein leiser Hoffnungsschimmer

Der Berner Druckmaschinenhersteller will den definitiven Entscheid in zwei bis drei Wochen fällen.

Eines steht fest: Bei der Wifag im Berner Wylerquartier werden nur noch die laufenden Aufträge ausgeführt. Danach werden keine neuen Druckmaschinen mehr hergestellt. Bleiben wird lediglich das Servicegeschäft für die weltweit installierten Zeitungsdruckanlagen. Dafür werden noch rund 60 Mitarbeitende benötigt. Weitere 170 müssen ab Ende Juni mit der Kündigung rechnen. Das gab die Geschäftsleitung gestern an einer Mitarbeiterorientierung bekannt.

Ein leiser Hoffnungsschimmer besteht aber noch. «Verwaltungsrat und Geschäftsleitung bemühen sich weiterhin um Lösungen, mit denen weitere Arbeitsplätze erhalten werden können. Sie sind zuversichtlich, dass entsprechende Entscheide in Kürze bekannt gegeben werden können», heisst es in der Mitteilung.

Wie zwischen den Zeilen gelesen werden kann, sind Verhandlungen mit einem oder mehreren Interessenten im Gang. Dem Vernehmen nach gibt es Firmen, welche in die frei werdenden Räume einziehen möchten. Offen ist allerdings, ob sie ihre eigenen Angestellten mitbringen oder Wifag-Mitarbeiter weiterbeschäftigen würden. Nicht ausgeschlossen ist, dass andere Druckmaschinenfirmen der Wifag Serviceaufträge erteilen werden. Interessant wären für das Berner Unternehmen nicht nur Reparaturen, sondern vor allem Erneuerungsarbeiten.

«Wir prüfen eine Reihe von Projekten», sagte Geschäftsleiter Werner Tschan auf Anfrage. «Wir brauchen jedoch noch zwei bis drei Wochen, bis wir mehr sagen können», meinte er. Die gestrige Information über den Abbau von 170 Stellen sei deshalb möglicherweise verfrüht. Aber die Wifag müsse die gesetzliche Konsultationsfrist einhalten, damit die Angestellten eigene Vorschläge einbringen könnten.

Aufträge noch bis 2011

Die ersten Kündigungen sind für Ende Juni geplant. Es werde sich nur um eine niedrige Anzahl handeln, sagte Tschan. Der Betrieb sei noch bis weit ins Jahr 2011 mit Aufträgen ausgelastet. Die Entlassungen würden deshalb so gestaffelt, dass die Produktion jederzeit gewährleistet sei und die Maschinen termingerecht ausgeliefert werden könnten.

Erich Eggimann vom Verband Angestellte Schweiz warnt vor zu grossen Illusionen. Im April seien die Verkaufsverhandlungen mit dem deutschen Druckmaschinenhersteller Manroland gescheitert. Die noch unter der inzwischen zurückgetretenen Konzernchefin Myriam Meyer eingerichtete Ideenwerkstatt habe nichts gebracht. Auch jetzt blieben nur Glauben und Hoffen.

Eggimann kritisiert zudem die magere Informationspolitik der Wifag. Die Arbeitnehmervertreter seien nicht besser informiert als die Medien. Das soll sich allerdings jetzt ändern: «Die Präsidenten der Personalvertretung und der Betriebskommission können ab sofort an den Sitzungen der Arbeitsgruppe teilnehmen, welche sich mit der Zukunft der Wifag beschäftigt», erklärt Eggimann.

Roland Herzog von der Gewerkschaft Unia zeigt sich über die neueste Entwicklung wenig erstaunt. Der Abbau von weiteren Stellen sei zu erwarten gewesen. Die Wifag stehe nun in der Pflicht, die Betroffenen am gültigen Sozialplan zu beteiligen. Auch Herzog setzt nicht allzu grosse Erwartungen in die Partnersuche der Wifag: Im besten Fall könnten schätzungsweise 50 Stellen gesichert werden – es käme aber immer noch zu 120 Entlassungen.

Lehrwerkstatt im Aufbau

Die Unia setzt sich laut Herzog ganz besonders für die 78 Lehrlinge ein. Diese sollen ihre Ausbildung in einer Lehrwerkstatt fortsetzen können. Das Projekt sei auf gutem Weg, sagte Herzog.

Die Wifag galt einst als Aushängeschild der Berner Wirtschaft. Ihre Zeitungsdruckmaschinen galten als Spitzenprodukte. Doch inzwischen wurde bekannt, dass sie in den vergangenen 15 Jahren Verluste von 130 Millionen Franken eingefahren hatte («Bund» vom 1. Mai). Gedeckt wurden die Verluste durch die Stiftung, in deren Besitz sich die Wifag befindet. Die schwindende Nachfrage im Zeitungsdruck sowie die Weltwirtschaftskrise stürzte die Wifag 2009 definitiv in eine Existenzkrise. Vor einem Jahr gab sie die Entlassung von 90 der ursprünglich 650 Angestellten bekannt, letzten Oktober die von weiteren 300 Angestellten. Gestern läutete sie nun die dritte Entlassungswelle ein.

Die Wifag Maschinenfabrik im Berner Wylerquartier ist eine Tochter der Wifag Polytype Holding in Bern. Diese besitzt weitere Unternehmen in Freiburg, Wittenbach SG und in Holland.

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