Zum Hauptinhalt springen

Ein Astrologe, der auch Astronom ist

Schon als kleiner Bub wurde Ueli Seiler-Hugova magisch angezogen vom Geschehen am Firmament. Der langjährige Leiter der Bildungsstätte Schlössli Ins hat jetzt eine «Sternenkunde integral» veröffentlicht.

Ist das jetzt ein Kunstwerk oder am Ende gar ein Klettergerät? In vier Metern Höhe steht es auf einem achteckigen Holzpodest, der Durchmesser des kugelförmigen Netzes mit Längen- und Breitengraden beträgt fünf Meter. Zum 400. Todestag des dänischen Astronomen Tycho Brahe baute Ueli Seiler zusammen mit Schülern der Bildungsstätte Schlössli Ins im Rosenhofpark ein Himmelsbeobachtungsgerät: das «Astrolabium».

Von blossem Auge kann an diesem Instrument die Himmelsmechanik beobachtet werden – tagsüber etwa der Lauf von Sonne und Mond, in der Nacht der von Planeten und Fixsternen. Auf dem «Ekliptikring» lässt sich aber auch ein Geburtshoroskop einstellen und so sphärisch erleben: «Ich möchte den Menschen eine sinnliche Erfahrung der Himmelsphänomene ermöglichen.»

Schon als Bub geriet Ueli Seiler in den Bann des Geschehens am Firmament. Kürzlich hat er im Tessin in einer klaren Nacht alle Planeten von blossem Auge gesehen. «Ich bin kurzsichtig», sagt er schmunzelnd, «in der Dämmerung sehe ich die Sterne oft nicht, aber immerhin weiss ich, wo sie am Himmel zu finden sind.» Jetzt hat er als Summe seiner Beschäftigung eine «Sternenkunde integral» veröffentlicht. Das Buch stelle den Versuch dar, sagt Ueli Seiler, «erstmals alle Belange, die mit Sternen zu tun haben, zusammenzubringen».

Beeinflusst von Jean Gebser

Er komme von der Astronomie her, sagt Seiler. «Lange war ich überzeugt, dass die Astrologie Humbug sei.» Eine Schülerin habe aber sein Interesse an der Astrologie zu wecken vermocht: «Die Astrologie ist grossartig, sie strahlt eine intuitiv erfahrbare Kraft aus.» Heute sei es nicht mehr produktiv, die Astrologie gegen die Astronomie auszuspielen, glaubt der stark vom Kulturphilosophen Jean Gebser und dessen Verbindung von wissenschaftlichen und spirituellen Erkenntnissen beeinflusste Seiler.

Die Astronomie ist eine kognitive, rationale Wissenschaft. Und das sei auch gut so, sagt der 68-jährige langjährige Leiter der Bildungsstätte Schlössli Ins. Eine integrale Sternenkunde bedürfe jedoch auch einer «sinnlichen» Ebene. «Wie an einem guten Essen soll sich der Sinnesmensch auch am Sternenhimmel erfreuen können.» Ueli Seiler ist überzeugt, dass es ähnlich wie bei Träumen und Märchen die Archetypen und die mythische Bildebene für eine integrale Sternenkunde braucht. Die Astrologie ist für Seiler letztlich nichts anderes als eine «mythologische Erzählung und die älteste Psychologie der Menschheit, ein Versuch, die seelischen Eigenschaften des Menschen zu strukturieren und zu erklären». Für ihn sind die scheinbaren Gegensätze Astrologie und Astronomie im Sinne von Gebser denn auch gleichwertige «Manifestationen verschiedener Bewusstseinsmöglichkeiten».

Vom Mikro- zum Makrokosmos

Ueli Seiler möchte sein Buch als Nachschlagewerk für Laien verstanden wissen: für das Erkennen von Sternbildern ebenso wie für astrologische Qualitäten von Tierkreiszeichen oder für astronomische Informationen über das Sonnensystem und seine Planeten. Er will Zusammenhänge aufzeigen, etwa zwischen Landwirtschaft und Mondrhythmen oder zwischen Farben und Sternen (2001 veröffentlichte er im AT-Verlag ein Buch über die Farbenlehre). Wichtig ist ihm auch eine Geschichte der Sternenkunde und eine Beschreibung des Wandels von Weltbildern. Erklärt werden etwa Vorstellungen der Planetensphären bei den Ägyptern, Dante oder Rudolf Steiner.

Ueli Seiler hat zwar die Leitung der von seinen Eltern 1953 gegründeten Schlössli-Schule Ins vor einigen Jahren abgegeben. Aber der Vater von sieben Kindern aus zwei Familien ist immer noch überaus aktiv. Im Kanton Bern lancierte er 1980 die Volksinitiative für eine freie Schulwahl, später war er Mitbegründer der Freien Liste. Der Pädagoge aus Berufung gibt heute sein Wissen weiter als Gastprofessor an der Universität in Riga; seit über 15 Jahren ist er auch als Dozent an der Akademie für künstlerische Sozialtherapie in Prag tätig.

Das «Astrolabium» als eine Brücke zwischen Makro- und Mikrokosmos versteht Ueli Seiler als Ort, «wo der Mensch den Herz-Mittelpunkt im technischen und existenziellen Sinne zurückbekommt». Und dieser Ort ermöglicht Erkenntnis fördernde sinnliche Erlebnisse: Im Innern des achteckigen Baus etwa kann im Dunkeln ein Sonnenstrahl um die Mittagszeit beobachtet werden, der auf einer Hohlkugelfäche Bewegungen der Tages- und Jahreszeiten abbildet.

Im «Bund im Kairo» stellt Ueli Seiler am Montag, 31. Mai, um 20.30 Uhr sein Buch vor. Das Buch «Sternenkunde integral» ist im AT-Verlag erschienen und kostet Fr. 49.90.

Sternengucker: Ueli Seiler in seinem «Astrolabium», das der Beobachtung von Sonne, Mond und Sternen dient. Foto: zvg

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch