«Die Erwartungen sind extrem schnell gestiegen»

Tigers-Sportchef Jörg Reber blickt zurück auf eine Saison, in der sich der Aufsteiger vorzeitig den Ligaerhalt sicherte. Nicht tiefer in die Karten blicken lässt er sich in der Trainerfrage.

Für SCL-Sportchef Jörg Reber hat nun die Trainerwahl die erste Priorität.

Für SCL-Sportchef Jörg Reber hat nun die Trainerwahl die erste Priorität.

(Bild: Keystone Marcel Bieri)

Ruedi Kunz

Sie hatten sicher eine kurze Nacht nach dem letzten Heimspiel der Saison 2015/16.
Es geht. Ich habe mir ein paar Bierchen gegönnt und die gute Stimmung genossen, die nach dem frühzeitigen Liga­erhalt herrschte.

Für einen Aufsteiger, dem kaum jemand viel Kredit gab, haben sich die SCL Tigers gut geschlagen. Dennoch machte sich unter den Fans schnell Unzufriedenheit breit, als es im Februar nicht mehr rund lief.
In der Clubführung waren wir uns immer bewusst, dass es eine knüppelharte Saison wird, die möglicherweise erst in die Ligaqualifikation führt. Ganz anders im Umfeld: Dort sind die Erwartungen ex­trem schnell gestiegen, nachdem wir nach einem schwachen Saisonstart immer besser wurden und Gegner wie den SCB, Davos und Zug schlugen.

Das Leben ist immer wieder für spezielle Geschichten gut. Ausgerechnet Tobias Bucher, der keinen neuen Vertrag mehr erhalten hat, schiesst in der Overtime das entscheidende Tor. Bereuen Sie es, in seinem Fall nicht ­länger zugewartet zu haben?
Ich konnte nicht bis Ende März oder sogar bis April warten mit jedem hängigen Dossier. Es spricht für Buchers Charakter, hat er nach dem abschlägigen Bescheid weiterhin hundertprozentigen Einsatz gezeigt. Darum mag ich ihm den Abschied durch die grosse Tür auch von Herzen gönnen.

Es gibt etliche Veränderungen im Kader. Wieso zögern Sie, den Kontrakt mit dem besten Torschützen, Kevin Clark, zu verlängern?
Dazu möchte ich mich nicht öffentlich äussern. Wir haben beim Dossier Clark immer gesagt, dass wir erst Ende Saison eine Entscheidung fällen werden. Das Gleiche gilt im Fall von Kevin Hecque­feuille.

Seine Chancen auf eine Weiterbeschäftigung sollen einiges höher als die von Clark...
Nochmals: Bevor wir entscheiden, was mit Hecquefeuille mit Clark passiert, wollen wir die eben zu Ende gegangene Saison in aller Ruhe analysieren.

Sie wollen grundsätzlich mehr Qualität im Kader. Werden Sie mit fünf Ausländern in die nächste Saison steigen?
Auch das ist noch offen.

Für einen Aufsteiger fast ohne Kredit haben sich die Tigers sehr gut aus der Affäre gezogen. Und doch haben Sie zwei Runden vor Qualifikationsende Trainer Benoît Laporte entlassen. Ab wann hatten Sie Zweifel an seiner Arbeit?
Laporte hat vieles gut gemacht. Bis kurz vor dem Totalabsturz in Ambri (Anm. der Redaktion: 4:9-Niederlage) war ich überzeugt, dass er bis Ende Saison unser Chefcoach bleibt. Dann kam dieser Abend in der Valascia, als mir mein Bauchgefühl sagte: Pass auf, da braut sich was zusammen!. Darum bin ich nach dem Match auch sofort in die Kabine gegangen, um den Puls zu fühlen.

Und da haben Ihnen die Spieler geklagt, Laporte sei ein unmöglicher Kerl und müsse weg?
Unsinn. Es hat keinen Aufstand gegeben. Ich habe mir angehört, was die Spieler zu sagen hatten. Tags darauf habe ich die Situation mit dem Verwaltungsrat besprochen. Erst dort haben wir uns entschieden, den Coach zu wechseln.

Nach Laportes Entlassung haben Sie mit Scott Beattie einen weitgehend unbekannten Trainer aus dem Hut gezaubert. Unter ihm hat sich das Team wieder stabilisiert und frühzeitig den Ligaerhalt geschafft. Erhält Beattie nun einen längerfristigen Vertrag?
Wir haben ihm keine Jobgarantie gegeben. Doch dank seiner kommunikativen Fähigkeiten und der hohen Sozialkompetenz ist er sicher ein Kandidat.

Ein ernsthafter Kandidat ist der beim SCB nicht mehr erwünschte Lars Leuenberger. Wie gross ist die Chance, dass Sie ihn nach Langnau lotsen können? Auch wenn anderes behauptet wird: Ich habe mit Leuenberger noch kein einziges Gespräch geführt. Wenn er sagt, er konzentriere sich im Moment ganz auf seinen jetzigen Job, so stimmt das auch. Hinweis: Statt Ligaqualifikation ist am Dienstag in Langnau Feiern angesagt. Im Tigersaal in der Ilfishalle steigt das grosse Saisonabschlussfest.

Der Bund

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