Kommentar: Das abrupte Ende der Kartonfabrik ist stillos

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Massiver Stellenabbau bei der Druckmaschinenherstellerin Wifag in Bern, Schliessung der Druckerei Weber-Benteli in Biel und jetzt das abrupte Ende der Kartonfabrik Deisswil: Es ist kein Zufall, dass die bernische Druckerei- und Papierbranche sowie die mit ihr verbundenen Zweige besonders stark von Abbaumassnahmen betroffen sind. Das grafische Gewerbe leidet neben der Maschinenindustrie am stärksten unter den Folgen der Wirtschaftskrise.

Während sich die Maschinenindustrie mit der anziehenden Konjunktur wieder erholen dürfte, steckt die grafische Branche zusätzlich in einer Strukturkrise. Das gilt nicht nur für die Druckereien, sondern auch für die Papier- und Kartonbranche.

Die Kartonfabrik Deisswil hatte sich bis gestern allerdings besser gehalten, als viele erwartet hatten. Als die Mayr-Melnhof-Gruppe das Unternehmen im Jahr 1990 übernahm, wurde in der Region das Schlimmste befürchtet. Doch die Österreicher entpuppten sich nicht als Finanzhaie. Sie führten das Unternehmen erfolgreich durch die vergangenen zwei Jahrzehnte. Umso überraschender kommt nun die sofortige Schliessung während der Betriebsferien. Zwei Drittel der Angestellten waren gestern gar nicht im Betrieb. Sie vernahmen die Hiobsbotschaft aus den Medien. Dieses Vorgehen ist stillos.

Die geltenden und die künftigen Umweltabgaben mögen nicht der einzige Grund für die Schliessung sein. Aber es wäre zu einfach, dieses Argument ganz unter den Tisch zu wischen. Die Verschärfung der schweizerischen Umweltpolitik wird in energieintensiven Branchen weitere Stellen kosten. Neben der Papierbranche werden das auch die Stahl- und die Zementindustrie zu spüren bekommen.

Es gibt gute Gründe für mehr Umweltschutz. Aber die Verschärfung hat in energieintensiven Branchen und in Unternehmen, welche noch mit veralteten Anlagen arbeiten, ihren Preis. In Deisswil wären grosse Investitionen angestanden. Da ist es offenbar billiger, die Produktion ins Ausland zu verlagern. (Der Bund)

Erstellt: 09.04.2010, 07:34 Uhr

Werbung

Kulturell interessiert?

Bizarre Musikgenres, Blick in Bücherkisten und das ganze Theater. Alles damit Sie am Puls der Zeit bleiben.

Blogs

Outdoor Splitternacktwandern am Spittelnacki

Blog: Never Mind the Markets Das Missverständnis des Donald Trump

Die Welt in Bildern

Urmusik: Luftaufnahme eine Konzertes am 17. Alphorn-Festival in Nendaz. (22. Juli 2018)
(Bild: Laurent Gillieron) Mehr...