«Ich bin gerne dabei, das ist mein Leben»

Kein anderer dominierte das Bergrennen am Gurnigel so sehr wie «Fast Fredy» Amweg. Heute kehrt der 61-jährige Aargauer mit dem Boliden ins Gantrischgebiet zurück, mit dem er 1973 den ersten von insgesamt 20 Siegen holte.

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Mit der Rennstrecke am Gurnigel verhalte es sich wie mit dem Skifahren. «Um die Streif in Kitzbühel zu fahren, braucht es Mut», sagt Fredy Amweg. Hier im Gantrisch brauche es aber sogar mehr als das. Die 3,75 Kilometer lange Strecke von Dürrbach nach Gurnigelbad gilt als attraktiv und technisch anspruchsvoll zugleich. Man müsse jede Kurve auswendig kennen – wissen, wo man die PS einsetzen könne, sagt der ehemalige Rennfahrer. «Nur schnell fahren kann jeder.»

Das Siegerauto war vom Kadi

Amweg weiss, wovon er spricht. Kein anderer hat in den letzten Hundert Jahren das legendäre Gurnigelrennen öfter für sich entscheiden können als er. 1973 holte er sich in seinem Brabham BT38 den ersten Tagessieg. «Das Auto hat mir mein damaliger Kadi zur Verfügung gestellt.» Danach schlug Amweg am Gurnigel ein wie eine Bombe: Von den darauffolgenden 25 Rennen gewann er bis 1998 nicht weniger als 19. «Fast Fredy», wie Amweg in Rennsportkreisen genannt wird, stellte Bestzeit um Bestzeit auf, drückt den offiziellen Streckenrekord 1976 sogar erstmals unter die Zweiminutengrenze. 1995 stellte er mit seinem Formel-3000-Wagen den Streckenrekord von 1:49,29 auf, was einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 122,9 Kilometern pro Stunde entspricht. «Das war ganz klar meine Strecke», sagt Amweg. Aber auch abseits der teils engen Gurnigelkurven liest sich Amwegs Rennbilanz als grandiose Erfolgsstory. Von den rund 500 Rennen, die er im Laufe seiner 30-jährigen Laufbahn insgesamt bestritten hat, hat er im Schnitt jedes zweite gewonnen. «Mein Erfolgsrezept war immer, 99 Prozent zu geben und kein Risiko einzugehen.» Unfall hatte der Rennfahrer in seiner gesamten Karriere keinen einzigen.

Heute geben die Kinder Gas

Auch mehr als zehn Jahre nach seinem letzten Start am Gurnigel kennt der Aargauer die Strecke immer noch wie seine Westentasche. «Bevor man beim Las in den zweiten Wald einbiegt, darf man ja nicht über den Schachtdeckel fahren.» An dieser Stelle müsse man so lange links bleiben, bis die Sicht über die kleine Kuppe frei sei – Wissen, das Fredy Amweg heute an seine Kinder weitergibt. Er selbst hat sich zwar 1999 offiziell vom aktiven Rennzirkus zurückgezogen, der Name Amweg ist aber im Rennsport weiterhin eine feste Grösse. Sowohl seine Tochter Sabine als auch die beiden jüngeren Söhne Thomas und Manuel fahren wie der Vater Autorennen. Sabine startet an diesem Wochenende mit einem Renault Clio Cup in der Tourenwagen-Klasse ab Dürrbach.

Auch wenn er selber keine Rennen mehr fährt: Ganz vom Rennsport hat sich Fredy nicht losgesagt. Heute ist er Mitglied im Komitee Strecke und Sicherheit der Nationalen Sportkommission von Auto Sport Schweiz. Als Delegierter überprüft Amweg an nationalen Rennen, dass der Schweizer Automobil- und Kartsport nach den vom Weltverband im internationalen Sportgesetz vorgegebenen Regeln abläuft. «Ich bin natürlich immer noch gerne dabei. Das ist mein Leben.» Und auch als Garagist hat sich der Ammerswiler einen Namen gemacht. In Fachkreisen gilt Amweg als Experte für die Anfertigung von Oldtimer- und Rennwagen-Spezialteilen.

Mit dem Tagessiegerfahrzeug von 1973 wagt sich Amweg heute und morgen nochmals auf seine Lieblingsstrecke. Anders als zu Aktivzeiten, in denen er als unschlagbar gehandelt wurde, geht das Rennen dieses Mal nicht auf Zeit: Es wird ein Defilee zu Ehren des Gurnigelrennens, dem ältesten Bergrennen der Schweiz. (Der Bund)

Erstellt: 06.09.2010, 14:38 Uhr

Von der Prüfungsfahrt zum Renn-Event

1910 traten zwischen Dürrbach und dem Hotel Gurnigelbad erstmals Fahrer zu einer «Prüfungsfahrt für Automobile» an. Mit einer Zeit von 7 Minuten und 27 Sekunden holte sich der Berner Edmond von Ernst bei dieser ersten Bergkonkurrenz den Tagessieg.

1929 wurde die Strecke um knapp sechs Kilometer verlängert: Bis 1931 massen sich die Fahrer auf der Strecke zwischen Dürrbach und Selibühl. Danach wurde das Gurnigelrennen 37 Jahre nicht mehr ausgetragen. Erst 1968 erlebte das Bergrennen als ACS-Sektionsanlass ein Comeback. Als Ersatz für das Bergrennen Mitholz-Kandersteg, das aufgrund der Bauarbeiten zum neuen Autoverlad am Lötschberg nicht mehr durchgeführt werden konnte, wurde am Gurnigel erstmals nach dem 2. Weltkrieg wieder ein Geschwindigkeitsrennen durchgeführt. Die Nachkriegsrennen wurden auf der ursprünglichen Strecke abgehalten, auf der die Fahrer noch heute um den Tagessieg fahren.

Ab 1970 fand das Bergrennen offiziell Eingang in den nationalen Rennkalender der Schweizer Bergmeisterschaft und wird seither jährlich ausgetragen. Was einst als einfache Fahrkonkurrenz begann, hat sich in den letzten Jahren zu einem der grössten Publikumsmagnete in der Region Gantrisch gemausert. Bei guter Witterung wohnen jeweils rund 15 000 Zuschauer den beiden Renntagen bei.

Laut Jürg Kufmann, Presseverantwortlicher des Vereins Bergrennen Gurnigel, wurden für die Jubiläumsrennen rund 250 Autos und 40 historische Motorräder gemeldet. Die schnellsten Boliden werden die 3,75 Kilometer lange Strecke in weniger als zwei Minuten zurücklegen und dabei Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 200 Kilometern pro Stunde erreichen. (sbv)

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